Aktualisiert 03.03.2020 16:15

Wegen Coronavirus

US-Notenbank senkt überraschend Leitzins

Die Währungshüter in den USA drehen wegen des Virus an der Zinsschraube. Die Börsen freuts.

von
dob
Keystone/AP/Manuel Balce Ceneta

Die US-Notenbank hat wegen der sich abzeichnenden wirtschaftlichen Auswirkungen des neuen Coronavirus ihren Leitzins überraschend um einen halben Prozentpunkt gesenkt.

Der Leitzins liege nun im Korridor von 1 bis 1,25 Prozent, erklärte die Notenbank Federal Reserve (Fed) am Dienstag. Die Notenbank werde die Situation und deren wirtschaftliche Folgen weiter genau beobachten und «ihre Mittel nutzen, um angemessen zu reagieren, um die Wirtschaft zu stützen».

SNB schweigt

Die nächste reguläre Sitzung der Notenbank, bei der über die Höhe des Leitzinses entschieden werden sollte, sollte eigentlich erst in zwei Wochen stattfinden. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) wird gemäss aktueller Planung am 19. März ihre geldpolitische Lagebeurteilung abhalten. Den Zinsschritt der Fed wollte die SNB auf Anfrage von AWP nicht kommentieren.

Die Notenbank hatte bereits Ende vergangener Woche erklärt, dass sie die Auswirkungen der Epidemie des neuen Coronavirus aufmerksam verfolge und notfalls zu handeln bereit sei. US-Präsident Donald Trump forderte die - von der Regierung unabhängige - Notenbank wegen der Auswirkungen des Coronavirus wiederholt zu Zinssenkungen auf. Er fürchtet - wohl auch im Hinblick auf die Präsidentschaftswahl im November - infolge der Epidemie eine Wachstumsdelle.

Grosse Belastung für Wirtschaft

Die Auswirkungen der Coronavirus-Epidemie belasten bereits die globale Wirtschaftsentwicklung. In den USA sind bislang jedoch erst rund 100 Ansteckungen und sechs Todesfälle gemeldet.

Die Fed hatte ihren Leitzins im vergangenen Jahr drei Mal um je 0,25 Prozentpunkte gesenkt, ihn bei den letzten beiden Sitzungen jedoch in Anbetracht der soliden Wirtschaftsentwicklung und niedrigen Arbeitslosigkeit in den USA unverändert belassen.

G7 will handeln

Nur wenige Stunden vor der Erklärung der Fed hatten die führenden westlichen Industrieländer (G7) ihren Willen bekundet, gegen die wirtschaftlichen Folgen der Krise vorzugehen. Die Verbreitung des neuartigen Coronavirus und die Auswirkungen auf Finanzmärkte und Wirtschaft würden genau beobachtet, hiess es in einer Erklärung der Finanzminister und Notenbankchefs der G7.

«Angesichts der möglichen Auswirkungen von Covid-19 auf das globale Wachstum bekräftigen wir unsere Verpflichtung, alle geeigneten politischen Instrumente einzusetzen, um ein starkes und nachhaltiges Wachstum zu erreichen und gegen Abwärtsrisiken zu sichern», hiess es. Die Finanzminister seien bereit, auch fiskalische Massnahmen - also beispielsweise höhere Staatsausgaben - zu ergreifen, soweit dies notwendig sei. Zur Gruppe der G7-Staaten gehören die USA, Japan, Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, Kanada und Italien.

Schub für Märkte

Zinsschritt gibt Märkten vorübergehend Schub: Der SMI, Leitindex der Schweizer Börse, stand gegen 16.20 Uhr um 2,6 Prozent höher bei 12'209 Punkten. Auch der Leitindex der Eurozone - der EuroStoxx 50 - zog spürbar an.

Der US-Dollar sackte in der Folge auf 0,9530 Franken ab, während sich der Euro auf 1,0670 Franken verteuerte.

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