Aktualisiert 17.12.2004 06:49

US-Gericht stoppt Auktion von Jukos-Tochter

Ein US-Konkursgericht hat eine einstweilige Verfügung gegen die für Sonntag geplante Zwangsversteigerung einer Tochter des angeschlagenen russischen Ölkonzerns Jukos erlassen.

Die Veräusserung der wichtigsten Produktionstochter von Jukos, Juganskneftegas, dürfe nicht wie geplant am Sonntag, sondern erst frühestens zehn Tage später erfolgen, entschied Richterin Letitia Clark. Allerding blieb unklar, ob die geplante Versteigerung damit verhindert werden kann.

Analysten in Moskau hatten in den vergangenen Tagen gesagt, die russischen Behörden würden wohl ungeachtet jeglicher Entscheidungen von US-Gerichten mit ihren Plänen fortfahren.

Gläubigerschutz

Jukos hatte vor dem Gericht im texanischen Houston die einstweilige Verfügung beantragt. Der Konzern hatte zudem Gläubigerschutz beantragt. Er will damit die Zwangsversteigerung seiner Kernsparte Juganskneftegaz verhindern. Russland fordert von Jukos Steuernachzahlungen von rund 27 Milliarden Dollar.

Richterin Letitia Clark nahm die russische Regierung von ihrer Entscheidung aus, sondern bezog diese auf den staatlich kontrollierten Gasmonopolisten Gazrom und die an der Finanzierung beteiligten Banken.

«Teilnehmer der internationalen Geschäftswelt, in Russland, den USA und andernorts, müssen bei Investitionen in ausländische Unternehmen die Erwartung haben, dass sie dies ohne die Sorge tun können, dass ihre Investitionen von Behörden ausländischer Regierungen konfisziert werden könnten», sagte sie.

Entscheid begrüsst

Ein Jukos-Sprecher begrüsste die Entscheidung des US-Gerichts. Zwar werde die russische Regierung vielleicht nicht die Versteigerung stoppen, aber der Konzern setze darauf, dass die Banken sich an die Verfügung hielten.

«Unsere Hoffnung ist, dass die beteiligten Banken das US-Recht respektieren und die Finanzierung des Verkaufs ablehnen könnten», sagte Jukos-Sprecher Mike Lake weiter.

Gazprom, an dem das deutsche Energieunternehmen E.ON 6,5 Prozent hält, galt als Favorit für den Zuschlag für die Jukos-Tochter Juganskneftegaz.

Yuganskneftegaz fördert täglich eine Million Barrel (ein Barrel = 159 Liter) Öl. Zur Finanzierung des Geschäfts plant Gazprom das bislang grösste Kreditabkommen in der russischen Geschichte im Volumen von etwa zehn Milliarden Euro. Daran soll sich auch die Deutsche Bank beteiligen.

Yugansk soll für eine Mindestgebot von umgerechnet 6,5 Milliarden Euro angeboten werden. Jukos hat erklärt, das Gebot sei viel zu niedrig und vernichte damit das Kapital der Anleger. Analysten beziffern den Wert von Yugansk auf 13,5 Milliarden bis knapp 19 Milliarden Euro.

Zuvor hatte sich der inhaftierte Jukos-Grossaktionär Michail Chodorkowski von diesem Versuch seiner Manager distanziert, die Zerschlagung der Firma vor US-Gerichten zu stoppen. Ein US- Insolvenzverfahren bringe keine Rettung vor dem endgültigen Aus, teilte der Mehrheitseigner über seine Anwälte mit.

(sda)

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