Grüne Marine: US-Kriegsschiffe fahren mit Pommes-Frites-Öl

Aktualisiert

Grüne MarineUS-Kriegsschiffe fahren mit Pommes-Frites-Öl

Erstmals schickt die US-Navy Kriegsschiffe mit Biotreibstoffen in die grossen Seemanöver im Pazifik. Der teure grüne Sprit stösst an der Heimatfront auf heftigen Gegenwind.

von
Martin Suter
Fünf Schiffe, die zur Kampfgruppe des Flugzeugträgers «USS Nimitz» (Bild) gehören, fahren mit einem Gemisch aus Biodiesel und Erdöl.

Fünf Schiffe, die zur Kampfgruppe des Flugzeugträgers «USS Nimitz» (Bild) gehören, fahren mit einem Gemisch aus Biodiesel und Erdöl.

Mitten im Pazifik bricht das Öko-Zeitalter an: Ab Freitag wird Pommes-frites-Öl die Turbinen von Kriegsschiffen antreiben und werden F/A-18-Kampfflugzeuge mit Algen-Sprit vom Deck eines Flugzeugträgers abheben. Die von der US-Navy erträumte «Great Green Fleet» macht vor Hawaii einen Testlauf.

Der erste grössere Einsatz von Biotreibstoffen in der Marinegeschichte ist der wichtigste US-Beitrag zu RIMPAC, wie die alle zwei Jahre stattfindenden Seemanöver im Pazifik heissen. An der Militärübung nehmen 42 Kriegsschiffe, sechs U-Boote, 200 Flugzeuge sowie 25 000 Männer und Frauen aus 22 Nationen teil. Das Öko-Kontingent umfasst Teile der «Carrier Strike Group» um den nuklear betriebenen Flugzeugträger «USS Nimitz». Fünf Kriegsschiffe, darunter ein Kreuzer und ein 9000 Tonnen schwerer Zerstörer, fahren «grün».

Fünfmal teurer als normaler Treibstoff

Die Idee für das Testprojekt stammt von Marinestaatssekretär Ray Mabus. Er hat zum Preis von 12 Millionen Dollar 1,7 Millionen Liter Biotreibstoffe gekauft. Mabus verfolgt das Ziel, bis 2020 die Hälfte der Schiffe und Flugzeuge der US-Seestreitkräfte auf Bio umzurüsten. «Wir wollen zeigen, dass dies nicht bloss eine Mode ist, nicht nur die Geschmacksrichtung des Tages», sagte er gegenüber Wired. «Es ist ernst. Es ist real. Es wird geschehen.»

Das sagte Mabus indes, bevor der US-Kongress seine Zahlen genau anschaute. Obwohl die Navy ihren alternativen Kraftstoffen aus Bioprodukten wie altem Speisefett und Algenöl die gleiche Menge an traditionellen Erdölderivaten beigibt, kostet die 50:50-Mischung pro Liter sieben Dollar, rund fünfmal so viel wie die üblichen Treibstoffe. Dieses extravagante Experiment könne sich die Navy nicht leisten in Zeiten, da sie nicht einmal genug Geld habe, um all ihre Schiffe flott zu machen, sagten Kongressabgeordnete an Hearings. «Verteidigungsdollars dafür zu verwenden, neue Energietechnologien zu subventionieren, ist nicht die Aufgabe der Navy», erklärte der republikanische Senator John McCain aus Arizona, ein Vietnam-Veteran und einstiger Präsidentschaftskandidat.

Kongress wirft den Anker

In der Folge fügten die zuständigen Ausschüsse des Senats und Repräsentantenhauses Abschnitte ins Pentagon-Budget ein, um die Navy zu bremsen. Ausser in begrenzten Versuchen darf sie künftig keine Treibstoffe verwenden, die teurer sind als herkömmlicher Schiffsdiesel und Flugbenzin. Segnen beide Kongresskammern das Verteidigungsbudget ab, wird der Marine vorläufig untersagt, weitere Alternativkraftstoffe einzukaufen und geplante 170 Millionen Dollar in neue Raffinerien für Biotreibstoffe zu investieren.

Für Mabus' hochfliegende Pläne ist das ein herber Rückschlag. Der Staatssekretär hatte argumentiert, dass die Marine es sich nicht leisten könne, Jahr für Jahr mehr Geld für Erdölprodukte aufzuwenden. Jede Erhöhung des Ölpreises um einen Dollar pro Fass koste die Navy im Jahr 31 Millionen Dollar, sagte Mabus. Letztes Jahr gab das US-Militär gesamthaft 18 Milliarden Dollar für Treibstoffe aus, wesentlich mehr als noch wenige Jahre zuvor.

Technisch und strategisch wenig Vorteile

Befürworter der Bio-Kurses verweisen auf die Geschichte der Seefahrt. Erst wurden Schiffe mit Rudern bewegt, dann mit Wind, Kohle, Erdöl und schliesslich Atomkraft – und immer wurden die neuen Techniken zuerst von findigen Marinekommandanten eingesetzt. Zum Beispiel entschied Winston Churchill als erster Lord der Admiralität im Ersten Weltkrieg, britische Kriegsschiffe mit Erdöl statt Kohle anzutreiben, was der Royal Navy ein paar Knoten mehr Geschwindigkeit gegenüber der Kaiserlichen Marine verschaffte.

Mabus und die Navy-Führung gehen zudem davon aus, dass Amerikas Marine als eine der weltgrössten Treibstoffkäuferinnen den Markt für Biosprit vergrössern und die Preise senken könne. Skeptiker glauben jedoch nicht, dass die grünen Hoffnungen realistisch sind. Technisch haben die Bio-Kraftstoffmischungen bloss den Vorteil, dass sie etwas leichter sind und ein paar Grad kühler brennen, was allenfalls die Lebensdauer der Motoren und Turbinen verlängert. Aber sie machen die Schiffe nicht schneller.

Auch strategisch hätten alternative Treibstoffe keine Vorzüge, sagen Kritiker. Sie verweisen auf eine Studie des Rand-Forschungsinstituts für nationale Verteidigung vom letzten Jahr, wonach der Navy bis 2020 im besten Fall 25 000 Fass Biokraftstoffe zur Verfügung stehen werden – ein Bruchteil des Tagesbedarfs von 1,2 Millionen Fass. Ausserdem errechnete die Studie, dass «grüne» Treibstoffe erst bei einem Ölpreis von permanent über 110 Dollar pro Fass konkurrenzfähig werden. Der Ölpreis beträgt derzeit 80 Dollar.

Deine Meinung