Margen im Vergleich: US-Autobauer verdienen pro Neuwagen am meisten
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Margen im VergleichUS-Autobauer verdienen pro Neuwagen am meisten

Die grössten sind nicht die profitabelsten. Denn weder VW noch Toyota verdienen pro Neuwagen am meisten, sondern Ford und GM. Das zeigt eine neue Studie.

von
kwo
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Die beliebteste Automarke in der Schweiz ist Volkswagen. Allerdings liegt das Unternehmen bei der Marge pro verkauftem Auto auf dem letzten Platz, so eine Studie von Professor Ferdinand Dudenhöffer.

Die beliebteste Automarke in der Schweiz ist Volkswagen. Allerdings liegt das Unternehmen bei der Marge pro verkauftem Auto auf dem letzten Platz, so eine Studie von Professor Ferdinand Dudenhöffer.

Jens Meyer
Für einen Überraschungserfolg bei der Gewinn-Marge sorgte Peugeot-Citroën mit dem vierten Platz.

Für einen Überraschungserfolg bei der Gewinn-Marge sorgte Peugeot-Citroën mit dem vierten Platz.

Keystone/Martial Trezzini
Auf Platz drei kam Toyota zu liegen.

Auf Platz drei kam Toyota zu liegen.

AP/David Zalubowski

Die gängige Theorie in den Wirtschaftswissenschaften lautet: Die grössten sind meist auch die profitabelsten. Grund: Je grösser ein Unternehmen, desto besser können die Grössenvorteile – sogenannte Skaleneffekte – eingefahren werden. Berühmtes Beispiel: der weltweit tätige Ikea-Konzern mit seinen günstigen Möbeln.

Auf die Autobranche allerdings scheint die Regel nicht zuzutreffen. Das zeigt ein Vergleich, den Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des CAR-Center Automotive Research an der Universität Duisburg-Essen, erstellt hat. Er untersuchte darin die Gewinne pro Fahrzeug, die bei den Autobauern weltweit im ersten Halbjahr 2016 angefallen* sind.

Ford steht an der Spitze

Das Resultat: Gemessen am absoluten Gewinn pro Fahrzeug und an der Gewinnmarge war die Ford Motor Company der erfolgreichste Autokonzern. Pro verkauftem Neuwagen erzielte Ford einen Gewinn von 1652 Euro (circa 1800 Franken). Das entspreche einer Gewinnmarge von 8,7 Prozent. Dabei lag Ford mit 3,4 Millionen verkauften Autos nur auf Platz 5 in der Verkaufsstatistik.

Und es gibt weitere Überraschungen. Noch im Jahr 2009 musste General Motors (GM) Insolvenz beantragen. Nun hat das Unternehmen den zweiten Platz erkämpft. Pro verkauftem Fahrzeug lag der Gewinn bei 1210 Euro (etwa 1317 Franken) pro Fahrzeug. Die Marge lag knapp unter der von Ford und betrug 8,6 Prozent. Insgesamt verkaufte GM 4,8 Millionen Autos, was nach VW (5,2 Millionen) und Toyota (5,0 Millionen) in der Verkaufsstatistik der dritte Platz ist.

Grösse kein Garant für Profit

Bei der Gewinnmarge folgen auf den Plätzen drei, vier und fünf Toyota (8,0 Prozent), Peugot-Citroën (6,8 Prozent) und Hyundai-Kia (6,0 Prozent). Der Verkaufsspitzenreiter VW fährt mit 4,5 Prozent die schlechteste Gewinnmarge aller Autobauer ein. Pro Fahrzeug erzielte VW einen Gewinn von 801 Euro.

Für Auto-Professor Ferdinand Dudenhöffer ist somit klar: Grössenvorteile sind in der Autobranche noch lange keine Garantie für Profitabilität. Er sagt: «Wer ausgelastete Kapazitäten aufweist und über ordentliche Kostenstrukturen verfügt, kann sich als Kleiner gegenüber manchem Grossen behaupten.»

Zukunft wird hart

Dabei sei es für die Autobauer wichtiger denn je, Gewinne einzufahren. Grund: Die Branche steht vor grossen Umwälzungen wie der Elektromobilität, dem automatisierten Fahren sowie der Einführung neuer Mobilitätssysteme. «Wer zu geringe Gewinne macht, hat Probleme, die Zukunftsinvestitionen zu stemmen», so Dudenhöffer.

*Berechnet wurden immer ausschliesslich die Gewinne im reinen Autogeschäft. Finanzdienstleistungen oder Zulieferaktivitäten wurden ausgeklammert. Bei VW sind die Dieselgate-Belastungen nicht berücksichtigt, da es sich dabei um eine einmalige Belastung handelt. Diese sind zwar erheblich, würden den Vergleich des eigentlichen operativen Autogeschäfts aber verzerren.

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