Aktualisiert 27.09.2004 12:40

US-Wahlen: Pointen und Peinlichkeiten früherer TV-Duelle

Bei der Vorbereitung auf ihr erstes TV-Duell in der Nacht zum Freitag können George W. Bush und sein Rivale John Kerry aus der Chronik von Peinlichkeiten der früheren Fernsehdebatten lernen.

Die 40-jährige Geschichte der US-Fernsehduelle liefert aber auch lehrreiche Beispiele dafür, wie sich mitunter schon mit einer einzigen zielsicheren Pointe der Rivale entwaffnen lässt. Nachfolgend eine Zusammenstellung der Highlights der früheren Fernsehduelle im US-Präsidentschaftswahlkampf:

26. September 1960: Vizepräsident Richard Nixon, noch von einer Grippe geschwächt und mit Bartschatten, wirkt in seiner ersten Fernsehdebatte düster und ausgezehrt - ein scharfer Kontrast zu dem gutaussehenden und dynamischen Senator John F. Kennedy. Nixon kann den schlechten Eindruck später nicht mehr korrigieren und verliert.

6. Oktober 1976: Präsident Gerald Ford verblüfft die Moderatoren und viele Wähler mit seiner Bemerkung, dass es «keine sowjetische Dominanz über Osteuropa» gebe. Für seine Wahlniederlage gegen Jimmy Carter machen Experten allerdings eher die Nachwehen der Watergate- Affäre verantwortlich.

28. Oktober 1980: Der Herausforderer Ronald Reagan gewinnt in einem bis dahin knappen Rennen gegen Carter die Oberhand, indem er zum Schluss des Duells die pointierte rhetorische Frage an die Wähler stellt: «Geht es Ihnen besser als vor vier Jahren?»

21. Oktober 1984: Präsident Reagan nimmt den Anspielungen auf sein hohes Alter die Spitze, indem er in der Debatte mit Walter Mondale ironisch bemerkt: «Ich werde Altersfragen in dieser Kampagne nicht thematisieren. Ich werde die Jugend und Unerfahrenheit meines Opponenten nicht politisch ausschlachten.»

13. Oktober 1988: Michael Dukakis wird in seiner Debatte mit George Bush senior vom Moderator mit der Frage konfrontiert, ob er den Tod des Täters wünschen würde, sollte seine Frau vergewaltigt und ermordet werden. Dukakis gibt ein trockenes Statement gegen die Todesstrafe ab - und bestätigt damit sein Image als «Mann aus Eis».

15. Oktober 1992: Präsident Bush senior lässt während der Debatte die Wähler seine Ungeduld spüren, indem er auf seine Armbanduhr schaut. Dies verstärkt den Eindruck, Bush sei ein arroganter Patrizier. Der Rivale Bill Clinton gewinnt die Wahl vor allem mit dem Versprechen, die US-Wirtschaft wieder fit zu machen.

3. Oktober 2000: Vizepräsident Al Gore verrät in der ersten Debatte mit Bush junior seine Ungeduld durch wiederholtes Seufzen und Kopfschütteln. Er liefert sich damit dem Gespött aus - was zu Bushs Aufschwung in der Wählergunst beiträgt.

(sda)

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