Aktualisiert

Umstrittener FilmUS-Kinos zeigen «The Interview» nun doch

Ungeachtet anonymer Anschlagsdrohungen haben mehrere unabhängige US-Kinos angekündigt, die Politsatire «The Interview» wie geplant am ersten Weihnachtsfeiertag zu zeigen.

«The Interview» dürfte nun doch gezeigt werden.

«The Interview» dürfte nun doch gezeigt werden.

Die umstrittene Nordkorea-Satire «The Interview» kommt nun doch auf die Leinwand. Der Film werde ab Donnerstag in ausgewählten Kinos gezeigt, teilte die Filmproduktionsfirma Sony Pictures Entertainment am Dienstag mit. An dem Streifen beteiligte Schauspieler feierten den Sinneswandel als Triumph. Auch US-Präsident Barack Obama begrüsste die Entscheidung.

Nach einem Hackerangriff auf das Unternehmen und der Drohung von Anschlägen auf Kinos war der Filmstart vergangene Woche abgesagt worden. Den Cyberangriff auf Sony Pictures Entertainment schrieb die US-Bundespolizei FBI Nordkorea zu. Dabei waren sensible Mitarbeiterdaten, persönliche E-Mails und Drehbücher erbeutet und online gestellt worden. Die Hackergruppe drohte zudem mit Anschlägen auf Kinos, die den Film zeigen. In der Komödie geht es um einen Attentatsversuch des US-Geheimdiensts CIAauf den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un.

Kritik an Absage des Filmstarts

Sony Pictures Entertainment war für die Absage des Filmstarts vielfach kritisiert worden, unter anderem von Obama. Umso zufrieden zeigte sich der Präsident über den Rückzieher von Sony. Wie er bereits klar gemacht habe, seien die USA ein Land, das an freie Meinungsäusserung glaube, und an das Recht auf künstlerische Entfaltung, sagte sein Sprecher Eric Schultz.

Nun will Sony nach eigenenAngaben versuchen, den Film auch in weitere Kinos zu bringen. «Gleichwohl wir hoffen, dass das nur der erste Schritt für die Veröffentlichung des Films ist, sind wir stolz, ihn der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und jenen die Stirn geboten zu haben, die versuchten, die freie Meinungsäusserung zu unterdrücken», erklärte Unternehmenschef Michael Lynton.

«Die Freiheit hat gesiegt»

Co-Regisseur und Hauptdarsteller Seth Rogen schrieb auf Twitter:«Das Volk hat gesprochen! Die Freiheit hat gesiegt! Sony hat nicht aufgegeben!»

Inmitten der Verstimmungen um den Hackerangriff kam es in Nordkorea zu einem stundenlangen Internetausfall. Die Probleme hätten am vergangenen Wochenende begonnen und sich seitdem stetig verschlimmert, sagte Doug Madory, Direktor der US-Analysefirma Dyn Research. Beobachter vermuteten hinter den Internet-Problemen eine mögliche Retourkutsche der USA. Obama hatte Nordkorea mit einer angemessenen Reaktion gedroht.

Von dem Ausfall betroffen waren nach Angaben südkoreanischer Beamter auch die Webseiten der amtlichen Nachrichtenagentur KCNAund der Zeitung «Rodong Sinmun», die aber im Lauf des Dienstags wieder erreichbar waren. KCNA und «Rodong Sinmun» sind die beiden wichtigsten Kanäle für offizielle Nachrichten in Nordkorea.

«Wir können nur raten»

Jim Cowie, Chefwissenschaftler bei Dyn Research, teilte im Internet mit, dass der Norden nach neuneinhalb Stunden wieder online gewesen sei. Als mögliche Gründe für den Internetausfall nannte er einen externen Angriff oder einfach nur Stromprobleme und räumte ein: «Wir können nur raten.»

Das WeisseHaus und das US-Aussenministerium wollten sich nicht dazu äussern, ob die US-Regierung für den Internetausfall verantwortlich war. Selbst wenn eine Cyberattacke dahinter steckt, wäre diese nach Meinung von Beobachtern grösstenteils symbolisch, da nur einer geringen Zahl Nordkoreaner der Zugang zum Internet erlaubt ist. (sda)

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