Aktualisiert 14.07.2012 18:18

Mini-AffäreUS-Patriotismus made in China

Weisse Hose, blaue Jacke, rote Krawatte: Amerikanische Olympioniken tragen die Landesfarben. Dumm nur, dass die guten Stücke in China produziert wurden. Politiker geben sich empört.

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kri
Blau-Weiss-Rot aber Made in China: Die Uniformen der US-Athleten für die Olympischen Spiele 2012.

Blau-Weiss-Rot aber Made in China: Die Uniformen der US-Athleten für die Olympischen Spiele 2012.

Die ideologischen Gräben in den USA sind so tief wie selten zuvor. Republikaner und Demokraten finden kaum zueinander, wie gut tut es da, sich parteienübergreifend zu empören. Eine solche Gelegenheit bot sich unverhofft, als am Mittwoch die offiziellen Uniformen der amerikanischen Athleten für die Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele vorgestellt wurden. Denn diese wurden im Auftrag von Ralph Lauren in China produziert. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten hätte der Auftrag an einen einheimischen Hersteller gehen müssen, so der einhellige Tenor.

«Das Olympische Komitee sollte alle Uniformen auf einen Haufen werfen, anzünden und von vorne beginnen», wetterte der demokratische Mehrheitsführer im Senat, Harry Reid. «Ich hätte angenommen, dass sie nicht so dumm sind», meinte der republikanische Sprecher des Repräsentantenhauses, John Boehner.

Der demokratische Senator Bernie Sanders brachte es schliesslich auf den Punkt: «Es gibt keinen Grund, warum die olympischen Uniformen nicht in den USA hergestellt werden sollten», sagte er. Der Entscheid sei ein Symbol für die desaströse Handelspolitik, die das Land «Millionen gutbezahlter Jobs» gekostet habe.

«Amerikanische Ikone»

Das Olympische Komitte verteidigt sich: «Wir sind stolz auf unsere Partnerschaft mit Ralph Lauren, einem ikonischen amerikanischen Unternehmen», sagte sein Sprecher Patrick Sandusky in einem Communiqué. Zudem sei das US-Team im Unterschied zu den meisten anderen Ländern privat finanziert. Ein Vergleich, der hinkt: Zumindest in den westlichen Staaten finanzieren sich die Olympischen Komittes ebenfalls zu einem grossen Teil über Sponsoren.

Swiss Olympic Kleiderkollektion 2012

Die Mini-Affäre ist auch jenen, welche die umstrittenen Uniformen letztlich tragen müssen, nicht entgangen: «Unsere Ralph-Lauren-Outfits für die Eröffnungszeremonie wurden in China produziert. Tja dann, äh, danke China.», schreibt 800-Meter-Läufer Nick Symmonds auf Twitter.

«Warum nicht Cowboy-Hüte?»

Fox News setzte noch einen drauf. Nicht so sehr die chinesische Herkunft, sondern die kulturellen Konnotationen der Kopfbedeckung stiess den Moderatoren der Morgensendung Fox & Friends auf. Wieso sollen amerikanische Athleten Berets tragen, ereiferte sich die Runde zu französischer Akkordeon-Musik im Hintergrund. «Warum nicht Baseball-Caps oder Cowboy-Hüte», fragte Co-Host Steve Doocy.

Zahlreiche Zuschauer meldeten sich im Verlauf der Sendung und wiesen das patriotische Trio darauf hin, dass Berets eine durch und durch amerikanische Kopfbedeckung seien. Schon einmal etwas von den «Green Berets» gehört?

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