Kleidermarke Patagonia - US-Konzern mischt sich in CO2-Abstimmung ein
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Kleidermarke PatagoniaUS-Konzern mischt sich in CO2-Abstimmung ein

Mit einer Social-Media-Kampagne drängt eine US-Firma in die Schweizer Politik – und schaltet Werbung für das CO2-Gesetz auf Twitter. Da dort politische Werbung verboten ist, wurde die Kampagne gestoppt.

von
Leo Hurni
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Der US-Kleidungshersteller Patagonia setzt sich auf Twitter für eine Annahme des CO2-Gesetzes in der Schweiz ein. 

Der US-Kleidungshersteller Patagonia setzt sich auf Twitter für eine Annahme des CO2-Gesetzes in der Schweiz ein.

Ajay Suresh
«Ein Ja zum Klimaschutz heisst auch ein Ja zum neuen CO2-Gesetz. Ohne dieses Gesetz riskieren wir Jahre des klimapolitischen Stillstands», schrieb Patagonia in einem gesponserten Beitrag. 

«Ein Ja zum Klimaschutz heisst auch ein Ja zum neuen CO2-Gesetz. Ohne dieses Gesetz riskieren wir Jahre des klimapolitischen Stillstands», schrieb Patagonia in einem gesponserten Beitrag.

20min/Marco Zangger
Twitter hat allerdings reagiert und den bezahlten Beitrag runter genommen. Denn politische Inhalte dürfen seit 2019 auf der Plattform nicht mehr beworben werden. 

Twitter hat allerdings reagiert und den bezahlten Beitrag runter genommen. Denn politische Inhalte dürfen seit 2019 auf der Plattform nicht mehr beworben werden.

REUTERS

Darum gehts

  • Der US-Kleiderhersteller Patagonia bewarb auf Twitter das CO2-Gesetz.

  • Doch bezahlte politische Werbung ist auf der Plattform verboten. Twitter hat reagiert und die Werbung gestoppt.

  • Das Engagement von Patagonia sei ein reiner Marketing-Schachzug, sagen Kritiker.

  • Patagonia behauptet, den Tweet bereits selbst gelöscht zu haben.

Der Outdoor-Bekleidungshersteller Patagonia hat sich laut eigenen Angaben zum Ziel gesetzt «alles dafür zu tun, dass jegliches Leben auf unserem Planeten geschützt wird». Darum interveniert die US-Firma auch in der Schweiz: Mit einem gesponserten Twitter Beitrag wirbt sie für eine Annahme des CO2-Gesetzes, über das die Schweiz am 13. Juni entscheidet.

Screenshot Twitter

Bei den Gegnern des Gesetzes sorgt das für Ärger. «Dann weiss ich jetzt auch, wo ich niemals einkaufen werde», schreibt ein User etwa zum Engagement von Patagonia. Viele User stört es, dass sich das ausländische Unternehmen in die Schweizer Politik einmischt. Zudem ist politische Werbung auf Twitter seit 2019 verboten.

Der Tweet verstosse gegen die Richtlinie zu politischen Inhalten, bestätigt Twitter-Sprecher Christof Schmid auf Anfrage von 20 Minuten. Deshalb wurde der gesponserte Tweet mittlerweile gestoppt, so Schmid.

«Ein weiterer Marketing-Schachzug»

Auch wenn der gesponserte Tweet gelöscht wurde: Beim Referendumskomitee gegen die CO2-Initiative bleibt die Empörung gross. «Bei Patagonia handelt es sich um eine Kleidermarke, die Umwelt- und Klimaschutz vor allem aus Marketinggründen betreibt. Das aktive Einmischen in einen Abstimmungskampf ist daher offensichtlich nur ein weiterer, leicht zu durchschauender Marketing-Schachzug», sagt Ueli Bamert, Kampagnenleiter des Wirtschaftskomitees gegen das CO2-Gesetz. Doch man lasse sich nicht beirren: «Wir sind überzeugt, dass die zahlreichen Argumente gegen dieses teure, nutzlose und ungerechte Gesetz am Ende eine Mehrheit der Bevölkerung überzeugen werden», so Bamert.

So kam es zur Zusammenarbeit

Die Befürworterinnen und Befürworter freuen sich hingegen über die Werbung für ihr Anliegen. Sophie Fürst, Geschäftsleiterin des von Patagonia unterstützten Vereins Klimaschutz Schweiz, erklärt, wie es zur Zusammenarbeit kam: «Wir sind eine kleine Organisation, die sich für mehr Klimaschutz einsetzt. Patagonia unterstützte uns seit 2019, weil wir eine breite, zivilgesellschaftliche Bewegung aufbauen.» Sie hätten den gesponserten Twitter-Post vorgeschlagen, um mehr Leute zu erreichen. «Wir haben schlichtweg nicht daran gedacht, dass politische Werbung auf Twitter nicht mehr erlaubt ist», so Fürst. Sie verstehe daher auch die Kritik der Gegenseite. «Wir haben dazu gelernt und kämpfen jetzt weiter um jede JA-Stimme zum CO2-Gesetz.»

Twitter hatte Werbung genehmigt

Bei Patagonia heisst es, man wolle die interne Prüfstelle für politische Werbung in Zukunft verbessern. Der Konzern behauptet, der Löschung durch Twitter gar zuvor gekommen zu sein: «20 Minuten hat uns darauf aufmerksam gemacht, dass die Anzeige, obwohl sie genehmigt wurde, gegen die politische Werbepolitik von Twitter verstösst. Aus diesem Grund haben wir die Schaltung der Anzeige sofort eingestellt», sagt Beth Thoren, Environmental Action & Initiatives Direktorin bei Patagonia. Der Verein Klimaschutz Schweiz, der von Patagonia finanziell unterstützt wird, habe bei Patagonia eine soziale Verstärkung seiner Kampagne angefordert. «Wir waren der Meinung, dass es mit unseren Werten des Umwelt- und Klimaschutzes in Einklang steht und haben es daher Twitter zur Genehmigung vorgelegt.»

Thoren erklärt, was Patagonia sich von einer Annahme des CO2-Gesetzes verspricht: «Die Abstimmung in der Schweiz ist ein Symbol dafür, dass Menschen individuelle und kollektive Massnahmen ergreifen, um die Gesundheit und Zukunft unseres Heimatplaneten zu schützen. Diese kritischen Momente in der Klimapolitik sind für alle Menschen weltweit von Bedeutung.»

Das CO2-Gesetz

Am 13. Juni entscheidet das Stimmvolk über das revidierte CO2-Gesetz. Damit setzt sich die Schweiz zum Ziel, ihre Treibhausgasemissionen bis 2030 um mindestens 50 Prozent im Vergleich zu 1990 zu senken. Denn die heutigen Massnahmen genügten nicht, um dieses Klimaziel zu erreichen, heisst es beim Bundesamt für Umwelt (BAFU). Erreicht werden soll das mit verschiedensten Massnahmen. Geplant wären unter anderem höhere Abgaben auf fossile Brennstoffe wie Heizöl und eine Flugticketabgabe bis maximal 120 Franken pro Flug. Das revidierte CO2-Gesetz belohne klimafreundliches Verhalten, schreibt das BAFU weiter. Wer wenig klimaschädliches CO2 verursache, profitiere finanziell. Wer viel verursache, bezahle mehr.

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