Aktualisiert 30.05.2020 15:50

Kritik am Polizeieinsatz in Minneapolis

US-Polizisten brechen die «blaue Wand des Schweigens» für George Floyd

In den USA haben sich in den letzten Tagen erstaunlich viele Polizisten zum Tod von George Floyd geäussert. Sie brechen somit die sogenannte «blaue Wand des Schweigens», die impliziert, dass sich Polizisten untereinander nicht anschwärzen.

von
Bianca Lüthy
1 / 6
Gewalttätige Polizeieinsätze mit tödlichen Folgen passieren in den USA regelmässig. Kritik von Polizeibeamten ist jedoch selten.

Gewalttätige Polizeieinsätze mit tödlichen Folgen passieren in den USA regelmässig. Kritik von Polizeibeamten ist jedoch selten.

KEYSTONE
Zum Fall von George Floyd haben sich bereits mehrere Polizei-Chefs geäussert. Sie verurteilen die am Vorfall beteiligten Polizisten aufs Schärfste.

Zum Fall von George Floyd haben sich bereits mehrere Polizei-Chefs geäussert. Sie verurteilen die am Vorfall beteiligten Polizisten aufs Schärfste.

KEYSTONE
In den USA wurde damit die «blaue Wand des Schweigens» gebrochen. Ein ungeschriebenes Gesetz, das impliziert, dass sich Polizisten untereinander nicht anschwärzen.

In den USA wurde damit die «blaue Wand des Schweigens» gebrochen. Ein ungeschriebenes Gesetz, das impliziert, dass sich Polizisten untereinander nicht anschwärzen.

KEYSTONE

Polizei-Chefs in den US-Bundesstaaten Texas, North Carolina, Tennessee, Florida und Kalifornien haben den Polizeieinsatz in Minneapolis, bei dem George Floyd gestorben ist, öffentlich verurteilt. Sie nannten den Vorfall «verstörend», «unethisch» und schlichtweg «falsch».

C.J. Davis, Polizeichefin von Durham in North Carolina, sagte zum Video: «Ich konnte mir das ganze Video nicht ansehen, ich konnte es nicht übers Herz bringen, anzusehen, wie ein Mensch so behandelt und malträtiert wird.»

Der Polizei-Chef von Chattanooga in Tennessee David Roddy schrieb auf Twitter: «Jeder Polizist, der nicht entrüstet ist über dieses Verhalten, sollte die Polizei auf der Stelle verlassen.»

Auch der Berufsverband der US-Polizisten «National Fraternal Order of Police» schreibt in einem Statement: «Die Tat erschüttert und schockiert unsere Nation. Polizisten müssen zu jeder Zeit Hilfe leisten, wenn es jemand braucht – auch wenn es sich dabei um einen Verdächtigen handelt, der gerade eben festgenommen wurde.»

Bricht nun die «blaue Wand des Schweigens» in den USA?

Jahrzehnte lang war es in den USA ein ungeschriebenes Gesetz unter Polizisten, dass man sich nicht zu solchen Vorfällen äussert – vor allem nicht in der Öffentlichkeit. Sie bezeichneten es als «die blaue Wand des Schweigens».

Gegen Derek Chauvin, der Polizist, der sein Knie acht Minuten lang auf George Floyds Genick drückte, lagen 18 Beschwerden vor. Auch gegen Tou Thao, den man im Video sieht, wie er tatenlos neben Chauvrin steht und nichts tut, gab es sechs Beschwerden.

Der Polizei-Chef von Minneapolis Medaria Arradondo hatte die vier im Vorfall involvierten Polizisten weniger als 24 Stunden nach Veröffentlichung des George Floyd-Videos ihres Amtes enthoben. Arradondo ist seit 2017 Polizeichef und gilt als der erste afroamerikanische Polizei-Chef von Minneapolis. Am Donnerstag entschuldigte er sich öffentlich bei der Familie von Floyd. Das Einräumen und Eingestehen von Fehlern seitens der Polizei, das Brechen «der blauen Wand des Schweigens» ist etwas, das es in der Geschichte der USA so noch nicht gegeben hat.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.