Hackerangriff auf Sony: US-Rache? Internet-Probleme in Nordkorea
Aktualisiert

Hackerangriff auf SonyUS-Rache? Internet-Probleme in Nordkorea

Stundenlang hatte Nordkorea mit Internetproblemen zu kämpfen. Mittlerweile sind wichtige Webseiten wieder erreichbar.

«Nordkorea ist restlos unten», sagte Experte Doug Madory.

«Nordkorea ist restlos unten», sagte Experte Doug Madory.

In Nordkorea hat es inmitten der diplomatischen Verstimmungen um die Sony-Affäre einen stundenlangen Internetausfall gegeben. Die Probleme hätten am vergangenen Wochenende begonnen und sich seitdem stetig verschlimmertet, sagte Doug Madory, Direktor der US-Analysefirma Dyn Research. An einem Punkt sei das Land «total» offline gewesen. AmDienstag waren jedoch nach Angaben aus Seoul wichtige nordkoreanische Webseiten wieder erreichbar, darunter die der amtlichen Nachrichtenagentur KCNAund der Zeitung «Rodong Sinmun.»

Beobachter vermuteten hinter den Internet-Problemen Nordkoreas eine mögliche Retourkutsche der USA. Hintergrund ist ein Hackerangriff auf Sony Pictures, die offenbar mit der von dem Filmstudio produzierten Satire «The Interview» über ein fiktives Attentat auf Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un zusammenhängt. Nachdem eine Gruppe von Hackern Terrordrohungen gegen Kinobetreiber ausstiess, sagte Sony den Film ab.

Obama kündigte Reaktion an

Pjöngjang wies jegliche Verwicklung in den Fall zurück. Doch machte US-Präsident Barack Obama vergangene Woche Nordkorea verantwortlich und kündige eine angemessene Reaktion an. Ob seine Regierung für die Internet-Probleme in Nordkorea verantwortlich ist, wollte das Weisse Haus jedoch nicht sagen. Aussenamtssprecherin Marie Harf gab lediglich zu Protokoll, manche Reaktionen der USA seien sichtbar, andere nicht.

In kaum einem Land der Welt ist der Internet-Zugang so beschränkt wie in Nordkorea. Nur wenige Bewohner des hermetisch abgeriegelten Landes verfügen überhaupt über einen Computer, und selbst jene, die einen haben, können in der Regel nur auf ein Intranet zugreifen. Zwar gibt es Breitband-Internet in Nordkorea, doch richtig surfen kann nur eine kleine, handverlesene Elite. Mehr als eine Million Bürger nutzen jedoch Smartphones. Das Netzwerk deckt die meisten Grossstädte ab, doch können Nutzer keine Anrufe aus dem Ausland entgegennehmen oder im Ausland anrufen.

«Nordkoreas Internet ist eben nicht so hochentwickelt»

Die Internetfirma Arbor Networks, die Unternehmen vor Cyberattacken schützt, beobachtete sogenannte Denial-of-Service-Attacken, die auf Nordkoreas Infrastruktursysteme abzielten. Bei derartigen Angriffen werden so viel störender Datenverkehr übertragen, dass das Internet überlastet wird. Diese Probleme hätten in Nordkorea am Samstag angefangen und bis Montag angehalten, sagte der bei Arbor Networks für Sicherheitsforschung zuständige Direktor DanHolden.

Angesichts Nordkoreas beschränktem Online-Zugang und der mangelnden ausgeklügelten Technologie in dem Bereich sei es für eine Bande von Hackern relativ einfach, das Land vom Netz zu nehmen. Daher sollte man nicht annehmen, dass die US-Regierung da eine Rolle gespielt habe, fügte Holden hinzu. «Jeder von uns, der sauer war, weil wir den Film nicht gucken können, könnte das tun. Ihr (Nordkoreas) Internet ist eben nicht so hochentwickelt.» (sda)

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