Finanzkrise: US-Notenbank senkt Zinsen
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FinanzkriseUS-Notenbank senkt Zinsen

Die US-Notenbank (Fed) hat im Kampf gegen die Finanzkrise und eine drohende Rezession ihren Leitzins um 0,5 Prozentpunkte auf jetzt 1 Prozent gesenkt. Das ist der niedrigste Stand seit Mitte 2004.

Erst Anfang des Monats hatte die Fed den Leitzins im Konzert mit fünf anderen Notenbanken angesichts der dramatischen Zuspitzung der weltweiten Finanzkrise bereits um einen halben Prozentpunkt zurückgenommen. Seitdem hat sich die Krise vor allem an den Aktien- und Devisenmärkten weiter zugespitzt.

Experten hatten die jetzige weitere Verringerung erwartet. Dadurch kann den verunsicherten Märkten billigeres Geld zur Verfügung gestellt werden. An der Wall Street verpuffte die Senkung des Leitzinses weitgehend. Die Marktteilnehmer hatten auf eine stärkere Senkung spekuliert.

Merkliche Konjunkturabkühlung

Die Fed begründet den Schritt mit der Aussicht auf eine merkliche Konjunkturabschwächung. So hätten sich Firmeninvestitionen, Industrieproduktion und der private Konsum deutlich abgeschwächt.

Auch der Export werde wegen der sich abzeichnenden globalen Wirtschaftsabschwächung zurückgehen. Die Finanzkrise und die Turbulenzen an den Finanzmärkten würden die Konsumfreude der Amerikaner zusätzlich belasten.

«Die Verschärfung der Finanzmarkt-Turbulenzen wird die Neigung zu Ausgaben wahrscheinlich zusätzlich dämpfen, teils durch die eingeschränkten Möglichkeiten von Haushalten und Firmen, Kredite aufzunehmen», hiess es von der Notenbank weiter.

Dank nachlassendem Teuerungsdruck

Da trotz entsprechender Gegenmassnahmen die Abwärtsrisiken für das Wachstum bestehen blieben, sei die Zinssenkung nötig, erklärte die Fed. Sie sei möglich, weil der Teuerungsdruck in den kommenden Quartalen nachlassen dürfte, hiess es in der schriftlichen Begründung der Notenbank.

Der Offenmarktausschuss senkte zugleich den weniger wichtigen Diskont-Zins ebenfalls um 0,5 Punkte auf nun 1,25 Prozent. Die Entscheidungen für die Zinsschritte fielen alle einstimmig.

Die Notenbank hatte den Leitzins über die vergangenen 13 Monate von 5,25 Prozent auf jetzt 1 Prozent gesenkt. Zuletzt stand der Zins zwischen Mitte 2003 und Sommer 2004 derart niedrig, um die Folgen der geplatzten New-Economy-Blase aufzufangen.

Kritiker sehen darin eine der wichtigsten Ursachen für die gefährliche Überhitzung der Immobilien- und Kreditmärkte in den Jahren darauf.

Andere Notenbanken werden nachziehen

Ökonomen rechnen nach dem Beschluss der Federal Reserve nun mit weiteren Zinssenkungen in aller Welt. Den Anfang machten China und Norwegen: Die dortigen Zentralbanken kappten ihre Zinsen bereits am Mittwoch.

Die Europäischen Zentralbank (EZB) wird nach einhelliger Meinung der Experten in der kommenden Woche nachziehen. Die Bank von England dürfte in der kommenden Woche ebenfalls die Zinsen senken. In Japan steht eine Entscheidung der Zentralbank über die Leitzinsen bereits am Freitag an. (sda)

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