Trump-Proteste: US-Bürger bombardieren Senatoren mit Anrufen
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Trump-ProtesteUS-Bürger bombardieren Senatoren mit Anrufen

Bei vielen republikanischen Abgeordneten stehen die Telefone nicht mehr still. Bürger rufen an, um sich über die Trump-Regierung zu beschweren.

von
A. Richter
AP
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Zahlreiche republikanische Senatoren müssen derzeit Anrufe von erbosten US-Bürgern entgegennehmen. Unter ihnen ist Lisa Murkowski, Senatorin von Alaska.

Zahlreiche republikanische Senatoren müssen derzeit Anrufe von erbosten US-Bürgern entgegennehmen. Unter ihnen ist Lisa Murkowski, Senatorin von Alaska.

AP/J. Scott Applewhite
«Ich habe von Tausenden, wirklich Tausenden Menschen aus Alaska gehört, die ihre Sorgen über Betsy DeVos mitteilen», sagt Murkowski über die designierte Bildungsministerin Betsy DeVos.

«Ich habe von Tausenden, wirklich Tausenden Menschen aus Alaska gehört, die ihre Sorgen über Betsy DeVos mitteilen», sagt Murkowski über die designierte Bildungsministerin Betsy DeVos.

AP/Carolyn Kaster
Auch andere Entscheidungen des US-Präsidenten Donald Trump scheinen vielen Wählern übel aufzustossen.

Auch andere Entscheidungen des US-Präsidenten Donald Trump scheinen vielen Wählern übel aufzustossen.

AP/Pablo Martinez Monsivais

Politik fängt bei kleinen Dingen an – zum Beispiel damit, Anrufe entgegenzunehmen. In dieser Hinsicht ist das Politikerleben auf dem Capitol Hill in Washington in der Ära Trump anstrengend. Die Telefone stehen nicht mehr still, vor allem bei republikanischen Senatoren, die die Bestätigung von Donald Trumps Ministerkandidaten sichern sollen. Das betrifft etwa die umstrittene Milliardärin Betsy DeVos, die Trump als Bildungsministerin nominiert hat. Anrufe nicht entgegenzunehmen, bedeutet nur noch mehr verärgerte Wähler.

Und so sitzen die Abgeordneten, von den jungen Senatoren in ihren kleinen Büros im Keller bis hin zu Politgrössen wie Senats-Mehrheitsführer Mitch McConnell, an den Telefonen. Als McConnell, der für den Staat Kentucky im Senat sitzt, am Mittwoch bei einer Radiosendung nach Trumps umstrittenem Einreiseverbot gefragt wurde, machte er klar, dass er für Wähler immer erreichbar ist: «Ich schätze es, dass viele Menschen aus Kentucky uns ihre Meinung mitteilen und bei verstopften Telefonleitungen geduldig sind.» Der beste Weg, ihn zu kontaktieren, sei allerdings online.

Unbegrenzter Speicherplatz

Der US-Senat gibt keine offiziellen Zahlen dazu heraus, wie viele Anrufe eingegangen sind. Der Ansturm muss gross sein, nachdem auf Facebook und Twitter dazu aufgerufen wurde, den Capitol Hill mit einem Schwall von Anrufen einzudecken. «Ich habe von Tausenden, wirklich Tausenden Menschen aus Alaska gehört, die ihre Sorgen über Betsy DeVos mitteilen», sagt Senatorin Lisa Murkowski, die diesen Staat im Senat vertritt. «Sie haben mich angerufen, mir E-Mails geschickt oder sind vorbeigekommen.»

Andere Senatoren greifen auch zu anderen Mitteln: Nebraskas Senator Ben Sasse installierte eine spezielle Software, damit sein Anrufbeantworter unbegrenzten Speicherplatz hat. Georgias Senator David Perdue teilte eine E-Mail-Adresse auf Twitter, an die die Bürger ihre Kommentare senden können. «Ich versichere, dass unser Team unablässig an der Beantwortung Ihrer Anrufe und E-Mails arbeitet», schrieb Perdue in seinem Tweet. Manche Senatoren gehen zwischendurch sogar selbst ans Telefon.

«Bitte rufen Sie weiterhin an»

Es gibt auch Senatoren, die wegen der Anrufe ins politische Fadenkreuz geraten: Nevadas Senator Dean Heller ist der einzige Republikaner, in dessen Staat die Demokratin Hillary Clinton die Wahl gewonnen hatte. Ausserdem muss er seinen Sitz 2018 verteidigen. Sein Büro versucht mit Hilfe von Praktikanten, jeden einzelnen Anruf live zu beantworten – was derzeit geradezu unmöglich ist. Heller schrieb auf Twitter: «Wir erleben gerade eine Vielzahl von Anrufen in allen unseren Büros. Die Mitarbeiter versuchen, so viele wie möglich zu beantworten. Bitte rufen Sie weiterhin an, um durchzukommen.»

Eine solche Welle an Politisierung seiner Bekannten habe er noch nie gesehen, sagt Keith Barton, ein Professor für Erziehungswissenschaft an der Universität in Indiana. Er selbst sei bisher noch nicht beim Senator für Indiana, Todd Young, durchgekommen. Es sei bemerkenswert, wie viele Leute plötzlich politisch würden, Anrufe tätigen und E-Mails schreiben würden.

«Sie veröffentlichen die Büronummern im Internet und in den sozialen Medien», sagt der texanische Senator John Cornyn. «In gewisser Weise ist das ein Protest gegen die Trump-Regierung und gegen die Bestätigung einiger seiner Nominierten.»

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