US-Gouverneur mit Verbindung zu Prostituierten-Ring
Aktualisiert

US-Gouverneur mit Verbindung zu Prostituierten-Ring

Da ist den Beamten ein ganz grosser Fisch ins Netz gegangen: Ausgerechnet der Gouverneur des US-Bundesstaats New York, Eliot Spitzer, wurde beim Besuch bei einer Edelprostituierten ertappt.

Das berichtet die «New York Times». Gouverneur Spitzer sei bei einer Abhöraktion aufgeflogen, zitiert die Zeitung einen mit den Details vertrauten Informanten. Spitzer wird in Gerichtsdokumenten als «Kunde 9» des Prostituierten-Rings genannt.

In der vergangenen Woche waren vier Verdächtige mit mutmasslichen Verbindungen zum Prostituiertengeschäft festgenommen worden. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft vermittelten sie mehr als 50 Prostituierte in New York, Washington, Los Angeles, Miami, London und Paris an wohlhabende Kunden.

Öffentliche Entschuldigung

Die Beamten hätten Untersuchungen gegen den Prostituierten-Ring «Emperors Club VIP» getätigt, als ein Mann einem Treffen mit einer teuren Prostituierten zugesagt habe. Der Gewährsmann der Zeitung identifizierte den Klienten als den bekannten Politiker Eliot Spitzer. Spitzer sei in Februar mit mindestens einer Frau in einem Hotel in Washington zusammengetroffen, erklärte er weiter.

Der Demokrat hat laut der Zeitung sämtliche öffentlichen Termine abgesagt. Der Politiker hat sich im Beisein seiner Frau bei seiner Familie und der Öffentlichkeit entschuldigt - allerdings ohne weitere Angaben von Gründen. «Ich habe unehrenhaft gehandelt», sagte der Politiker vor der Presse in New York. Und: «Ich bin an jenen Standards gescheitert, die ich mir selbst setze». Er bat um Zeit, um das Vertrauen seiner Familie zurückgewinnen zu können. Spitzer ist verheiratet und hat drei Töchter.

Wallstreet feiert

Spitzer ist seit Anfang 2007 Gouverneur des Staates New York. Der Vorfall ist für Spitzer besonders peinlich, weil er sich in der Vergangenheit beim Kampf gegen das organisierte Verbrechen auch mit seinem Vorgehen gegen wenigstens zwei Prostitutions-Ringe profiliert hatte und als Saubermann gilt. 2004 war er als Generalstaatsanwalt an den Ermittlungen gegen einen Escort-Service beteiligt, die zur Festnahme von 18 Verdächtigen führten.

Zudem war Spitzer massgeblich an zahlreichen Verfahren gegen Finanzinstitute beteiligt. «Machen Sie sich auf ein Fest der Schadenfreude an der Wall Street gefasst» sagte Barry Ritholtz von Fusion IQ. Sein Kollege Tom Schrader von Stifel Nicolaus Capital Markets stimmt dem zu. «Er ist an der Wall Street nicht sehr beliebt.»

Der republikanische Abgeordnete James Tedisco forderte Spitzer zum sofortigen Rücktritt auf. Spitzer habe seinem Amt und dem gesamten Staat New York Schande bereitet, sagte Tedisco. Weil er die Anschuldigungen nicht eindeutig dementiere, gebe es nur «eine unvermeidliche Schlussfolgerung».

(ast/ap/sda)

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