¡Sí se puede!: US-Latinos werden zur politischen Macht
Aktualisiert

¡Sí se puede!US-Latinos werden zur politischen Macht

Keine Minderheit in den USA wächst so schnell wie die Latinos. Ihr Wahlverhalten wird die politische Landschaft des Landes nachhaltig verändern.

von
Kian Ramezani
Der prozentuale Anteil der Latino-Bevölkerung in den USA gemäss der Volkszählung 2010. Florida und Texas (rot umrandet) spielen aufgrund ihrer hohen Bevölkerungszahl eine Schlüsselrolle bei den Präsidentschaftswahlen. (Bild: U.S. Census Bureau)

Der prozentuale Anteil der Latino-Bevölkerung in den USA gemäss der Volkszählung 2010. Florida und Texas (rot umrandet) spielen aufgrund ihrer hohen Bevölkerungszahl eine Schlüsselrolle bei den Präsidentschaftswahlen. (Bild: U.S. Census Bureau)

Vermutet hat man es schon lange, jetzt ist es offiziell: Latinos sind die am schnellsten wachsende Bevölkerungsgruppe in den USA. Dies ergab die 2010 durchgeführte und vergangene Woche publizierte Volkszählung. Demnach leben 50,5 Millionen Latinos in den USA, was 16 Prozent der Gesamtbevölkerung von 308,7 Millionen entspricht. Bei der letzten Volkszählung 2000 waren es noch 35,3 Millionen gewesen. Die Zunahme um 15,2 Millionen macht über die Hälfte des gesamten Bevölkerungswachstums der USA in den vergangenen zehn Jahren aus.

In einigen Regionen war das Wachstum noch ausgeprägter. Im Süden wuchs die Latino-Bevölkerung um 57 Prozent, im Mittleren Westen um 49 Prozent. In 912 der 3143 Bezirke der USA hat sich ihr Zahl mindestens verdoppelt. Hierzu haben die anhaltende Einwanderung aus Mexiko und anderen Ländern Lateinamerikas sowie überdurchschnittliche Geburtenraten beigetragen.

Eine zentrale Erkenntnis aus diesen Zahlen ist, dass in den USA irgendwann im 21. Jahrhundert die weisse Bevölkerung keine Mehrheit mehr darstellen wird. Die andere, dass ihrer politischen Landschaft potentiell dramatische Verschiebungen bevorstehen, wie die «Huffington Post» prophezeit.

Tea Party verscheucht Latinos

Wie andere Ethnien sind auch die Latinos kein monolithischer Block, die alle gleich abstimmen. In einem sind sich Demokraten und Republikaner aber einig: Wer es sich mit dieser Wählerschaft verdirbt, wird in Zukunft ernsthafte Schwierigkeiten bekommen. 2004 war das Feld noch einigermassen ausgeglichen, als 5,1 Millionen Latinos für die Demokraten und 4,3 Millionen für die Republikaner stimmten. 2008 wählten mit 7,8 Millionen bereits doppelt so viele demokratisch wie republikanisch (3,6 Millionen).

Vor nicht allzu langer Zeit stellten Latinos aufgrund ihrer eher konservativen Wertehaltung ein wichtiges und treues Wählersegment der Republikaner dar. Doch diese haben sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Vor allem der ultrakonservative Tea-Party-Flügel mit seiner mitunter fremdenfeindlichen Rhetorik sowie ihre ablehnende Haltung gegenüber einer liberaleren Einwanderungsgesetzgebung (Dream Act) hat die Partei viel Sympathien gekostet.

Hauptpreis Kalifornien, Texas und Florida

Wie gross die Bedrohung für die Republikaner ist, zeigt die Entwicklung in den zwei Schlüsselstaaten Texas und Florida mit ihren schnell wachsenden Latino-Minderheiten. Texas ist nach Kalifornien (55) der Staat mit den meisten Wahlmännern (38), dahinter folgt Florida (29). Der Sunshine State ging 2008 bereits an Barack Obama, wobei ihm die Latinos in Scharen zuliefen.

Texas stimmte erwartungsgemäss mehrheitlich republikanisch (56 Prozent) doch der Abstand zu den Demokraten (44 Prozent) schmilzt seit Jahren. Sollten die Demokraten dereinst hier gewinnen und auch Florida halten, ergibt das zusammen mit dem solid demokratischen Kalifornien 122 Wahlmänner. Für die Republikaner wäre es nahezu unmöglich, diesen Rückstand anderswo wettzumachen.

Sie sind sich der existentiellen Gefahr bewusst. In Texas fordern einige Republikaner bereits eine Lockerung der Einwanderungsgesetze. 2012 könnte ein Latino-Kandidat für das Amt des Vizepräsidenten angezeigt sein. Beobachter sind allerdings überzeugt, dass mehr als kosmetische Änderungen nötig sein werden, um die Beziehungen zur wahlentscheidenden Latino-Minderheit wiederherzustellen. Die Demokraten und Barack Obama sollten sich indessen nicht allzu sicher sein. Die Kongresswahlen 2010 haben gezeigt, dass auch Latinos Amtsinhaber abstrafen, wenn die Wirtschaft nicht läuft.

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