Aktualisiert 16.06.2017 10:51

Nach Prügelei in Washington

US-Haftbefehle gegen Erdogans Leibwächter

Im Mai haben türkische Sicherheitskräfte auf US-Boden Demonstranten tätlich angriffen. Die USA akzeptieren die Tat nicht, was den türkischen Präsidenten wütend macht.

von
foa
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«Was ist das für ein Gesetz?»: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan besucht seinen amerikanischen Amtskollegen Donald Trump im Weissen Haus in Washington. Erdogan entschuldigt den Vorfall seiner Leibwächter damit, dass die USA nicht genügend für seine Sicherheit gesorgt hätten. Sicherheitskräfte seien dafür da, ihn zu beschützen. (16. Mai 2017)

«Was ist das für ein Gesetz?»: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan besucht seinen amerikanischen Amtskollegen Donald Trump im Weissen Haus in Washington. Erdogan entschuldigt den Vorfall seiner Leibwächter damit, dass die USA nicht genügend für seine Sicherheit gesorgt hätten. Sicherheitskräfte seien dafür da, ihn zu beschützen. (16. Mai 2017)

Keystone/AP Photo/Evan Vucci
Eskalation vor der türkischen Botschaft in Washington: Männer in dunklen Anzügen greifen Demonstranten an. (16. Mai 2017)

Eskalation vor der türkischen Botschaft in Washington: Männer in dunklen Anzügen greifen Demonstranten an. (16. Mai 2017)

kein Anbieter/Twitter
Haben bisher erst übers Telefon gesprochen: US-Präsident Donald Trump begrüsst den türkischen Staatschef Erdogan vor dem West Wing des Weissen Hauses. (16. Mai 2017).

Haben bisher erst übers Telefon gesprochen: US-Präsident Donald Trump begrüsst den türkischen Staatschef Erdogan vor dem West Wing des Weissen Hauses. (16. Mai 2017).

Keystone/Shawn Thew

Die USA wollen nicht hinnehmen, dass türkische Sicherheitskräfte im Mai Demonstranten auf amerikanischem Boden tätlich angriffen. US-Aussenminister Rex Tillerson hat die Haftbefehle der US-Polizei gegen mehrere Leibwächter des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan begrüsst. Diese sendeten ein «klares Zeichen, dass die Vereinigten Staaten keine Personen tolerieren, die Einschüchterung und Gewalt nutzen, um die Redefreiheit und die Freiheit legitimer politischer Meinungsäusserung zu unterdrücken», teilte Tillerson am Donnerstag mit.

Die Türkei reagiert mit scharfer Kritik auf die Entscheidung der Polizei. Das Aussenministerium des Landes bestellte den US-Botschafter in der Türkei, John Bass, ein, um offiziell Protest einzulegen. Aus einer Mitteilung ging hervor, die Entscheidung für die Haftbefehle sei falsch und voreingenommen. Zudem fehle es an einer rechtlichen Grundlage. «Unsere Bürger können nicht zu Verantwortung gezogen werden», hiess es. Es sei nicht zu dem Konflikt gekommen, wenn die USA zuvor angemessene Vorkehrungen getroffen hätten. Dem US-Botschafter gegenüber sei betont worden, dass die Entscheidung nicht zu akzeptieren sei – die Ermittlungen seien nicht objektiv und unabhängig gewesen.

Auf Erdogan-Gegner eingeschlagen

Die US-Polizei hatte erklärt, dass neun türkische Sicherheitsbeamte, drei türkische Polizisten sowie zwei Kanadier gesucht würden, weil sie bei einer Demonstration in Washington Mitte Mai auf Gegner Erdogans eingeschlagen hätten. Der Zwischenfall hatte sich vor der Residenz des türkischen Botschafters in Washington ereignet. Gegner Erdogans warteten dort auf den Staatschef mit Sprechchören, als dieser von einem Treffen mit US-Präsident Donald Trump zurückkam. Daraufhin griffen türkische Sicherheitsleute und Erdogan-Anhänger die Demonstranten an und verletzten neun von ihnen.

Demonstranten vor Botschaft verprügelt

Sicherheitskräfte Erdogans attackierten vor der türkischen Botschaft kurdische und armenische Protestler. Mindestens neun Personen wurden verletzt. Video: Tamedia/Storyful

Neun Verletzte: Sicherheitskräfte Erdogans attackierten vor der türkischen Botschaft kurdische und armenische Protestler. Video: Tamedia/Storyful

Tillerson sagte, das State Department werde mit der Polizei und anderen Behörden zusammenarbeiten, um die Fälle schnell voranzubringen. Die Sprecherin des Aussenministeriums, Heather Nauert, erwähnte zwar nicht, welche Massnahmen ergriffen werden könnten. Die USA könnten jedoch die Auslieferung der Verdächtigen anstreben oder ihnen verbieten, erneut ins Land einzureisen.

Vorher hatte sich der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan angesichts der Entscheidung bereits kritisch geäussert. «Was ist das für ein Gesetz?», fragte er am Donnerstag beim Fastenbrechen in Ankara. «Wenn sie (die Leibwächter) mich nicht beschützen, warum sollte ich sie mit nach Amerika nehmen?» Er erklärte, die Demonstranten seien Anhänger der in der Türkei verbotenen kurdischen Rebellengruppe PKK gewesen. Die US-Polizei habe ihn nicht ausreichend geschützt.

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