Im Busch: US-Kleiderriese setzt auf Schamhaare
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Im BuschUS-Kleiderriese setzt auf Schamhaare

Kahlschlag, Landebahn oder Bikini-Zone ist so 2013. American Apparel provoziert 2014 mit haarigen Tatsachen – und stattet seine Puppen mit Intimpelz aus.

von
bbe

Schamhaare gehören unter die Gürtellinie und am besten in die Grenzen von Unter- oder Bikinihöschen, wahlweise aus hygienischen oder ästhetischen Gründen. Der Schrei nach Freiheit für den Intimbusch prallte nach revolutionären Tendenzen in 68er-Kreisen und (post)feministischen Bestrebungen gnadenlos an einer international etablierten Modebibel ab. Legionen von Frauen unterwarfen sich schmerzhaften Prozeduren, um dem Schamhaar Einhalt zu gebieten. Eine Landebahn gab es fortan nicht mehr nur am Flughafen und ein Brasilianer war weit mehr als der Einwohner eines südamerikanischen Staates.

Busch betone natürliche Schönheit

Bis jetzt. Denn Kahlschlag ist so 2013. Der US-Moderiese American Apparel empfiehlt im kalten New Yorker Winter den Pelz für unten. In einem Schaufenster an der Houston Street etabliert das Hipster-Label nach dem Bart für den Mann nun den Bart für Sie wissen schon was. Ein Aufschrei geht durchs Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Die Aktion hat – nebst dem Verkauf der semitransparenten Unterwäsche und vieler anderer Produkte im Sortiment – laut Creative Director Iris Alonzo natürlich ein rein selbstloses Ziel: Laut Welt.de dient die Verbuschung der weiblichen Intimzone dazu, auf die «natürliche Schönheit von Frauen» hinzuweisen. Dieses Bekenntnis zum Haar ist offenbar kurz vor dem Valentinstag nötig. Dem Tag der Liebe, an dem die von den Zwängen der Mode-Industrie gebeutelte Frau sich traditionellerweise noch husch die Bikini-Zone für ihren allerliebsten Haar-Skeptiker zuhause mähen liess. Jetzt darf es wieder wuchern. Was für ein Befreiungsschlag.

Kampf den Rasierern

Das US-Label schockt gerne arglose Passanten. Käuferinnen eines T-Shirts mit der Zeichnung einer während ihrer Periode masturbierenden Frau mit behaarter Vagina trugen die Botschaft der Enttabuisierung der weiblichen Sexualität hinaus in die weite Welt. Ist das unappetitlich? Vielleicht für manche. Ist es ein Gag? Möglicherweise. Ist es eine kalkulierte und erfolgversprechende Aktion, um im Gespräch zu bleiben? Mit Sicherheit. Ob sich dieser Trend durchsetzt, ist offen: Manche Mädchen werden jetzt aufatmen und sich freuen und Rasierer oder Wachsstreifen in den Müll schmeissen. Andere werden sich maximal ein paar Gedanken machen und ihre Intimfrisur auch diesen Sommer noch im Höschen verstecken – und die weibliche Intimzone wird auch weiterhin tollen Gesprächsstoff bieten.

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