Terror-Gefahr: US-Botschaften bleiben ganze Woche zu
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Terror-GefahrUS-Botschaften bleiben ganze Woche zu

Weil sie einen Anschlag vermuten, haben die USA dieses Wochenende 21 Botschaften in islamischen Ländern geschlossen. Jetzt steht fest: 19 öffnen ihre Türen frühestens am nächsten Samstag wieder.

Die USA haben am Sonntag 21 Botschaften in der islamischen Welt geschlossen und die Militärpräsenz erhöht – etwa in Manama, Bahrain.

Die USA haben am Sonntag 21 Botschaften in der islamischen Welt geschlossen und die Militärpräsenz erhöht – etwa in Manama, Bahrain.

Aus Furcht vor islamistischen Terroranschlägen haben die USA am Sonntag über zwei Dutzend ihrer Botschaften in muslimischen Ländern und in Israel geschlossen. 19 dieser Botschaften im Mittleren Osten und Afrika sollen noch bis Samstag geschlossen bleiben Dies teilte das US-Aussenministerium am Sonntag in Washington mit.

Deutschland, Frankreich und Grossbritannien hatten ihre diplomatischen Vertretungen im Jemen dieses Wochenende vorübergehend dichtgemacht.

Nach einer ersten Anschlagswarnung vom Freitag präzisierte das US-Aussenministerium am Sonntag, mindestens 25 Botschaften von Algerien über Ägypten bis nach Israel und Afghanistan geschlossen zu haben. Ein US-Senator spricht von der «ernstesten Bedrohung» seit Jahren.

Nach Einschätzung von Sicherheitsexperten handelt es sich um eine beispiellose Reaktion auf eine mutmassliche terroristische Bedrohung. «Das ist sehr, sehr ungewöhnlich», sagte der früherer CIA-Mitarbeiter Robert Baer dem Sender CNN.

Erhöhte Wachsamkeit

Die deutsche Vertretung in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa werde am Sonntag und Montag nicht öffnen, teilte das Auswärtige Amt am Samstag mit. Auch die Schweiz passte nach einer Lageanalyse die Sicherheitsdispositive an, wie beim Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) zu erfahren war.

Im Jemen ist die Gruppe Al Kaida auf der Arabischen Halbinsel aktiv. Die einheimischen Sicherheitskräfte verschärften die Vorkehrungen. Wie ein AFP-Reporter berichtete, waren bewaffnete Spezialkräfte im Einsatz, auch Panzer waren zu sehen.

Echte Bedrohung oder Ablenkungsmanöver?

US-Generalstabschef Martin Dempsey sagte dem Fernsehsender ABC News, Ziel möglicher Anschläge seien «die Interessen des Westens, nicht nur der USA». Die Bedrohung sei «spezifischer» als in früheren Fällen. Die «New York Times» berichtete unter Berufung auf US-Regierungskreise, die Warnung beruhe auf abgefangener elektronischer Kommunikation zwischen Al-Kaida-Anführern.

Der ranghöchste Republikaner im Geheimdienstausschuss des Senats sprach am Sonntag sogar von der «ernstesten Bedrohung» seit Jahren. Die aktuellen Geheimdienstinformationen über mögliche Anschläge erinnerten sehr stark an das, was die USA vor den Terroranschlägen vom 11. September 2001 gesehen hätten, sagte Senator Saxby Chambliss dem Fernsehsender NBC. Die US-Regierung habe mit der Entscheidung, die diplomatischen Vertretungen zu schliessen und eine Reisewarnung herauszugeben, auf «Geschnatter» reagiert, das die Geheimdienste abgefangen hätten. Was genau die Behörden abgefangen haben, sagte er nicht.

Das Auffangen elektronischer Kommunikation ist eine Hauptaufgabe des US-Geheimdienstes NSA, dessen massive Spähprogramme US-Whistleblower Edward Snowden enthüllt hatte. Der «New York Times» zufolge deuteten Analysten und Kongressmitarbeiter an, eine Terrorbedrohung zum jetzigen Zeitpunkt sei ein guter Weg, von der Kritik an den NSA-Programmen abzulenken.

Warnung auch von Interpol

Die US-Regierung hatte am Freitag zunächst ihre Bürger vor möglichen Terrorangriffen der Gruppe Al-Kaida bis Ende August «vor allem im Nahen Osten und in Nordafrika» gewarnt. Präsident Barack Obama habe angeordnet, «alle nötigen Massnahmen zum Schutz der US-Bürger» zu ergreifen, hiess es aus dem Weissen Haus.

Angesichts der Warnungen kamen unter Vorsitz der Nationalen US-Sicherheitsberaterin Susan Rice am Samstag unter anderen Aussenminister John Kerry und Verteidigungsminister Chuck Hagel zu Gesprächen im Weissen Haus zusammen. Auch die Chefs der Geheimdienste CIA und NSA sowie der Bundespolizei FBI nahmen teil.

Am Samstag gab auch die internationale Polizeibehörde Interpol eine weltweite Sicherheitswarnung heraus. Sie forderte ihre 190 Mitgliedsländer nach mehreren von Al-Kaida unterstützten Gefängnisausbrüchen etwa im Irak, in Libyen und Pakistan zu erhöhter Wachsamkeit und koordinierten Ermittlungen auf.

Al-Kaida-Chef äussert sich zu Mursi

Bestärkt sehen sich die US-Behörden offenbar durch eine Audio- Botschaft von Al-Kaida-Chef Aiman al-Sawahiri. Er hatte am Dienstag dazu aufgerufen, «Interessen der USA und ihrer Verbündeten» weltweit anzugreifen.

In einer weiteren angeblich von ihm stammenden Botschaft vom Freitagabend wurde der Sturz des islamistischen ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi durch «Kreuzfahrer» und mit «amerikanischem Intrigenspiel» kritisiert.

Experten meinen, dass die erhöhte Terrorgefahr mit dem Ende des muslimischen Fastenmonats Ramadan Mitte nächster Woche zusammenhängen könne. Andere Experten sehen auch einen zeitlichen Zusammenhang mit dem Terroranschlag auf das US-Konsulat im libyschen Bengasi vom 11. September 2012. Vier US-Diplomaten waren getötet worden. (sda)

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