Aktualisiert 17.03.2009 11:51

«Seattle Post-Intelligencer»

US-Zeitung verschwindet ins Internet

Das Zeitungssterben in den USA hat ein weiteres Opfer gefordert. Nach 146 Jahren erscheint die «Seattle Post-Intelligencer» am Dienstag zum letzten Mal als Printausgabe. Künftig gibt es die Zeitung nur noch online.

Der Verlag der Hearst Corp. teilte mit, es sei nicht gelungen, einen Käufer für die Zeitung zu finden. Nach jahrelangen Verlusten wurde die P-I, wie sie abgekürzt wird, im Januar zum Verkauf angeboten. «Heute machen wir die letzte Ausgabe, lasst es uns also richtig machen», sagte der Verleger Roger Oglesby am Montag der Redaktion. Nach der Schliessung der P-I hat Seattle nur noch eine Zeitung, die «Seattle Times».

Erst Anfang des Monats waren in Denver die «Rocky Mountain News» eingestellt worden. Am Samstag folgt in Arizona mit dem «Tucson Citizen» das nächste Opfer der Medienkrise. Der Hearst-Konzern hat ausserdem angekündigt, den «San Francisco Chronicle» zu verkaufen oder zu schliessen, falls die Kosten in den nächsten Wochen nicht gedrosselt werden können.

Die 1863 gegründete «Seattle Post-Intelligencer» ist die bislang grösste Zeitung, die der Krise zum Opfer fällt. Sie beschäftigte zuletzt 181 Mitarbeiter. Für die künftige Web-Ausgabe in verkleinerter Form mit Blogs sowie Links zu anderen Nachrichtenangeboten sollen nur noch 20 Arbeitsplätze in der Redaktion und 20 im Anzeigenvertrieb erhalten bleiben. Entlassene Redaktionsmitglieder sind überzeugt, dass eine vertiefte Berichterstattung über Seattle dadurch nicht mehr möglich ist.

Abonnenten für Online-Ausgabe gesucht

Die «Rocky Mountain News» kündigte an, eine Online-Ausgabe zu starten, wenn bis zum 23. April mindestens 50 000 zahlende Abonnenten dafür gewonnen werden. Leser, die mindestens 4,99 Dollar im Monat zahlen, erhalten dann einen Zugang zu einem Premium-Bereich der geplanten Internet-Zeitung mit Leitartikeln, interaktiven Berichten und Nachrichten-Feeds für mobile Geräte.

Hintergrund der Krise bei den Tageszeitungen sind die zurückgehenden Einnahmen aus der Werbung. Die Anzeigenkunden wurden zu einem grossen Teil an Werbe-Plätze im Internet verloren. Verschärft hat sich der Einbruch bei den Einnahmen mit Beginn der Rezession im Sommer vergangenen Jahres. In den vergangenen Monaten haben vier Zeitungshäuser ein Konkursverfahren eingeleitet, darunter auch die Besitzer der «Los Angeles Times», der «Chicago Tribune» und des «Philadelphia Inquirer».

(pbl/ap)

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