Pakistan : US-Drohne tötet Nummer zwei der Taliban
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Pakistan US-Drohne tötet Nummer zwei der Taliban

Der jüngste US-Drohnenangriff hat offenbar den Vize-Chef der pakistanischen Taliban ausgeschaltet. Mit Waliur Rehman hatten 2011 auch zwei entführte Schweizer Touristen Bekanntschaft gemacht.

von
kri
Waliur Rehman im Juli 2011 während einem Interview mit der Nachrichtenagentur AP in Pakistan.

Waliur Rehman im Juli 2011 während einem Interview mit der Nachrichtenagentur AP in Pakistan.

Bei einem neuerlichen US-Drohnenangriff in Pakistan ist am Mittwoch nach amtlichen Angaben der Vize-Chef der pakistanischen Taliban getötet worden. Fünf weitere mutmassliche Aufständische kamen bei dem Angriff auf das Dorf Chashma in der Unruheregion Nord-Waziristan ums Leben, wie pakistanische Behörden mitteilten. Das Weisse Haus wollte die Tötung der Nummer zwei der Taliban zunächst nicht bestätigen.

Der Sprecher von US-Präsident Barack Obama, Jay Carney, sagte jedoch, sollte sich der Tod von Waliur Rehman bestätigen, hätte es einen für «fürchterliche Anschläge» verantwortlichen Führer getroffen.

Die USA hatten auf Rehman, die Nummer zwei der islamistischen Gruppierung Tehreek-e-Taliban Pakistan(TTP), ein Kopfgeld von 5 Millionen Dollar ausgesetzt.

Die US-Regierung beschuldigt Rehman, Angriffe auf US- und NATO-Streitkräfte in Afghanistan organisiert zu haben und für einen Selbstmordanschlag auf einen US-Militärstützpunkt am Hindukusch im Jahr 2009 verantwortlich zu sein. Damals waren sieben CIA-Agenten getötet worden.

Umstrittener Drohneneinsatz

Die unter Federführung des US-Geheimdiensts CIA ausgeführten Drohnenangriffe laufen seit dem Jahr 2004, wurden aber unter Obamas Regierung intensiviert. Obama bezeichnete die Angriffe in der vergangenen Woche als legal, erliess aber zugleich strengere Richtlinien für den Einsatz der Drohnen.

Dazu zählt, dass die Angriffe nur dann erfolgen dürfen, wenn damit ein unmittelbar bevorstehender Anschlag verhindert werden kann, die Festnahme eines Verdächtigen nicht möglich ist und mit hoher Gewissheit keine Zivilisten durch den Einsatz der Drohnen getötet werden.

Schweizer Paar kannte Rehman

Auch die beiden Schweizer Daniela Widmer und David Och mussten mit dem Terroristen Bekanntschaft machen. Die Touristen waren 2011 in Pakistan von Taliban entführt worden. 2012 gelang ihnen die Flucht. Gerüchte, wonach die Schweizer Regierung Lösegeld gezahlt hatte, sind nie ganz verstummt.

Angaben über getötete Taliban- oder Al-Kaida-Anführer haben sich in der Vergangenheit mehrfach als falsch herausgestellt. Die TTP äusserte sich nicht. Die pakistanische Regierung verurteilte den US-Drohnenangriff erneut als kontraproduktiv und als Verstoss gegen internationales Recht.

Regeln für Drohnenangriffe

Pakistan protestiert seit langem gegen den Einsatz von US-Kampfdrohnen im Grenzgebiet zu Afghanistan. Die USA ignorieren das. US-Präsident Barack Obama hatte vergangene Woche angekündigt, den umstrittenen Einsatz bewaffneter Drohnen gegen mutmassliche Terroristen strenger zu regeln. Der Einsatz soll aber weiterhin möglich sein. Der Angriff vom Mittwoch war der erste seit der Ankündigung Obamas.

Nordwaziristan ist ein Rückzugsgebiet von Taliban- und Al-Kaida-Kämpfern. Wali-ur-Rehman sollte nach früheren Angaben der pakistanischen Armee die Nachfolge des pakistanischen Taliban-Chefs Hakimullah Mehsud antreten. Die pakistanischen Taliban agieren unabhängig von den afghanischen Taliban. Sie sind verantwortlich für eine Reihe blutiger Anschläge gegen das pakistanische Militär sowie Zivilisten. (kri/sda)

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