Aktualisiert 02.08.2012 08:11

GeldpolitikUS-Notenbank verzichtet auf Konjunkturspritze

Die Fed hält an ihrer Politik des billigen Geldes fest - auch wenn sich die Konjunktur des Landes weiter abschwächt. Die Ankündigung liess den Dow Jones leicht einbrechen.

An der New Yorker Börse hat die Ankündigung der US-Notenbank für ein leichtes Absacken der Indizes gesorgt.

An der New Yorker Börse hat die Ankündigung der US-Notenbank für ein leichtes Absacken der Indizes gesorgt.

Die Fed hat eine Abschwächung der US-Konjunktur festgestellt, nach ihrer zweitägigen Strategiesitzung jedoch keine neuen Massnahmen angekündigt. Vielmehr bekräftigten die Strategen der US-Notenbank am Mittwochabend ihren Plan, kurzfristige Zinssätze bis mindestens Ende 2014 auf dem historischen Tiefststand zu belassen. Den Leitzins beliessen die Notenbanker um Fed-Chef Ben Bernanke bei 0 bis 0,25 Prozent.

Die Konjunkturmassnahme «Operation Twist» werde wie zuvor angekündigt bis zum Jahresende fortgesetzt, teilte die Notenbank weiter mit. Dabei werden kurzfristig fällige Anleihen aus ihrem Bestand gegen langlaufende Papiere getauscht. Das soll Zinsen etwa für Unternehmenskredite oder Immobiliendarlehen weiter in den Keller drücken.

Die Finanzmärkte hatten seit Wochen gerätselt, ob die Notenbank ein neues Anleihekaufprogramm starten könnte. Das schwache Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) der weltgrössten Volkswirtschaft von hochgerechnet 1,5 Prozent im zweiten Quartal hatte diese Spekulation genährt.

Wirtschaftliche Aktivität verlangsamt

Gleichzeitig räumte die Fed in ihrer Stellungnahme ein, dass sich die wirtschaftliche Aktivität im ersten Halbjahr verlangsamt habe. Die Arbeitslosigkeit bleibe weiterhin hoch, die Konsumausgaben hätten sich abgeschwächt. Die aktuellen Probleme auf dem Weltmarkt stellten eine erhebliches Risiko für die US-Wirtschaft dar. Sollte sich die Situation auf dem Arbeitsmarkt nicht nachhaltig aufhellen, würden weitere Schritte zur Ankurbelung der Konjunktur ergriffen, hiess es weiter.

Die jüngste Stellungnahme der Fed ähnelte ihrer vorangegangenen Mitteilung vom Juni. Eine Ausnahme bildete allerdings der aktuelle Hinweis auf den stockenden amerikanischen Konjunkturmotor.

Analysten rechnen bei nächstem Fed-Treffen mit Massnahmen

Analysten zufolge könnte sich die Notenbank bei ihrer Sitzung im September auf den Aufkauf von Staatsanleihen und hypothekenbesicherter Wertpapiere verständigen, falls die Konjunktur nicht anziehen sollte. Ziel der Massnahme wäre es dann, langfristige Zinsen - die sich ohnehin auf Rekordniveau bewegen - weiter zu senken. «Die Fed hat bei ihrem Treffen keine Massnahmen ergriffen, jedoch deutliche Fingerzeige für weitere Lockerungsmassnahmen bei ihrer nächsten Sitzung im September durchblicken lassen», sagte David Jones, Chefökonom bei DMJ Advisors.

Just nach der Ankündigung brachen die Aktienindizes leicht ein. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte gab 0,25 Prozent nach auf 12 976 Punkte.

Der breiter gefasste S&P-500 fiel 0,3 Prozent auf 1375 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gab 0,7 Prozent ab auf 2920 Stellen.

Die Experten fiebern nun einer Stellungnahme von Fed-Chef Ben Bernacke bei der anstehenden jährlichen Wirtschaftskonferenz in Jackson Hole im US-Staat Wyoming entgegen. (sda/dapd)

Chaos an Wall Street, weil die Compis verrückt spielten

An der Wall Street war der normale Handel zeitweise gestört, mehrere Papiere wurden vorübergehend an der New York Stock Exchange ausgesetzt. Zu Handelsbeginn hatte es aussergewöhnlich hohe Umsätze bei zahlreichen Aktien gegeben, was Händler aufschreckte. «Ich glaube, der Vorfall hat den gesamten normalen Handel in Mitleidenschaft gezogen», sagte ein Händler. «Überall gab es Handelsbewegungen, es war bizarr und ging drunter und drüber.» Der Finanzdienstleister Knight Capital erklärte später, seine computergestützten Handelssysteme hätten den Vorfall verursacht. Knight-Aktien verloren ein Drittel an Wert. (jam)

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