US-Truppen geben Belagerung von Falludscha auf
Aktualisiert

US-Truppen geben Belagerung von Falludscha auf

Nach internationaler Kritik an den tagelangen Angriffen auf Falludscha haben sich US-Truppen am Donnerstag aus der irakischen Stadt zurückgezogen.

Ein Abkommen sei erzielt worden, und alle Marineinfanteristen würden abgezogen, sagte ein US-Kommandeur. Noch in der Nacht waren bei Luftangriffen lasergesteuerte Bomben auf Ziele in Falludscha abgeschossen worden.

Die US-Truppen sollen am Freitag von irakischen Sicherheitskräften ersetzt werden, wie Oberstleutnant Brennan Byrne sagte. Der «Falludscha-Schutzarmee» sollen nach seinen Worten 1.100 irakische Soldaten angehören, sie soll von einem Ex-General aus der aufgelösten Armee Saddam Husseins befehligt werden.

In Falludscha verschanzte Guerillakämpfer fielen in der Nacht in mindestens drei Stadtteile ein, die zuvor relativ ruhig waren. Nach Berichten von Augenzeugen wurden mindestens 25 Gebäude zerstört. In Washington sagte US-Präsident George W. Bush am Mittwochabend, es gebe in Falludscha noch Widerstandsnester, doch der grösste Teil der Stadt kehre zur Normalität zurück.

Kritisiert wurden die Angriffe auf Falludscha von UN-Generalsekretär Kofi Annan. «Gewaltsame Militäraktionen einer Besatzungsmacht gegen Bewohner eines besetzten Landes machen die Lage nur schlimmer», sagte er in New York. Mohsen Abdul-Hamid, Mitglied des irakischen Regierungsrats, drohte, seine Partei werde sich aus dem Rat zurückziehen, sollten die Angriffe nicht eingestellt werden.

Am Hauptkontrollpunkt vor Falludscha eröffneten US-Truppen am Donnerstag das Feuer auf ein Auto und töteten mehrere Insassen. Wie ein Armeesprecher mitteilte, handelte es sich um Aufständische, die aus dem Wagen auf die Soldaten gefeuert hätten. Ein Reporter der Nachrichtenagentur AP beobachtete dagegen, wie US-Soldaten auf einen Kleinlastwagen schossen und eine siebenköpfige Familie töteten, die aus der Stadt zu fliehen versuchte.

Bei einem Autobombenanschlag in der Nähe der Hauptstadt Bagdad kamen nach US-Angaben acht amerikanische Soldaten ums Leben, vier weitere wurden verletzt. Der Anschlag ereignete sich bei Mahmudijah, südlich von Bagdad.

In der südirakischen Stadt Basra wurde bei einem Anschlag ein ausländischer Zivilist getötet. Ein irakischer Polizeisprecher sagte, Unbekannte hätten das Feuer auf das Fahrzeug des Mannes eröffnet. Dessen Fahrer habe schwere Verletzungen erlitten. Die Angreifer seien geflohen. Ein Sprecher der britischen Streitkräfte bestätigte, dass eine Zivilperson ums Leben kam, machte aber darüber hinaus keine Angaben zu dem Vorfall. Die Nationalität des Opfers war zunächst nicht bekannt.

Die US-Streitkräfte schicken zusätzliche Panzer nach Irak, um den militärischen Druck auf die Widerstandskämpfer zu verstärken. Der Nachschub sei von Kommandeuren in den Kerngebieten des sunnitischen Aufstands angefordert worden, teilte der amerikanische Generalmajor John Sattler am Mittwoch mit. Unter anderem sollen etwa zwei Dutzend Panzer vom Typ M1 Abrams von Deutschland aus in das Konfliktgebiet transportiert werden, wie aus dem Pentagon verlautete. (dapd)

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