Aktualisiert 20.10.2011 15:11

Schrecken in der ProvinzUS-Polizei jagt Löwen und Bären

Dutzende entflohene Wildtiere halten die Menschen in Zanesville, Ohio, in Atem. Sie stammen von einer Farm, deren Besitzer unter mysteriösen Umständen zu Tode kam.

von
jcg

Es war am Dienstag nach Feierabend, als die Telefone im Büro von Sheriff Matt Lutz begannen, Sturm zu klingeln. Besorgte Bürger berichteten von freilaufenden Wildtieren nahe der Interstate 70 bei Zanesville im US-Bundesstaat Ohio. Sheriff Lutz schickte vier Polizisten mit Sturmgewehren zur örtlichen Wildtierfarm. Auf der «Muskingum Animal Farm» angekommen stiessen sie auf die Leiche von Farmbesitzer Terry Thompson, um die sich mehrere aggressive Tiere tummelten. Die Beamten hätten keine andere Möglichkeit gehabt, als sie zu erschiessen, wie Sheriff Lutz gemäss der Nachrichtenagentur AP sagte. «Das sind wilde Tiere wie man sie im Fernsehen aus Afrika sieht», warnte Lutz an der Pressekonferenz.

Doch damit nicht genug. Die Beamten mussten feststellen, dass die Türen sämtlicher Käfige offen standen. Während einige Tiere sich noch in der Nähe ihrer Gehege aufhielten, hatten andere bereits die Zäune überwunden und das Farmgelände hinter sich gelassen. Einzig die Orang-Utans und Schimpansen befanden sich noch in ihren Käfigen im Haus Thompsons. Den Beamten blieb nach dem Leichenfund nichts anderes übrig, als die gefährlichen Tiere auf der Farm zu töten und Jagd auf die Ausreisser zu machen.

Welche Tiere genau aus der Farm in die Nachbarschaft ausgebrochen sind, konnte die Polizei nicht sagen. Auf dem Gelände wurden Tiger, Löwen, Geparden, Bären, Wölfe, Giraffen und Kamele gehalten. Unter den Tieren, die von der Polizei getötet wurden, befanden sich Bären, Wölfe und mindestens ein Löwe. Einige der entkommenen Wildtiere konnten von Mitarbeiten eines nahegelegenen Zoos eingefangen werden.

Das Grundstück war am 19. Oktober mit den Kadavern dutzender, getöteter Zootiere übersät. Bei der Notrufzentrale gingen mehrere Anrufe besorgter Bewohner ein:

Tiere am Montag gefüttert

Während die Jagd auf die verbliebenen Ausreisser weitergeht, raten die Behörden den 25 000 Einwohnern der Stadt und der umliegenden Farmen, zuhause zu bleiben. In vier Schulbezirken wurde der Unterricht gestrichen. Eine der wenigen beruhigenden Nachrichten - neben der Tatsache, dass es keine Verletzten gab - kam von einem Wärter der Tierfarm. Er erklärte, die 48 Tiere seien erst am Montag letztmals gefüttert worden. Der Hunger der Raubtiere dürfte sich also in Grenzen halten.

Was aber nach der letzten Fütterung auf der Farm vorgefallen war, weiss die Polizei noch nicht. Ein Nachbar Thompsons sagte gegenüber der AP, dass dieser erst kürzlich aus dem Gefängnis entlassen worden sei. Von einem anderen Bekannten wird der Tote als aussergewöhnlich beschrieben. Er habe Flugzeuge geflogen, Bootsrennen bestritten und einen Motorradladen besessen, in dem er auch Waffen verkauft habe.

US-Bericht über die Vorfälle. (Quelle: YouTube)

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