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US-Spitäler stellen auf XXL-Patienten bis 300 Kilo um

Seit 30 Jahren steigt die Zahl der Übergewichtigen in den USA stetig an. Jetzt reagieren auch Spitäler: Spezielle Waagen, OP-Hemden in XXXXXL, breitere Sauerstoffmasken, Hebevorrichtungen und Toiletten für 300-Kilo-Patienten sind nur einige der getroffenen Massnahmen.

Zwei Drittel der US-Bürger sind heute zu schwer. Doch in den meisten Spitälern und Arztpraxen wird weiter so behandelt, als gäbe es keine Patienten mit enormen Gewichtsproblemen.

Dass auch sie damit ein Problem haben, begreifen Krankenschwestern, Pfleger und Mediziner meistens erst, wenn es fast zu spät ist: Wenn der Blutdruckmesser nicht mehr um den Oberarm passt, die Nadel für die intravenöse Versorgung im Fett steckenbleibt oder beim Umdrehen des bettlägerigen Patienten der Rücken knackst.

Nur langsam wächst das Bewusstsein, dass dicke Patienten eine andere Behandlung brauchen als dünne.

In der Industrie hat das Umdenken begonnen. Das Unternehmen Quick-Medical im nordwestlichen Bundesstaat Washington zum Beispiel hat sich auf die Herstellung von Waagen spezialisiert, die selbst bei 450 Kilogramm Gewicht noch nicht am Anschlag sind.

Grösse XXXXXL

Ob Apparate für Mammographien, Blutdruckmesser, Rollstühle oder OP-Hemden - fast alles wird inzwischen auch in der Version XXXXXL angeboten.

«Eine ganze Industrie lebt von der Produktion der medizinischen Ausrüstung für fettleibige Kranke», sagte die Adipositas-Expertin vom Nationalen Gesundheitsinstitut, Susan Yanovski; «doch vielen Ärzten ist bis heute nicht klar, dass sie bessere Behandlungsergebnisse erzielen könnten, wenn sie das Übergewicht ihrer Patienten mit berücksichtigten».

Zwar stellten sich einige Spitäler inzwischen besser auf ihre zunehmende Klientel mit Gewichtsproblemen ein. Bis dies aber Standard an allen Kliniken und in allen Praxen sei, «erwartet uns noch ein langer Weg». Auch die Forschung müsste grösseres Augenmerk auf das Problem richten, sagt Yanovski: «Bei vielen Medikamenten wissen wir nicht, wie sie bei Übergewichtigen wirken.»

Zu den wenigen Krankenhäusern, die bereits umgedacht haben, zählt das Barnes-Jewish-Hospital in Saint-Louis (Missouri). Im Januar 2005 hätten sie ihre neuen Leitlinien für den Umgang mit schwergewichtigen Patienten eingeführt, sagt Pflegeleiterin Colleen Becker.

Über 300 Kilo Körpergewicht

Seit damals führen sie auch eine Art Patientenstatistik nach Gewichtsklassen: Demnach war nur ein Drittel der Patienten im vergangenen Jahr normalgewichtig, ein Drittel hatte Übergewicht, und ein Drittel sogar extremes Übergewicht - einige von ihnen brachten sogar mehr als 300 Kilogramm auf die Waage.

Inzwischen begnügt sich das Spital nicht mehr damit, nur nach Spezialausstattern zu fahnden. Gemeinsam mit den Unternehmen denkt es auch über sinnvolle Neuentwicklungen nach: Längere Nadeln zum Beispiel oder breitere Sauerstoffmasken.

Nach und nach wurde zudem das Krankenhaus umgebaut. Es erhielt erweiterte Türrahmen, die meisten Toiletten und Waschbecken sind fest im Boden verankert; besondere Hebevorrichtungen helfen dem Personal, Patienten zu bewegen.

Fett verbrennt schlechter

Nach Expertenschätzungen sind jährlich etwa 100 000 Todesfälle in den USA auf Übergewicht zurückzuführen. Aber selbst nach ihrem Ableben kommen Übergewichtige nicht zur Ruhe.

So blieb im Februar die Leiche einer 250 Kilo schweren Frau rund 40 Tage im Kühlraum eines texanischen Leichenschauhauses, weil die Leitung des Krematoriums zuvor die Erstattung zusätzlicher Kosten forderte: Nach ihren Angaben verbrennt Fett wesentlich schlechter als Muskelgewebe.

(sda)

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