Aktualisiert 19.10.2006 07:11

US-Soldaten droht Todesstrafe wegen Kriegsverbrechen

Elf Soldaten der US-Armee müssen sich wegen Mordes während ihres Einsatzes im Irak vor einem Kriegsgericht verantworten. Gegen zwei Soldaten, die eine 14-Jährige vergewaltigten und anschliessend ihre Familie auslöschten, könnte die Todesstrafe verhängt werden.

Insgesamt vier Soldaten wird nach Angaben der US-Armee vom Mittwoch zur Last gelegt, im März nahe Bagdad ein 14-jähriges Mädchen vergewaltigt zu haben. Danach sollen sie das Mädchen, dessen Eltern und die fünfjährige Schwester ermordet haben. Zwei der vier in diesem Verfahren angeklagten Soldaten droht die Todesstrafe.

Der 23-jährige US-Soldat James Barker hatte bei einer Vorverhandlung seine Beteiligung gestanden. Laut Militärangaben schilderte Barker in dem schriftlichen Geständnis die grausamen Einzelheiten der Tat, die sich Mitte März nahe Mahmudijah rund 30 Kilometer südlich von Bagdad ereignete.

Die vier Soldaten sind Mitglieder der bei den Streitkäften besonders angesehenen 101. Luftlandedivision. Einem fünften Angeklagten, dem als Haupttäter geltenden 21-jährigen Steven Green, soll vor einem Zivilgericht der Prozess gemacht werden. Er war wegen «Persönlichkeitsstörungen» noch vor Bekanntwerden der Tat aus der Armee entlassen worden.

Im Anschluss an die Tat hätten die Soldaten versucht, ihre Opfer zu verbrennen. Die zunächst irakischen Milizen zugeschriebene Tat war erst am 20. Juni bei einem Briefing der US-Armee über «Stress im Kampf» ans Licht gekommen.

Sieben weitere Soldaten angeklagt

In zwei weiteren Fällen geht es um die Ermordung irakischer Gefangener während eines Einsatzes der US-Armee im Mai nördlich von Bagdad sowie um die Ermordung eines irakischen Zivilisten im April.

Vier weiteren Soldaten, die sich ebenfalls vor dem Kriegsgericht verantworten müssen, wird zur Last gelegt, bei einem Einsatz am 9. Mai in der Provinz Salaheddin drei irakische Gefangene vorsätzlich ermordet zu haben.

Die Soldaten gaben zu ihrer Verteidigung an, sie hätten während einer Razzia gegen El-Kaida-Mitglieder den Befehl erhalten, «alle Männer im waffenfähigen Alter zu töten».

Schliesslich befand ein Militärgericht auf dem Militärstützpunkt Camp Pendleton in Kalifornien, dass drei von sieben wegen vorsätzlichen Mordes an einem Iraker angeklagte Marineinfanteristen sich vor dem Kriegsgericht verantworten müssten.

Die Todesstrafe drohe ihnen nicht, hiess es weiter. Die Fälle gehören zu einer ganzen Reihe von Misshandlungsaffären und gewaltsamen Übergriffen der US-Truppen im Irak. (dapd)

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