Aktualisiert 30.05.2006 11:38

US-Soldaten: «Iraker ohne Grund getötet»

Die Vorwürfe gegen US-Soldaten wegen vorsätzlicher Tötung von etwa zwei Dutzend irakischer Zivilisten in der Stadt Haditha erhärten sich. Unter den Opfern waren Frauen und Kinder.

Die Ermittlungen liefen darauf hinaus, dass die Marineinfanteristen die «Iraker ohne Grund getötet hätten», sagte am Freitag ein ranghoher Beamter des US-Verteidigungsministeriums, der namentlich nicht genannt werden wollte.

Gegen rund ein Dutzend Marineinfanteristen wird im Zusammenhang mit der Militäroffensive in Haditha im November ermittelt. Einwohner der Ortschaft hatten berichtet, dass die US-Soldaten in Häuser eingedrungen seien und 15 Mitglieder zweier Familien getötet hätten, darunter ein dreijähriges Kind. Das Marineinfanteriekorps hatte zunächst erklärt, die Iraker seien durch eine am Strassenrand versteckte Bombe und bei anschliessenden Kämpfen mit Aufständischen ums Leben gekommen.

In der vorigen Woche hatte der Kongressabgeordnete John Murtha gesagt, die Marineinfanteristen hätten damals «kaltblütig» Iraker erschossen. Die Soldaten hätten überreagiert und unschuldige Frauen und Kinder getötet. Die Opferzahl sei mindestens doppelt so hoch wie anfangs berichtet. Die Ermittlungen würden zudem ergeben, «dass es keinen Schusswechsel gab, dass es keine Explosion gab, bei der die Zivilisten in einem Bus ums Leben kamen. Es gab keinen Bus.»

Das Marineinfanteriekorps wollte sich am Freitag zum Stand der Ermittlungen nicht äussern. Vor Abschluss der Untersuchungen werde man nichts sagen. Mit dem Bericht sei in etwa 30 Tagen zu rechnen, sagte ein Kongressmitarbeiter. (dapd)

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