Tierschützer entsetzt: US-Zirkus holt exotische Tiere in die Manege zurück

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Tierschützer entsetztUS-Zirkus holt exotische Tiere in die Manege zurück

Zirkusbesucher wollen Tiernummern sehen, erklärt ein amerikanischer Zirkus und will seinen Zuschauern die Tier-Shows wieder anbieten.

von
Nina Gödeker
AP
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Die Tiere würden die «dummen und entwürdigenden Tricks» nur aus Angst mitmachen, so Tierschützer. (16. Februar 2017, Kiev, Ukraine)

Die Tiere würden die «dummen und entwürdigenden Tricks» nur aus Angst mitmachen, so Tierschützer. (16. Februar 2017, Kiev, Ukraine)

AP/Efrem Lukatsky
Vor einem Jahr feierten Tierschutzorganisationen den amerikanischen Melha Shrine Circus. Damals kündigte der traditionsreiche Zirkus an, ab sofort auf Tiernummern in seinen Shows zu verzichten. Doch jetzt sollen Elefanten, Tiger und Hunde in die Manege zurückkehren.

Vor einem Jahr feierten Tierschutzorganisationen den amerikanischen Melha Shrine Circus. Damals kündigte der traditionsreiche Zirkus an, ab sofort auf Tiernummern in seinen Shows zu verzichten. Doch jetzt sollen Elefanten, Tiger und Hunde in die Manege zurückkehren.

AP/David Molnar
«Manche Leute haben ihr Geld zurückverlangt, als sie erfuhren, dass es keine Tiere geben würde», sagte Allen Zippin vom amerikanischen Melha Shrine Circus.

«Manche Leute haben ihr Geld zurückverlangt, als sie erfuhren, dass es keine Tiere geben würde», sagte Allen Zippin vom amerikanischen Melha Shrine Circus.

AP/David Molnar

Vor einem Jahr feierten Tierschutzorganisationen den amerikanischen Melha Shrine Circus. Damals kündigte der traditionsreiche Zirkus an, ab sofort auf Tiernummern in seinen Shows zu verzichten. Doch jetzt sollen Elefanten, Tiger und Hunde in die Manege zurückkehren. Die Zuschauer wollten diese Dressuren sehen, erklärt Zirkuschef Allen Zippin.

Der Zirkus, der auch zahlreiche karitative Einrichtungen unterstützt, fuhr 2016 zum ersten Mal in seiner 63-jährigen Geschichte Verluste ein. «Im vergangenen Jahr kamen 6500 zahlende Zuschauer weniger», sagt Zippin. «Manche Leute haben ihr Geld zurückverlangt, als sie erfuhren, dass es keine Tiere geben würde.» Darum soll es im Mai bei sieben Shows über vier Tage im Westen von Massachusetts wieder Tiernummern geben.

Veränderte Einstellung des Publikums

Tierschutzaktivisten fordern seit langem, dass Zirkusse auf Tiere verzichten. Sie bezeichnen die Dressuren als grausam und unmenschlich. Das Zirkusunternehmen Ringling Bros. and Barnum & Bailey Circus gab im vergangenen April seine Elefantennummer auf.

Monate später kündigte der berühmteste Zirkus der USA an, in diesem Jahr schliessen zu wollen – nach fast eineinhalb Jahrhunderten im Geschäft. Für die Schliessung wurden mehrere Gründe genannt, das Ende der Elefantendressur und die veränderte Einstellung des Publikums gegenüber Tieren in der Manege gehörten dazu.

Online-Petition mit 66'000 Unterschriften

Ein Zirkus braucht keine Tiere, um die Zuschauer zu begeistern, davon ist Sheryl Becker überzeugt. Sie startete eine Online-Petition, um Melha Shrine davon zu überzeugen, auf Dressuren zu verzichten. Als Beispiele nennt sie den Cirque du Soleil und Circus Smirkus.

Andere, von Shrine unterstützte Veranstalter hätten Tiernummern ebenfalls eingestellt, erklärt Becker, Präsidentin der Tierschutzorganisation Animal Rights Advocates im Westen von Massachusetts. Mehr als 66'000 Unterschriften hat sie schon zusammen.

«Nur aus Angst machen die Tiere diese Tricks»

Dabei liebt Becker den Zirkus und Melha Shrine. Dessen Vorstellungen besuchte sie schon als Kind gemeinsam mit ihrem Vater. Wie die meisten Kinder liebte sie besonders die Tiernummern. Später änderte sie ihre Einstellung aber.

Sie erklärt, die Tiere würden unmenschlich behandelt, in viel zu engen Käfigen gehalten und nicht ausreichend tiermedizinisch versorgt. «Nur aus Angst machen die Tiere diese dummen und entwürdigenden Tricks», sagt Becker.

«Kinder lernen andere zu quälen und zu unterwerfen»

Die Tierschutzorganisation Peta lobte die Entscheidung von Melha Shrine im vergangenen Jahr, jetzt kritisiert sie den Rückzug. «Die Entscheidung, wieder Tiere zu zeigen, ist töricht, kurzsichtig und weltfremd», sagt Rachel Mathews, als Peta-Direktorin zuständig für Tiere in Gefangenschaft.

Tiere zu zwingen, in der Manege «verwirrende und unangenehme Tricks» zu zeigen, sende die falsche Botschaft an die Menschen, die der Zirkus doch eigentlich unterhalten wolle: «Kinder lernen dabei nur, dass es in Ordnung ist, andere zu quälen und zu unterwerfen.»

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