Finanzkrise: US-Finanzierer CIT ist konkurs

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FinanzkriseUS-Finanzierer CIT ist konkurs

Nach monatelangem Überlebenskampf hat die über 100 Jahre alte US-Kreditbank CIT nun doch Insolvenz angemeldet. Die Bank will sich unter Gläubigerschutz und mit Hilfe des US-Investors Carl Icahn sanieren.

Mit Schulden von knapp 65 Mrd. Dollar bei Vermögenswerten von gut 71 Mrd. Dollar ist es eine der grössten Firmenpleiten in den USA überhaupt und die grösste einer Bank seit dem Kollaps von Lehman Brothers im September des vergangenen Jahres.

Mit dem geordneten Verfahren nach US-Insolvenzrecht (»Chapter 11») will die Mittelstandsbank, die rund eine Million US-Unternehmen mit Krediten versorgt, nun Altlasten abwerfen und den Neustart versuchen. Das Unternehmen hat sich mit Icahn auf eine Milliardengarantie samt Rettungsplan geeinigt.

Icahn stellt CIT zunächst 1 Mrd. Dollar bereit, um den Weiterbetrieb des Unternehmens während der Neustrukturierung sicherzustellen. Zudem sagte die Bank Goldman Sachs eine Kreditlinie über gut 2 Mrd. Dollar zu.

Keine grossen Schockwellen

Dem Sanierungskonzept zufolge sollen die CIT-Schuldtitel bei dem Konkursverfahren auf 70 Prozent ihres Nennwertes gekappt werden. Als Ausgleich geht ein Grossteil der neu auszugebenden Aktien an die Gläubiger. Die Alt-Aktionäre könnten nicht mehr mit viel Geld rechnen, sagte ein Sprecher des Finanzministeriums.

Experten rechnen allerdings nicht damit, dass die CIT-Insolvenz grosse Schockwellen in die Finanzwelt ausstrahlt wie der Konkurs von Lehman Brothers. Seit Monaten wurde der Gang ans Konkursgericht erwartet. Dennoch dürften die Sorgen um die Erholung der US- Wirtschaft zunehmen.

Der Konzern war in der Finanzkrise ins Straucheln geraten, weil er sich in Boomzeiten zu viele Hypotheken- und Studentendarlehen aufgeladen und einen Schuldenberg angehäuft hatte. CIT finanziert zudem rund eine Million kleinere und mittelständische Firmen.

Ein Berg fauler Kredite

Das Unternehmen selber finanzierte sich vorwiegend über Geld, das es am Anleihemarkt aufnahm. Als sich die Krise verschärfte und die Ratingagenturen die Kreditwürdigkeit des Unternehmens herunterstuften, wurde die Finanzierung für CIT immer teurer.

Daran sind schon zahlreiche andere Finanzinstitute wie die Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac und nicht zuletzt Lehman Brothers gescheitert. Die Rezession tat ihr übriges und liess den Berg an faulen Krediten bei CIT immer weiter wachsen. Zuletzt waren fast zehn Prozent der Kredite an Firmenkunden vom Ausfall bedroht.

Die Insolvenz ermöglicht es CIT, ihre «klein- und mittelständischen Kunden weiter mit Finanzierungen zu bedienen», wie Unternehmenschef Jeffrey Peek mitteilte. CIT will nach eigenen Angaben binnen zwei Monaten wieder aus dem Insolvenzverfahren heraus sein.

In der Nacht zum Freitag war ein Angebot an die CIT-Gläubiger zur Umschuldung abgelehnt worden. Stattdessen befürworteten 90 Prozent der Gläubiger den schon vorbereiteten Plan zur geordneten Insolvenz.

Filialen bleiben offen

Der Insolvenzantrag bezieht sich nur auf die Bankzentrale, nicht jedoch auf das CIT-Filialnetz, das weiterbetrieben werden soll.

Im Dezember hatte die Bank 2,3 Mrd. Dollar Staatshilfe aus dem US- Bankenrettungsfonds erhalten. Das meiste davon dürfte für die Steuerzahler verloren sein. Vorrangig werden nämlich die Gläubiger und Anleihen-Halter der Bank ausgezahlt. Damit ist es der erste Verlust für den Rettungstopf. (sda)

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