«Halb Mensch, halb Kreditkarte»: US-Angestellte lassen sich Mikrochips einpflanzen
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«Halb Mensch, halb Kreditkarte»US-Angestellte lassen sich Mikrochips einpflanzen

Wer einen Snack kaufen oder sich in seinen PC einloggen möchte, kann das bei einer Firma in Wisconsin künftig per Mikrochip unter der Haut tun.

von
mlr
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Ein kleiner Stich, und schon steckt der Mikrochip unter der Haut: Freiwillige Angestellte eines US-Unternehmens lassen sich solche Chips implantieren.

Ein kleiner Stich, und schon steckt der Mikrochip unter der Haut: Freiwillige Angestellte eines US-Unternehmens lassen sich solche Chips implantieren.

epa/Bjorn Larsson Rosvall
Tony Danna von Three Square Market ist begeistert von den technischen Möglichkeiten des Chips.

Tony Danna von Three Square Market ist begeistert von den technischen Möglichkeiten des Chips.

AP/Jeff Baenen
Mit dem Chip unter der Haut sollen die Mitarbeiter Snacks bezahlen, Türen öffnen und sich in ihren Computer einloggen können.

Mit dem Chip unter der Haut sollen die Mitarbeiter Snacks bezahlen, Türen öffnen und sich in ihren Computer einloggen können.

AP/Jeff Baenen

Die Mitarbeiter eines US-Unternehmens sollen sich als Versuchspersonen Chips unter die Haut implantieren lassen. Mit den Bauteilen können die Angestellten von Three Square Market dann Snacks kaufen, sich in ihrem Computer einloggen und Türen öffnen, teilte das Unternehmen mit.

Three Square Market betreibt Selbstbedienungsläden in Unternehmen, wo deren Mitarbeiter Snacks kaufen können, und beliefert Gefängnisse. Die Firma aus Wisconsin hofft, dass die Chip-Technologie in ihrer Branche Verbreitung findet.

«Halb Mensch, halb laufende Kreditkarte»

Die Mitarbeiter seien nicht verpflichtet, sich die Chips implantieren zu lassen, teilte Three Square Market mit. Tony Danna, Vizepräsident für internationale Entwicklung in der Firma, erwartet, dass mehr als 50 der 85 Mitarbeiter im Firmen-Hauptquartier sich bei einer Chip-Party am 1. August diese zwischen Daumen und Zeigefinger einsetzen lassen. Oder, wie es die BBC formuliert: die Chance nutzen, «halb Mensch, halb laufende Kreditkarte» zu werden.

Die Chips funktionieren nach dem RFID-Prinzip (radio-frequency identification), also durch die Übertragung elektromagnetischer Wellen zwischen einem Sender und einem Empfänger. Die Bauteile von der Grösse eines Reiskorns kosten umgerechnet 285 Franken pro Stück.

Three Square Market arbeitet mit der schwedischen Firma BioHax zusammen, die die neue Technologie liefert. In Schweden läuft seit einiger Zeit ein Versuch mit Freiwilligen, die sich Mikrochips haben implantieren lassen. In einem weiteren Pilotprojekt, ebenfalls in Schweden, können die Chips auch als Zugbillett verwendet werden.

Datenschützer in Sorge

Implantate, die wie Magnetkarten funktionieren, werden bereits von mehreren europäischen Unternehmen benutzt. Die Chips haben Sorgen um die Privatsphäre hervorgerufen, da sie die Aufenthaltsorte und Einkäufe von Mitarbeitern nachverfolgen und schwerer zu entfernen sind als Plastikkarten.

Firmenchef Danna betont gegenüber der BBC, dass die Chips keine GPS-Funktion hätten, sich der Aufenthaltsort der Angestellten also nicht bestimmen lasse. «Es ist wirklich die gleiche Art Chip, die sich auch in einer Kreditkarte befindet», so Danna.

Chip statt Portemonnaie

Er hofft, dass so ein Chip eines Tages alles ersetzt, was die Menschen sonst in ihrem Portemonnaie mit sich herumtragen: ID, Kreditkarte, Schlüsselanhänger. Ausserdem lasse sich der Chip einfach einführen und entfernen. Es dauere nur etwa zwei Sekunden und fühle sich beim «Installieren» an wie eine Spritze und beim Entfernen wie ein Splitter, den man herausziehe.

Und was, wenn der Träger ausgeraubt wird? Das könne natürlich passieren, so Danna. Aber immerhin müsse man dann nur einen einzigen Chip sperren lassen. (mlr/ap)

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