«Lawrence of Afghanistan»: US-Major stolpert über Romanze mit Reporterin
Aktualisiert

«Lawrence of Afghanistan»US-Major stolpert über Romanze mit Reporterin

Ein Kommandant der US-Spezialtruppen gewinnt das Vertrauen afghanischer Stämme und erringt mit ihnen Siege gegen die Taliban. Doch dann taucht eine Kriegsreporterin auf.

von
sut

Ist es das Drehbuch für einen Film oder eine wahre Geschichte? Die Story von Jim Gant, dem Green Beret und Major der US Special Forces, enthält alle Zutaten für einen Kino-Knüller: Krieg, Sex, Kampf gegen das System und als Hintergrund die Stammeswelt der Paschtunen in Afghanistan. Basierend auf einem im März erschienenen Buch hat ABC News die schier unglaubliche Saga des gefallenen Kriegshelden aufgearbeitet (weitere Bilder hier).

Das Buch heisst «American Spartan» (Der amerikanische Spartaner) und beschreibt laut Untertitel «das Versprechen, die Mission und den Verrat des Spezialtruppen-Majors Jim Gant». Verfasst hat es Ann Scott Tyson, eine frühere Reporterin der «Washington Post», die Gant 2010 in Afghanistan begegnete.

Der Krieger und die Schreiberin

«Wir verliebten uns in etwa einer Woche», erzählte Tyson ABC News. Beide sind zu diesem Zeitpunkt verheiratet, haben je vier Kinder, aber ihre Ehen sind am Ende. «Ich sagte ihr: Springe einfach!», erinnerte sich Gant im Interview. «Sie tat es, und ich tat es.» Tyson gibt ihren Job auf und lebt fast ein Jahr lang mit Gant in den Bergen des östlichen Afghanistans.

Nicht nur Tyler verfällt dem Charisma des Majors. Jim Gant blickt zu jenem Zeitpunkt auf eine fast 20-jährige Karriere bei den US-Spezialtruppen zurück. Mehr als zwei Jahre lang ist er im Irak und in Afghanistan im Krieg gestanden. In der afghanischen Provinz Kunar schart er eine verschworene Truppe von «Green Berets» um sich mit dem Ziel, das Vertrauen der örtlichen Paschtunen-Stämme zu gewinnen und gemeinsam mit ihnen die Taliban zu besiegen.

«Lawrence of Afghanistan»

Gant hat seinen Bart auswachsen lassen; er trägt afghanische Salwar-Kamiz-Kleider, bedeckt den Kopf mit einer Pokol-Mütze und schlingt Schals um den Hals. Im Dorf Mangwel setzt er mit grossem Erfolg die Strategie des «Engagements von Stämmen» um, die er selbst ein Jahr zuvor in einem 45-seitigen Papier entworfen hat. Gant und seine Spezialtruppen kämpfen Seite an Seite mit Afghanen, die Commander Jim wie einen der ihren verehren.

Doch im März 2012 wendet sich das Blatt. «Lawrence von Afghanistan», wie Gant in Anlehnung an den berühmten britischen Araberführer im Ersten Weltkrieg genannt wird, fällt in Ungnade. Schuld daran ist nicht nur die Beziehung zu Ann Scott Tyson. Der 22 Monate dauernde Kriegseinsatz hat bei ihm Spuren hinterlassen. Ein junger Leutnant beschuldigt ihn in einem Bericht «unmoralischer und illegaler Handlungen». Gant sei oft betrunken und unter dem Einfluss von Medikamenten gestanden. «Er befolgte keine Regeln, er war klar erratisch», sagte der Leutnant zu ABC News.

Oder «Colonel Kurtz»?

Der Bericht alarmiert die Vorgesetzten. Gant wird mit dem Helikopter von der Front geholt, in eine US-Uniform gesteckt und muss seinen Bart abrasieren. Ein Kritiker argwöhnt, in den Augen der Top-Militärs habe sich Gant zu sehr mit den Einheimischen angefreundet. Er sei für sie ein «Colonel Kurtz» geworden, ein Wahnsinniger wie der fiktive Oberst der Green Berets im Vietnamfilm «Apocalypse Now».

Zurück in den USA, hat Jim Gant letztes Jahr Ann Scott Tyson geheiratet und lebt mit ihr in Seattle. General David Petraeus, der 2010 das Afghanistankommando übernahm, ist bis heute ein grosser Fan von Gant. «Er hat klar das Zeug», sagte Petraeus ABC News. «Er hat Mut. Er hat Intelligenz. Wir schulden ihm Dankbarkeit, auch wenn wir sehen, wie es mit ihm geendet hat. Leute machen nun mal Fehler.»

Der ABC-Bericht von ABC News:

(Quelle: /YouTube)

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