29.07.2020 17:34

«Ja nicht aussäen!»

US-Einwohner erhalten mysteriöse Päckchen mit Saatgut aus China

Landesweit erhalten Haushalte in den USA Postsendungen aus China. Doch bestellt hatten die Empfänger nichts. Noch mehr staunen sie, wenn sie die Couverts öffnen.

von
Karin Leuthold
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Die Päckchen aus China enthalten Saatgut.

Die Päckchen aus China enthalten Saatgut.

Twitter
Diese enthalten Saatgut.

Diese enthalten Saatgut.

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Die Samen wurden noch nicht identifiziert, doch das US-Landwirtschaftsministerium warnte die Empfänger, die Samen anzupflanzen.

Die Samen wurden noch nicht identifiziert, doch das US-Landwirtschaftsministerium warnte die Empfänger, die Samen anzupflanzen.

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Darum gehts

  • Seit Wochen erhalten Haushalte in den USA Pakete aus China.
  • Als Inhalt wird «Schmuck» angegeben.
  • Die Pakete erhalten jedoch Saatgut.
  • Die Landwirtschaftsbehörde ist alarmiert.

In 27 US-Staaten haben Einwohner in den letzten Wochen mysteriöse Postsendungen aus China erhalten. Der Inhalt wird mit «Schmuck» deklariert, doch die Pakete enthalten Pflanzensamen. Die Sendungen haben noch etwas gemeinsam: Keiner der Empfänger hatte Ware aus China bestellt.

Auf Social Media meldeten mehrere Nutzer aus Texas, Louisiana, Ohio, Virginia, Utah, Kansas, Kentucky, South Carolina und Delaware, dass sie ein verdächtiges Päckchen aus Fernost erhalten hätten. Bald wurde der Hashtag #SeedsfromChina zu einem Trending Topic. Nun hat sich das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) in den Fall eingeschaltet, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet.

Brushing – eine Strategie, um Kundenmeinungen einzuholen

Die Behörde riet den Betroffen davon ab, die Samen zu benutzen. Wer ein solches Paket aus Fernost erhalte, solle sich bei den örtlichen Behörden melden und die Samen nicht aussäen, teilte das USDA in einer Medienmitteilung mit. Demnach könnte es sich bei dem noch nicht identifizierten Saatgut um invasive Pflanzenarten handeln, die lokale Ernten oder das Vieh bedrohen könnten. Die Empfänger sollen die Samen auch nicht entsorgen, sondern sie bei der Polizei abgeben.

Marketingexperten vermuten, dass hinter den rätselhaften Sendungen eine sogenannte Brushing-Aktion steckt. Bei einer solchen Guerilla-Marketingpraxis sendet ein Unternehmen ein Produkt an zufällig ausgewählte Empfänger, deren Namen und Adressen sie offenbar von Drittanbietern erhalten haben. Damit kann dann die Firma für ihr Produkt eine gefälschte Bewertung im Namen des «Kunden» schreiben.

«Was Sie als Empfänger als Erstes tun sollten, ist, Ihre Adresse zu googeln. Sie werden staunen, was da alles rauskommt. Es ist manchmal beängstigend», sagt Jane Rupp, Direktorin der NGO Better Business Bureau, zu CNN.

Mittlerweile gaben auch Menschen in Kanada an, Päckchen mit Samen aus China erhalten zu haben. Und sogar die Redaktion der deutschen Fachzeitschrift «Netzwelt» erhielt Anfang Woche ein Couvert aus Singapur mit «nicht näher spezifizierten Samen», wie sie schreibt.

Haben Sie auch schon eine Postsendung aus China mit Saatgut erhalten? Dann schreiben Sie uns!

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