Rückforderungen: US-Firmen verlangen von Kuba Milliarden
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RückforderungenUS-Firmen verlangen von Kuba Milliarden

Nach über 50 Jahren steht das US-Embargo gegen Kuba kurz vor dem Fall. Nun möchten US-Firmen davon profitieren. Sie fordern ihren ehemaligen Besitz zurück.

von
Kaspar Wolfensberger
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An der Beerdigung von Nelson Mandela am 10. Dezember 2013 sprachen Barack Obama und Raúl Castro ein erstes Mal miteinander.

An der Beerdigung von Nelson Mandela am 10. Dezember 2013 sprachen Barack Obama und Raúl Castro ein erstes Mal miteinander.

Keystone/AP/Uncredited
Im FNB-Stadium in Soweto in der Nähe von Johannesburg schüttelten die beiden sich die Hände.

Im FNB-Stadium in Soweto in der Nähe von Johannesburg schüttelten die beiden sich die Hände.

Keystone/AP
Schliesslich entschieden die beiden Präsidenten, nach über 50 Jahren wieder diplomatische Beziehungen aufzunehmen.

Schliesslich entschieden die beiden Präsidenten, nach über 50 Jahren wieder diplomatische Beziehungen aufzunehmen.

Keystone/AP

Es war eine grosse Überraschung: Letzte Woche verkündeten Kuba und die USA eine diplomatische Annäherung. Die Länder möchten nach über 50 Jahren wieder offizielle Beziehungen aufnehmen. Das Embargo gegen die Karibikinsel könnte bald fallen. Für die kubanische Wirtschaft würde das zu grossen Veränderungen führen. Es käme frisches Kapital aus den USA und für Wirtschaftszweige wie die Tabakindustrie würde sich ein neuer Absatzmarkt öffnen.

Doch die Annäherung könnte für Kuba auch negative Auswirkungen haben. Als Fidel Castro im Jahr 1959 die Macht ergriff, verstaatlichte seine Regierung innert kürzester Zeit den Besitz ausländischer Unternehmen. Betroffen von dieser Massnahme waren primär Firmen aus den USA. Vor der Revolution betrieben sie Casinos, Hotels, Zuckerrohrplantagen, Eisenbahnen oder Kraftwerke. Das Problem: Sie erhielten nie eine finanzielle Entschädigung für die Enteignungen.

Firmen fordern Milliarden

Viele US-Unternehmen möchten sich hiermit nicht abfinden. Sie verlangen ihren damals verloren gegangenen Besitz zurück – inklusive Zinsen. Der Gesamtbetrag aller ausstehenden Forderungen beträgt 7 Milliarden Dollar. Grösster Gläubiger ist der Bürobedarf-Anbieter Office Depot, dessen ehemalige Tochterfirma Cuban Electric Company in den 1950er-Jahren 90 Prozent des kubanischen Strombedarfs abdeckte. Die Castro-Regierung verstaatlichte ein Kraftwerk des Unternehmens im Wert von 200 Millionen Dollar.

Weitere bekannte Namen auf der Liste der Gläubiger sind die Coca-Cola Company, der Ölkonzern Exxon, der Reifenhersteller Firestone, der Sheraton-Betreiber Starwood Hotels, der Bananen-Konzern Chiquita und der Zahnpasta-Produzent Colgate. Ausserdem finden sich auch die Forderungen von Einzelpersonen auf der Liste, die insgesamt über 109 Seiten umfasst.

Verhandlungen werden heikel

Für die anstehenden Verhandlungen über eine Normalisierung der Beziehungen dürften sich die Forderungen der Gläubiger als Stolperstein erweisen. Ein Sprecher des US-Aussenministeriums sagte: «Eine Lösung für das Problem der ausstehenden Schulden zu finden, geniesst für unsere Regierung eine hohe Priorität.» Und die US-Diplomatin Roberta Jackson versprach: «Wir glauben, dieses Thema muss Teil der Gespräche mit der kubanischen Regierung sein.»

In Kuba stossen die Amerikaner damit auf wenig Verständnis. Staatspräsident Raúl Castro erklärte in der Vergangenheit mehrmals: «Bevor wir etwas zurückzahlen, müssen uns die Amerikaner die wirtschaftlichen Schäden des Embargos gegen unser Land vergüten.» Experten meinen allerdings, dass die Kubaner nicht an dieser Position festhalten werden. «Sie wollen eine Normalisierung der Beziehungen. Das geht nur, wenn sie sich bereit erklären über das Thema zu diskutieren», zitiert das Portal TPM den Kuba-Spezialisten Robert Muse.

Obamas Kreativität

Wie wird Barack Obama mit dem Thema umgehen? Der amerikanische Politologe Philip Peters meint, dem US-Präsidenten stehe ein eigentlicher Kreativitätstest bevor. «Er wird auf viel Widerstand stossen und muss ganz neue Vorschläge präsentieren, die sowohl US-Firmen als auch Kubaner zufriedenstellen.» Ein Vorschlag wäre: Enteignete US-Unternehmen gründen Joint-Ventures in Kuba. So erhalten sie wieder die Kontrolle über ihren ehemaligen Besitz, die Kubaner könnten aber ebenfalls profitieren.

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