Aktualisiert 30.05.2006 11:43

US-Massaker: «Schlimmer als Abu Ghraib»

Die Vorwürfe gegen US-Soldaten wegen vorsätzlicher Tötung von etwa zwei Dutzend irakischer Zivilisten in der Stadt Haditha erhärten sich. US-Parlamentarier verlangen Aufklärung.

Der Vorfall in der nordirakischen Stadt Haditha sei nach seiner Einschätzung schlimmer als der Folterskandal im Gefängnis Abu Ghraib, sagte der demokratische Abgeordnete John Murtha, ein mehrfach ausgezeichnetes ehemaliges Mitglied des Marine Corps.

Dessen Mitgliedern wird die Erschiessung von 15 irakischen Zivilisten im November zur Last gelegt, darunter Frauen und Kinder. Der Vorsitzende des Streitkräfte-Ausschusses des Senats, der Republikaner John Warner, kündigte Anhörungen zu dem Fall an.

Keine Entschuldigung für Mord

«Ich werde Mord nicht entschuldigen», sagte Murtha dem Fernsehsender ABC News. «Und das ist genau das, was geschehen ist. Für mich gibt es keinen Zweifel daran.»

Er warf der Ermittlungsbehörde der US-Marine zudem vor, die Untersuchung nicht zügig vorangetrieben zu haben. «Es gab unmittelbar, nachdem es geschehen ist, Ermittlungen, aber die wurden dann unterdrückt.»

In den US-Medien wird der Vorfall inzwischen mit dem Massaker von My Lai in Süd-Vietnam verglichen, wo US-Soldaten im März 1968 mehr als 100 Zivilisten ermordet haben.

Wie My Lai damals zählt Haditha im Irak heute zu den Städten, die von der US-Armee als hartnäckiges Widerstandsnest bezeichnet werden. In Haditha im westlichen Grenzgebiet des Irak zu Syrien soll sich US-Angaben zufolge unter anderem bis ins vergangene Jahr hinein der irakische Al-Kaida-Chef Abu Mussab al-Sarkaui versteckt gehalten haben.

Eine weitere Parallele zwischen den beiden Fällen liegt darin, dass die Armee auch den Vorfall in Haditha zunächst offenbar zu vertuschen versuchte.

(sda)

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