Aktualisiert 02.10.2012 07:29

Neue Kalorien-Obergrenze

US-Schüler jammern: «Wir haben Hunger!»

Michelle Obamas Kampf gegen Übergewicht bei Kindern hat Folgen: Die Mahlzeiten an US-Schulen werden kleiner. Schüler reagieren mit Mensa-Boykotten und einem Video.

von
Peter Blunschi

Seit Beginn des neuen Schuljahres Anfang September herrscht Aufregung an vielen Bildungsstätten in den USA. Grund ist ein neues Bundesgesetz, das erstmals eine Kalorien-Obergrenze für Schulmahlzeiten festlegt. Beschlossen wurde es als Folge der Kampagne von First Lady Michelle Obama gegen die amerikanische Volksseuche Übergewicht. Statistiken zufolge ist jedes dritte Kind in den USA übergewichtig oder sogar fettleibig.

Die neue Vorschrift hat zur Folge, dass die Portionen in den Schulkantinen tendenziell kleiner werden und weniger Fleisch, dafür aber mehr Früchte und Gemüse enthalten. Verbindlich ist das Gesetz nur für jene Schulen, die für ihr Lunchprogramm Subventionen aus Washington beziehen. Viele betroffene Schüler aber ärgern sich. Sie würden von den neuen Mahlzeiten nicht satt und hätten bereits am frühen Nachmittag wieder Hunger.

Drei statt sechs Chicken Nuggets

Für Furore sorgt ein Video mit dem Titel «We Are Hungry», eine Parodie auf den Hit «We Are Young» der Band Fun. Produziert wurde es von Schülern einer High School im Bundesstaat Kansas. Sie zeigen, wie sie im Turnunterricht kollabieren oder an ihren Pulten einschlafen, weil sie nicht genug zu essen erhielten. «Wir hatten kürzlich Chicken Nuggets. Im letzten Schuljahr gab es sechs Stück, jetzt nur noch drei», sagte Callahan Grund, einer der Schüler aus dem Video, gegenüber «USA Today».

Proteste gibt es im ganzen Land. In einem Schulbezirk im Staat Wisconsin läuft seit rund zwei Wochen ein Mensa-Boykott. In New Jersey kam es letzte Woche zu ähnlichen Aktionen. Für Ärger sorgt auch die Tatsache, dass die neuen Portionen nicht nur kleiner, sondern auch teurer sind, weil hochwertigere Produkte verwendet werden. Eine Facebook-Seite unterstützt einen Vorstoss im Kongress, der das Gesetz rückgängig machen will.

Sind 850 Kalorien genug?

Einzelne Experten finden, dass eine Obergrenze von 850 Kalorien pro Mahlzeit für High-School-Absolventen tatsächlich knapp bemessen ist, vor allem wenn sie im Schulsport aktiv sind. Der erwähnte Callahan Grund etwa spielt im Football-Team seiner Schule. Die meisten Ernährungsberater aber winken ab. Längst nicht alle Schüler seien Athleten, man dürfe diese nicht zum Massstab machen. Für normale Schüler seien 850 Kalorien genug.

Die Regierung verweist darauf, dass jederzeit mehr Früchte und Gemüse erhältlich seien. Ausserdem könne man in der Regel zusätzliche Esswaren kaufen. Viele Eltern geben ihren Kids trotzdem ein Lunchpaket mit, damit sie den Unterricht ohne «Hungerast» überstehen. Das Mittagessen in der Mensa sei meist die einzige Mahlzeit während des gesamten Schultags. Michelle Obama hat sich zur Kontroverse bislang nicht geäussert.

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