Aktualisiert 08.03.2004 18:43

US-Soldaten erschiessen Aristide-Anhänger

Auch eine Woche nach der Flucht von Expräsident Jean-Bertrand Aristide findet das Blutvergiessen in Haiti kein Ende.

Bei einer Demonstration in der Hauptstadt Port-au-Prince wurden am Sonntag sechs Menschen erschossen, darunter einer von US-Soldaten. Aristide rief am Montag im französischen Radio zum Widerstand gegen die «inakzeptable Besatzung» auf.

Die Demonstranten zogen durch die Innenstadt und feierten vor dem Nationalpalast den Sturz Aristides. Als dessen militante Anhänger das Feuer eröffneten, wurden fünf Personen tödlich getroffen. Einer der Aristide-Anhänger habe auf einen Marineinfanteristen gefeuert und sei daraufhin von diesem erschossen worden, sagte US-Oberst Charles Gurganus.

Aristide sagte dem Radiosender RTL, er bleibe der Präsident Haitis. Das haitianische Volk müsse friedlichen Widerstand gegen die Besatzung leisten. Seinen Gang ins Exil bezeichnete er als «politische Entführung».

In Port-au-Prince bemühten sich Ärzte unterdessen um die Versorgung der rund 30 verletzten Demonstranten. Ein Hubschrauber der französischen Luftwaffe landete auf einer Hauptstrasse, um lebenswichtige Medikamente an ein Krankenhaus zu bringen.

Zunächst waren am Sonntag mehrere hundert Demonstranten durch einen Vorort der Hauptstadt gezogen und hatten gefordert, Aristide wegen Korruption und Mordes vor Gericht zu stellen. Die Menge schwoll schliesslich auf mehrere tausend Teilnehmer an. Als die Menschen den Platz Champs de Mars erreichten, fielen Schüsse. Unter den Toten ist der Korrespondent des spanischen Fernsehsenders Antena 3, Ricardo Ortega.

Die aufgebrachte Menschenmenge warf den zur Stabilisierung der Lage entsandten Soldaten aus den USA und Frankreich vor, nicht genug für den Schutz der Demonstranten getan zu haben. Der französische Kommandeur Oberst Daniel Leplatois verteidigte die Truppen. «Wir konnten nicht das Leben aller Demonstranten schützen», sagte er.

Der haitianische Ministerpräsident Yvon Neptune verurteilte die Gewalt. Die Marineinfanteristen hätten jedoch wie vorgeschrieben gehandelt, sagte er. Die sieben Mitglieder eines kürzlich ernannten Komitees wollten am Montag erneut zusammenkommen, um einen Nachfolger für Neptune auszuwählen. Der neue Regierungschef soll dann gemeinsam mit Aristides Partei Lavalas und der Opposition eine Übergangsregierung bilden. (dapd)

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