Datenschatz: US-Firma zapft Schweizer Hobby-Meteorologen an
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DatenschatzUS-Firma zapft Schweizer Hobby-Meteorologen an

Die US-Firma The Weather Company nutzt im grossen Stil Daten von privaten Wetterstationen. Die Informationen werden etwa für Shampoo-Werbung genutzt.

von
F. Lindegger
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Private Wetterstationen sammeln wertvolle Daten.

Private Wetterstationen sammeln wertvolle Daten.

Keystone/Christian Beutler
In der Schweiz werden mehrere tausend solcher Stationen betrieben. Im Bild: eine professionelle Wetterstation von Meteo Schweiz in Payerne.

In der Schweiz werden mehrere tausend solcher Stationen betrieben. Im Bild: eine professionelle Wetterstation von Meteo Schweiz in Payerne.

Keystone/Jean-christophe Bott
Auche der weltweit grösste private Wetterdienst, die US-Firma The Weather Company, nutzt diese Daten.

Auche der weltweit grösste private Wetterdienst, die US-Firma The Weather Company, nutzt diese Daten.

Tausende Schweizer Hobby-Meteorologen betreiben eigene kleine Wetterstationen. Dort messen sie etwa Temperatur, Luftfeuchtigkeit oder Windrichtung. Seit einiger Zeit nutzt auch der weltweit grösste private Wetterdienst, die US-Firma The Weather Company, diese Daten. Die Tochterfirma Weather Underground erfasst Informationen von rund 12'000 privaten Schweizer Wettersensoren. Über 1000 davon befinden sich allein in der Region Zürich. Alle fünf Minuten werden die Daten aktualisiert, wie der Meteorologe Paul Walsh von The Weather Company kürzlich an einem Anlass in Zürich erklärte.

Die Messwerte, die die Betreiber der privaten Wetterstationen sammeln, fliessen anschliessend in die Wettermodelle ein. Die wiederum dienen unter anderem als Grundlage für die iPhone-Wetter-App, denn Apple bezieht seine Daten von The Weather Company. Die Hobby-Meteorologen erhalten von der US-Firma als Gegenleistung Prognosen für die Region, wo sich ihre Station befindet.

Geschäftsmodell hyperlokale Prognose

Die US-Firma integriert nicht als einzige Daten von Freizeit-Meteorologen. Auch Schweizer Wetterdienste wie Meteonews setzen auf Messungen von Privaten. «Wir verwenden Messwerte von rund 100 bis 150 privaten Station in der Schweiz», erklärt Reto Vögeli, Geschäftsleitungsmitglied von Meteonews. Damit die Daten vom Wetterdienst berücksichtigt werden, verlangt die Firma von den Privaten etwa Fotos der Station und führt Testmessungen durch. «Wir wollen sicher sein, dass die Wetterstationen eine gewisse Qualität garantieren. Deshalb benutzten wir eher wenig Messwerte, dafür solche, die verlässlich sind», so Vögeli zu 20 Minuten. Denn eine grosse Anzahl von Datenpunkten bringe nichts, wenn diese ungenau seien.

The Weather Company setzt weltweit auf zehntausende private Wetterstationen, weil das Unternehmen damit hyperlokale Prognosen errechnen will. Die Firma sieht darin ein lukratives Geschäft. Es geht ihr dabei weniger um Private, die wissen wollen, ob das Wetter am Wochenende eine Wanderung zulässt, als vielmehr um Firmenkunden. Das ist auch der Grund, warum der IT-Riese IBM Ende 2015 rund 2 Milliarden US-Dollar bezahlt hat, um The Weather Company zu kaufen.

Noch mehr Daten dank Internet der Dinge

Wie das Geschäftsmodell mit Wetterdaten funktioniert, erläuterte Meteorologe Walsh anhand einer früheren Zusammenarbeit mit dem Shampoo-Hersteller Pantene. Aufgrund der Wetterprognosen wurden je nach Standort unterschiedliche mobile Werbungen für Haarprodukte geschaltet. Wenn also eine Phase mit schwülem Wetter vorausgesagt ist, wird an diesem Ort im Vorfeld für ein anderes Shampoo geworben als an einem Ort, wo Regen erwartet wird. Um zehn Prozent hätten die Shampoo-Verkäufe durch die wettergestützte Werbung zugenommen, erklärte Walsh.

The Weather Company hofft, künftig dank dem Einsatz von maschinellem Lernen noch genauere Modelle zu liefern. Und zu den Daten der privaten Wetterstationen sollen noch weitere von Privaten erhobene Messwerte hinzukommen. Durch das Internet der Dinge, das künftig einen Grossteil der benutzten Geräte mit dem Internet verbinden dürfte, will das Unternehmen künftig noch mehr Daten sammeln.

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