Rohstoffe im All: US-Firma will Asteroiden ausbeuten
Aktualisiert

Rohstoffe im AllUS-Firma will Asteroiden ausbeuten

Bereits in wenigen Jahren will Deep Space Industries im Weltall gewonnene Rohstoffe an Raumfahrtunternehmen und Sammler verkaufen.

von
jcg

2015 solls losgehen. Dann will das US-Unternehmen Deep Space Industries eine Reihe billiger Satelliten auf zwei bis sechs Monate dauernde Testmissionen ins All schiessen, um geeignete Asteroiden zu finden. Ein Jahr später sollen dann grössere Sonden Miniasteroiden in Erdnähe einfangen und schliesslich zu Studienzwecken in den Erdorbit bringen.

Es sind ehrgeizige Pläne, die Firmenchef Rick Tumlinson im Flugmuseum von Santa Monica in Kalifornien der Weltpresse vorstellte. Doch er ist überzeugt, dass die Rohstoffe, die in den Asteroiden schlummern, genügen, «damit sich die Zivilisation der Erde grenzenlos in den Kosmos ausdehnen kann». Mit seinem Vorhaben befindet sich Tumlinson in illustrer Gesellschaft. Vor weniger als einem Jahr hat die Firma Planetary Resources der Google-Milliardäre Larry Page und Eric Schmidt und des Hollywood-Regisseurs James Cameron, ähnliche Pläne präsentiert.

Sie alle setzen darauf, dass sie Asteroiden ausbeuten können, die Platin und andere wertvolle Metalle enthalten. Mark Sonter, der Geologie-Sachverständige der Firma, erklärte, dass es etwa 1700 Asteroiden in Erdnähe gebe, die leichter zu erreichen seien als der Mond. Fast alle trügen wertvolle Stoffe, von Silikaten über Metalllegierungen. Sogar Wasser sei zu finden – im All ein äusserst seltener Rohstoff.

Start per Anhalter

Die Pläne von Deep Space Industries sehen vor, dass Raumschiffe auf Asteroiden landen und dort wertvolle Rohstoffe schürfen. Diese sollen dann direkt im All verarbeitet oder für den Verkauf zur Erde zurückgeschickt werden. Eine weitere Zukunftsidee ist der Bau einer Fabrik im Weltall. Diese soll die Rohstoffe zu geeigneten Legierungen oder anderen Substanzen verarbeiten. Auch die Herstellung von Objekten mithilfe von 3D-Druckern ist angedacht.

Die ersten Erkundungsmissionen will das Unternehmen mit Sonden unternehmen, denen es die Namen «FireFly» (Glühwürmchen) und «DragonFly» (Libelle) gegeben hat (siehe Bildstrecke). Sie könnten per Anhalter auf Raketen mitfliegen, die Kommunikationssatelliten ins All bringen.

Skeptische Experten

Wissenschaftler und Ingenieure teilen den Enthusiasmus von Deep Space Industries allerdings nur begrenzt. Keith Cowling, Chef von nasawatch.com, sagte dem «Guardian», dass er von den Plänen noch nicht überzeugt sei. «Ist die Vorstellung, Asteroiden auszubeuten, verrückt? Nein, ist sie nicht. Ist es schwierig? Oh ja. Kann man damit Geld verdienen? Die Leute versuchen es und machen Fortschritte.» Aber er sagt, dass jede Firma ein Produkt, erfahrene Leute und ein Geschäftsmodell brauche. «Man braucht alle drei Elemente, sonst ist es kein Geschäft, sondern ein Hobby.»

Fred Taylor, Professor für Physik in Oxford, hält den Start billiger kleiner Satelliten für die Suche nach Asteroiden ab 2015 für möglich. Doch das sei nur ein Anfang. Es werde noch länger dauern, bis wirkliches Schürfen oder gar Bergbau in Angriff genommen werden könnten. Es sei schwierig und teuer. «Wahrscheinlich sind sie auf Platin und seltene Erden aus und es könnte eine Zeit kommen, wenn diese Materialien so teuer werden, dass es Sinn macht, sie auf Asteroiden zu suchen. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass es sich schon bald einmal lohnen würde.»

Werbevideo von Deep Space Industries. (Quelle: YouTube/DeepSpaceIndustries)

Auch die Firma Planetary Resources ist seit ihrer Präsentation im April 2012 nicht untätig geblieben. Kürzlich stellte sie ein lebensgrosses Modell eines Mini-Weltraumteleskops vor, mit dem sie nach geeigneten asteroiden suchen will. (Quelle: YouTube/PlanetaryResources)

Deine Meinung