Aktualisiert 05.11.2011 20:06

Afghanistan im ChaosUS-General Fuller blutet für Karsai-Kritik

Hamid Karsai als «realitätsfern» und «unberechenbar» zu bezeichnen, wurde dem US-Topkommandanten Peter Fuller zum Verhängnis. Er muss seinen Posten räumen.

Generalmajor Peter Fuller muss für seine Bemerkungen zu Afghanistans Präsident Karsai büssen.

Generalmajor Peter Fuller muss für seine Bemerkungen zu Afghanistans Präsident Karsai büssen.

Der Oberbefehlshaber der internationalen Schutztruppe (ISAF) in Afghanistan, John Allen, hat am Freitag einen seiner Topkommandanten wegen kritischer Äusserungen über den afghanischen Präsidenten Hamid Karsai gefeuert.

Generalmajor Peter Fuller, der als Nummer Zwei für die Ausbildung der afghanischen Truppen zuständig war, hatte die afghanische Führung kürzlich in einem Interview der Politwebseite «Politico» unter anderem als «realitätsfern» und Karsai als «unberechenbar» bezeichnet.

Fuller sei wegen «unangemessener öffentlicher Äusserungen» ab sofort von seinen Aufgaben entbunden worden, hiess es in einer Mitteilung der Koalitionstruppen in Afghanistan. Unklar blieb zunächst, ob der General auf einen anderen Posten versetzt oder in den Ruhestand geschickt wird.

Fuller gab das Interview während eines USA-Aufenthaltes und wollte nach Angaben der «Washington Post» an diesem Wochenende nach Afghanistan zurückkehren. Die Kritik brach aus ihm heraus, als er nach Karsais jüngster Äusserung gefragt wurde, dass sich Afghanistan im Fall eines Krieges zwischen den USA und Pakistan auf die pakistanische Seite schlagen würde.

«Unglückliche Äusserungen» Fullers

«Du willst mich wohl auf den Arm nehmen», sagte Fuller «Politico» zufolge. «Es tut mir leid, wir haben Dir gerade 11,6 Milliarden Dollar gegeben und jetzt sagst Du mir, «das ist mir wirklich egal»?»

Wiederholt beklagte sich der General, dass die afghanische Führung undankbar sei. Sie wisse anscheinend Amerikas Opfer für ihr Land in Form von Blut und Geld nicht zu schätzen.

Allen erklärte der Militärmitteilung zufolge, die «unglücklichen Äusserungen» Fullers spiegelten weder die «derzeitige solide Beziehung» zur afghanischen Führung noch «unsere gemeinsame Verpflichtung zum Erfolg hier in Afghanistan» wider.

Fuller ist nicht der erste US-Spitzengeneral in Afghanistan, der wegen öffentlicher kritischer Äusserungen seinen Posten verlor. 2010 musste der Kommandeur der US-Truppen, Stanley McChrystal, nach abfälligen Bemerkungen über hochrangige Mitglieder der Obama- Regierung gehen. (sda)

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