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US-Rezept gegen Amokläufe: Waffen für Studenten

So geht das in Amerika: Weil es an US-Universitäten immer wieder zu blutigen Amokläufen mit Schusswaffen kommt, fordern Studenten jetzt das Recht zurückzuschiessen - mit eigenen Schusswaffen.

Blutige Amokläufe an Hochschulen schrecken immer wieder die amerikanische Gesellschaft auf. In der Regel bricht dann auch in den waffenverliebten USA für kurze Zeit eine heftige Debatte über das vergleichsweise laxe Waffenrecht aus.

Nun aber kämpfen Waffen-Lobby, Studenten und auch Volksvertreter für eine Ausweitung des Rechts, einen Revolver oder eine Pistole mit sich zu führen. Auch Studenten sollen künftig bewaffnet zur Vorlesung kommen dürfen - um im Notfall ausgeflippte Amokläufer niederschiessen zu können.

«Der einzige Weg, eine Person mit einer Pistole zu stoppen, ist eine andere Person mit einer Pistole», lautet das Motto von Gesetzesinitiativen in zehn US-Bundesstaaten und mehreren Studenteninitiativen.

Wilder Westen an den Unis?

Ihr Ziel ist die Bewaffnung der Universitäten und Hochschulen - auch wenn viele das als irrsinnig ansehen und vor Wild-West- Verhältnissen an US-Universitäten warnen.

Aber die Bewegung «Studenten für das verdeckte Tragen von Waffen auf dem Campus» (SCCC) hat eigenen Angaben zufolge schon über 20 000 Mitglieder; deren Zahl wachse ständig weiter.

Die Initiative hatte sich nach dem Amoklauf an der Hochschule Virginia Tech im April 2007 formiert. Heute ist sie an über 600 Hochschulen in allen US-Bundesstaaten vertreten.

«Wir können nicht versprechen, alle Massaker zu verhindern», sagte SCCC-Sprecher Scott Lewis. «Aber mit Waffen auf dem Campus sind die Chancen gut, Amokläufer künftig frühzeitig zu erschiessen.»

Waffenverbot Ursache der Massaker?

Mit Ausnahme des US-Staates Utah ist das Tragen von Waffen bisher an Hochschulen verboten - für Lewis der Hauptgrund, warum es in den USA immer wieder zu Schul-Massakern kommt: «Universitäten sind ungeschützte Orte und somit ideale Ziele für Selbstmörder, die Unschuldige mit in den Tod nehmen wollen.»

Seine Organisation wolle nicht alle Studenten bewaffnen, betont Lewis, sondern nur die Besitzer einer Waffenlizenz. In vielen Teilen Amerikas reicht dazu die blosse Erreichung der Volljährigkeit von 18 oder 21 Jahren sowie eine strafrechtliche Unbescholtenheit.

«Das sind verantwortungsvolle Menschen, die ihre Waffe bereits in Einkaufszentren, Kirchen und Kinos tragen. Aus welchem Grund verwehrt man ihnen dieses Grundrecht auf dem Campus?», fragt Lewis.

30 000 Tote durch Waffengewalt

«Es widerspricht dem gesunden Menschenverstand, dass mehr Waffen zu weniger Opfern führen», kritisierte der Sprecher der «Brady Kampagne gegen Waffengewalt», Doug Pennington. «Angesichts von 30 000 Menschen, die in den USA jährlich durch Waffengewalt sterben, ist es beschämend, dass Politiker sich ernsthaft mit derartigen Vorschlägen befassen.»

Studenten fehlten Ausbildung und Erfahrung, um in Krisensituationen richtig zu handeln. Zudem werde es der Polizei unmöglich sein, im Ernstfall bei wilden Schusswechseln auf dem Campus den Amokläufer in der schiessenden Meute zu identifizieren.

Auch viele Studenten der Virginia Tech, wo ein Amokläufer 32 Menschen erschoss, ehe er sich selbst richtete, finden die Vorstellung von bewaffneten Kommilitonen erschreckend.

Garrett Evans, dem der Amokläufer damals in beide Beine schoss, findet dies absurd: «Mehr Waffen in einem Umfeld, wo Studenten trinken, sich streiten und ihre Emotionen nicht immer unter Kontrolle haben, würden alles nur noch schlimmer machen.»

(sda)

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