Somalia und Lybien: US-Kommandos einmal erfolgreich, einmal nicht
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Somalia und LybienUS-Kommandos einmal erfolgreich, einmal nicht

US-Militär-Kommandos wollen in Somalia und Libyen zwei ranghohe Terroristen-Anführer fassen. Das somalische Ziel kann entkommen, der libysche Gesuchte geht ins Netz.

Kämpfer der Al-Shabaab beim Training in Mogadischu.

Kämpfer der Al-Shabaab beim Training in Mogadischu.

Elitesoldaten der USA haben am Samstag in Somalia und Libyen hochrangige Anführer von Terrorgruppen angegriffen. In Somalia scheiterte der Versuch, einen Befehlshaber der Al-Shabaab-Miliz festzunehmen, der mit dem tödlichen Anschlag auf ein Einkaufszentrum in Nairobi vor zwei Wochen in Verbindung gebracht wird, wie aus US- und Extremistenkreisen verlautete. Ein somalischer Geheimdienstmitarbeiter sagte, der Angriff habe dem Chef der Al-Shabaab-Miliz, Mukhater Abu Zubeyr, gegolten. In Libyen nahmen die Soldaten einen gesuchten Al-Kaida-Anführer fest.

Es sollte laufen wie 2011 bei der Tötung von Al-Kaida-Chef Osama bin Laden in Pakistan: Eine Gruppe der Navy Seals aus derselben Einheit wie damals in Pakistan näherte sich in der Küstenstadt Barawe in den frühen Morgenstunden schwimmend einem Haus am Ufer, in dem ausländische Kämpfer vermutet wurden, wie ein mutmasslicher Al-Shabaab-Kämpfer der Nachrichtenagentur AP sagte.

Aktionen nur wenige Stunden auseinander

Ein US-Militärvertreter sagte, die Soldaten hätten sich Zugang zu dem Gebäude verschafft und es sei ein 15 bis 20-minütiges Gefecht entbrannt. Aufgrund des erbitterten Widerstands habe der Befehlshaber der Truppe zum Rückzug geblasen, sagte er.

In Washington bestätigte Pentagonsprecher George Little, dass US-Soldaten an einem Einsatz gegen die somalische Al-Shabaab-Miliz beteiligt gewesen seien, nannte aber keine weiteren Details. Ein Mitglied der Extremistengruppe bestätigte, die Soldaten hätten ihr Ziel nicht erreicht.

Wenige Stunden später folgte ein zweiter Spezialeinsatz gegen einen gesuchten Al-Kaida-Anführer in der libyschen Hauptstadt Tripolis. Soldaten der Delta Force nahmen Nasih Abdul-Hamed al-Rukai gefangen, der zu den meistgesuchten Terroristen des FBI gehört, wie das Pentagon mitteilte. Er befinde sich inzwischen an einem sicheren Ort ausserhalb des Landes.

An Botschafts-Angriffen beteiligt

Der Mann, der auch unter dem Namen Anas al-Libi bekannt ist, soll an den Bombenanschlägen auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania 1998 beteiligt gewesen sein, bei denen mehr als 250 Menschen getötet worden waren. Al-Libis Bruder Nabih sagte, Nasih habe sein Auto vor dem Haus geparkt, als drei Fahrzeuge mit schwer bewaffneten Männern ihn umstellten, gewaltsam aus dem Auto zerrten und mitnahmen. Al-Libis Frau habe die «Entführung» aus dem Fenster beobachtet.

Der mutmassliche Al-Kaida-Computerspezialist soll sich länger im Sudan aufgehalten haben, als auch Bin Laden Anfang der 1990er Jahre dort lebte. Nachdem er unter unklaren Umständen politisches Asyl in Grossbritannien erhalten hatte, wurde er 1999 von Scotland festgenommen, aber aus Mangel an Beweisen wieder freigelassen. Schliesslich floh er aus dem Land. Die libysche Regierung forderte von den USA «Klarstellungen» zu dem Einsatz und erklärte, jedem Libyer sollte im eigenen Land der Prozess gemacht werden.

Aussenminister John Kerry sagte am Rande eines Wirtschaftsgipfels in Indonesien, Terroristen könnten weglaufen, aber sich nicht verstecken. «Wir hoffen, dass das deutlich macht, dass die Vereinigten Staaten von Amerika niemals ihre Bemühungen beenden werden, die Verantwortlichen für Terrorakte zur Verantwortung zu ziehen.» Nach US-Regierungsangaben kamen bei keiner der beiden Aktionen Soldaten ums Leben.

Regelmässig US-Soldaten in Somalia

Ausländische Kampfverbände, häufig US-Soldaten, haben in den vergangenen Jahren immer wieder in Somalia Einsätze gegen Rebellen der Al-Shabaab-Miliz oder gegen Vertreter des Terrornetzwerks Al-Kaida lanciert. In Barawe, rund 240 Kilometer südlich der Hauptstadt Mogadischu, hatten Elitesoldaten vor vier Jahren einen hochrangigen Al-Kaida-Anführer und fünf weitere Menschen getötet. Das Opfer, Saleh Ali Saleh Nabhan, soll genau wie der nun in Libyen gefasste Al-Libi in die Bombenanschläge auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania 1998 verwickelt gewesen sein.

Die Al-Shabaab-Miliz hatte sich zu dem Überfall auf das Einkaufszentrum in Nairobi vor zwei Wochen bekannt, bei dem mindestens 67 Menschen ums Leben kamen. Das kenianische Militär nannte am Samstag die Namen von vier mutmasslichen Tätern. Unmittelbar nach der Attacke auf die Westgate Mall war von zehn bis 15 Attentätern die Rede gewesen. Ein Militärsprecher bestätigte der Nachrichtenagentur AP die Namen der vier bekannten Angreifer. Demnach handelte es sich um Abu Baara al-Sudani, Omar Nabhan, Chattab al-Kene und Umajr.

Einem ehemaligen UN-Vertreter in Somalia zufolge gehören Al-Kene und Umajr zur mit der somalischen Al-Shabaab-Miliz verbündeten kenianischen Extremistengruppe Al-Hijra. Nabhan könnte demnach ein Verwandter eines gleichnamigen ranghohen Al-Kaida-Vertreters sein, der bereits 2009 in Barawe getötet worden war. (sda)

Die Navy-Seals

Die Navy-Seals («Seal» steht hier für Sea, Air, Land) sind eine rund 2500 Mann starke Eliteeinheit der US-Marine.

Mit flexiblen Spezialtruppen der einzelnen Teilstreitkräfte wollen die USA schnell auf terroristische Bedrohungen reagieren.

Die Aufgaben der Seal-Teams reichen heute von der Minenräumung bis zur amphibischen Aufklärung und der Sabotage an Schiffen oder Hafenanlagen.

Für Kommandoaufträge auf dem Festland starten die unter härtesten Bedingungen ausgebildeten Kämpfer von kleinen Schiffen, U-Booten oder benutzen Helikopter - so auch, als die Eliteeinheit im Mai 2011 Al-Kaida-Chef Osama bin Laden in Pakistan tötete.

Fast 80 Prozent der Soldaten schaffen die Ausbildung zum Navy-Seal nicht. Das besondere Training variiert je nach Einsatzgebiet. Jedes der zehn Seal-Teams besteht aus sechs Platoons (Zügen) mit jeweils 16 Mann. Nur selten wird ein vollständiges Platoon eingesetzt. Die Züge können bis auf Gruppen von zwei Mann aufgeteilt werden. (sda)

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