«Wir hatten keine andere Wahl»: US-Fussballteam bricht Spiel wegen Schwulenhass ab
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«Wir hatten keine andere Wahl»US-Fussballteam bricht Spiel
wegen Schwulenhass ab

Landon Donovan rastete aus, als er von der homophoben Beleidigung seinem Spieler gegenüber hörte. Schnell stand sein Entschluss fest. Der Trainer holte sein Team vom Feld.

von
Nils Hänggi
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Landon Donovan reagierte schnell. Er sagte: «Der Abbruch war einfach die einzige Möglichkeit.» 

Landon Donovan reagierte schnell. Er sagte: «Der Abbruch war einfach die einzige Möglichkeit.»

Foto: Gregory Bull (Keystone)
San-Diego-Profi Collin Martin wurde homophob beleidigt.

San-Diego-Profi Collin Martin wurde homophob beleidigt.

Foto: Twitter
Er war der Übeltäter. Doch Junior Flemmings selbst beteuert seine Unschuld.

Er war der Übeltäter. Doch Junior Flemmings selbst beteuert seine Unschuld.

Foto: Twitter

Darum gehts

  • In den USA ist ein Zweitligaspiel abgebrochen worden, nachdem ein Spieler homophob beleidigt wurde.
  • Für den Coach, Landon Donovan, war der Abbruch die einzig mögliche Lösung.
  • Der Übeltäter beteuert seine Unschuld.

«Das war einfach nur niederschmetternd für mich», sagte Landon Donovan mit belegter Stimme über den Auslöser des Eklats. Der Teammanager der San Diego Loyal war tief erschüttert, er war schockiert. Auch nach dem Skandalspiel im Torero Stadium rang der frühere Bayern-Profi um Fassung.

Doch was war passiert? Weshalb war der 38-Jährige so schockiert, so deprimiert? Nun, der Grund war wahrlich ein trauriger. So wurde San-Diego-Profi Collin Martin homophob beleidigt, woraufhin sich Donovan beim Zweitliga-Duell mit Phoenix Rising zum letzten Mittel gezwungen sah: Spielabbruch.

Eigentlich war ein Protest geplant

Als der Schiedsrichter beim Stand von 3:1 für San Diego zur zweiten Halbzeit anpfiff, ging Donovans Mannschaft geschlossen vom Platz. Die erhoffte Play-off-Teilnahme war damit passé. Für Donovan aber nicht schlimm. Im Gegenteil. Der Coach war «unglaublich stolz auf diese Mannschaft und diesen Club».

Er könne verstehen, sagte der 38-Jährige, «dass die meisten Leute, die von aussen draufschauen, das nicht nachvollziehen können». Seine Spieler und er aber sahen sich «gezwungen zu handeln», als der homosexuelle Martin kurz vor der Pause nach einer Roten Karte gegen ihn von Phoenix-Angreifer Junior Flemmings beleidigt worden sei. Und: «Wir hatten keine andere Wahl.»

Und das stimmt. Denn der Eklat hat eine Vorgeschichte. So wurde in der vergangenen Woche San-Diego-Spieler Elijah Martin im Duell mit LA Galaxy II (1:1) von Gegenspieler Omar Ontiveros rassistisch beleidigt. Ontiveros schrie ihn mit dem N-Wort an. Der LA-Spieler wurde mit einer Geldstrafe und einer Sperre für sechs Spiele belegt, auch feuerte ihn Galaxy.

Und Donovan? Der schwor, nach dem Spiel gegen Galaxy noch stärker für seine Werte einzustehen, und vereinbarte mit Phoenix, das Spiel in der 71. Minute zu unterbrechen. Zu dem Zeitpunkt also, zu welchem Elijah Martin von Ontiveros beleidigt worden war. Auch sollten die Teams ein Banner mit der Botschaft «I will act, I will speak» (Ich werde handeln, meine Stimme erheben) zeigen.

Eine gute Idee. Ein Einfall, der bestimmt auch zu Zeitungsartikeln geführt hätte. Doch es kam gar nicht so weit. Kein Banner wurde präsentiert, in der 71. Minute wurde das Spiel nicht unterbrochen. Nein. Der Match wurde wegen Schwulenhass abgebrochen.

«Das hat ja nichts mit Rassismus zu tun»

«Als ich von der homophoben Beleidigung hörte, bin ich ausgerastet», erzählte der 38-jährige Coach. Er habe sich so machtlos gefühlt. Der Schiedsrichter habe nichts unternommen, und als er seinen Trainerkollegen Rick Schantz aufforderte, den vermeintlichen Übeltäter Flemmings auszuwechseln, habe dieser ihn ignoriert. Donovan sagte: «Der Abbruch war einfach die einzige Möglichkeit.»

Flemmings beteuerte derweil nach dem Match seine Unschuld. Sagte, dass es für die Anschuldigung «keinerlei Beweise» gebe und er überhaupt solidarisch an der Seite der Bewegung LGBTQ+ stehe. Sein Trainer meinte zur Beleidigung: «Das hat ja nichts mit Rassismus zu tun.»

Es sind Aussagen, die Landon Donovan wohl wieder zum Ausrasten gebracht haben. Und es sind Worte, die der Betroffene, Collin Martin, wohl weiter verletzten. In einem Interview, das San Diego Loyal auf Twitter veröffentlichte, sagte er zum Vorfall: «Ich habe mich persönlich attackiert gefühlt. Ich wollte das Spiel deswegen aber nicht beenden. Landon sagte, wir würden nur weiterspielen, wenn der betreffende Spieler sanktioniert werde. Das passierte nicht. Ich lobe seine Führungsstärke, wie er reagiert hat.»

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53 Kommentare
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B. Rater

04.10.2020, 10:25

Im Eifer des Gefechts kommt schon auch mal die Wahrheit zu Tage.

Rangliste im Sport

04.10.2020, 09:43

Und darum wird sich Fussball niemals in den Staaten durchsetzen nur weil jemand ein anderer beleidigt hat

The

04.10.2020, 09:10

also-viele-finden-es-gut, dass-das-spiel-unterbrochen-wurde. Hmmm-denke-ist-klar-das-man-hier-ein-übertriebenes-statement-abgeben-möchte.umd-man-wundert-sich-wieso-man-immer-weniger-diese-leute-ernst-nimmt.