100 Jahre Rosa Parks: USA feiern afroamerikanische Ikone
Aktualisiert

100 Jahre Rosa ParksUSA feiern afroamerikanische Ikone

Rosa Parks aus Montgomery, die sich 1955 in einem Bus weigerte, ihren Sitz für Weisse freizugeben, löste gewaltsame Proteste aus. Sie selber wurde zum Symbol des passiven Widerstandes.

von
kub

Der erste schwarze Präsident der Vereinigten Staaten sitzt in einem leeren Linienbus und schaut aus dem Fenster - den Blick in die Ferne gerichtet, seinen Kopf wie in Demut leicht gebeugt. Dieses Foto von Barack Obama entstand letztes Jahr in einem Automuseum in Detroit.

Es ist ein starkes Symbol dafür, wie sich ein Kreis der US-Geschichte geschlossen hat.

Sechs Jahrzehnte vor dem mächtigsten Mann der Welt hatte die Afro-Amerikanerin Rosa Parks auf einem dieser Doppelsitze Platz genommen. Sie weigerte sich aufzustehen und brachte damit einen Stein ins Rollen. Am Ende wurde die Ungleichbehandlung von Schwarzen aufgehoben. Auch dank Rosa Parks kann Obama heute Präsident sein.

The Black Power Mixtape, 1967-1975

Es ist der 1. Dezember 1955 in Montgomery (Alabama), als die Näherin nach ihrer Arbeit heimfahren will. Sie steigt in den Bus, zahlt zehn Cent Fahrgeld und setzt sich weiter hinten hin.

The Black Power Mixtape 1967-1975

Die ersten Reihen sind strikt für Weisse reserviert. Bald jedoch reichen deren Sitze nicht mehr aus. Als ein Weisser einsteigt, müssen vier Schwarze ein Reihe für ihn räumen. Drei Männer gehorchen der Aufforderung des Fahrers, nicht aber Parks. Die Polizei nimmt die damals 42-Jährige fest. Die Bürgerrechtsbewegung hat eine Heldin.

Rosa Parks würde an diesem Montag 100 Jahre alt werden. Sie starb 2005, doch überall in Amerika feiern Menschen ihren Geburtstag. Die Post bringt eine Briefmarke mit ihrem Porträt heraus, das sie als nachdenkliche, elegante und zugleich starke Frau zeigt.

Statue in Ehrenhalle des Kapitols

Im Kapitol in der Hauptstadt stellen sie eine Statue von ihr in der Ehrenhalle auf. Nur die Grossen der US-Geschichte schaffen es hierhin. Eine schwarze Farmerstochter, die in den Südstaaten aufwuchs, als dort der Ku-Klux-Klan sein Unwesen trieb und Lynchmorde an «Niggern» nicht selten waren, hätte lange niemand in diese Halle gelassen. Ebenso wenig wie einen Afro-Amerikaner ins Weisse Haus.

«Ich sass da für einen Moment und sinnierte über den Mut und die Beharrlichkeit, die Teil unserer Geschichte sind», sagte Obama über das Foto von ihm in dem Bus.

Parks musste nach ihrem Verstoss gegen die Segregationsgesetze zehn Dollar Strafe zahlen und vier für die Gerichtsgebühren. Mit Hilfe der afroamerikanischen Organisation NAACP kämpfte sie juristisch gegen das Urteil an.

Boykott des Bussystems

Zugleich starteten die Schwarzen einen Boykott des städtischen Bussystems, das deswegen drei Viertel seiner Fahrgäste und sehr viel Geld verlor. Anführer des Widerstandes war der damals wenig bekannte Prediger Martin Luther King.

Es dauerte 382 Tage, bis die Afroamerikaner in Montgomery wieder die Busse bestiegen. Sie konnten sitzen, wo sie wollten. Der Oberste Gerichtshof in Washington hatte dank Parks die Rassendiskriminierung im Nahverkehr für verfassungswidrig erklärt.

Die Resultat ihres passiven Widerstandes war nach dem Ende der Segregation in öffentlichen Schulen ein weiterer Meilenstein für eine Bewegung, die 1964 zum Civil Rights Act führte. Die Ungleichbehandlung der Schwarzen war fortan gänzlich verboten - verschwunden ist sie aber bis heute nicht.

Mutter der Bürgerrechtsbewegung

Die kinderlose Frau trägt heute den Titel «Mutter der Bürgerrechtsbewegung». Präsident Bill Clinton ehrte sie 1996 mit der Freiheitsmedaille, 1999 erhielt sie vom Kongress die höchste zivile Auszeichnung der USA.

Interview mit Rosa Parks (1956) (YouTube)

Bis heute streiten sich Historiker darum, ob Parks Busepisode ein «spontaner» Akt war, wie sie selbst sagte, oder ob die NAACP sie bewusst als Märtyrerin auswählte. In den 1940er und 1950er Jahren arbeitete sie für die Organisation als Sekretärin, schon seit ihrer Jugend hatte sie sich für Gerechtigkeit und Gleichbehandlung der Schwarzen engagiert.

Flucht nach Detroit

Für ihren «Verkehrsverstoss» musste Parks lange zahlen. Niemand gab ihr Arbeit; wegen ewiger Drohanrufe erlitt ihr Ehemann Raymond, ein Coiffeur, einen Nervenzusammenbruch.

Das Paar floh nach Detroit, wo sie wieder als Näherin arbeitete. 1965 bot ihr der Kongressabgeordnete und Bürgerrechtler John Conyers eine Stelle in seinem Büro an. Dort blieb sie bis zu ihrer Rente 1988. Sie setzte sich weiter für Bürgerrechte ein. Trotz ihres Ruhms war sie im Alter auf finanzielle Unterstützung durch ihre Kirchengemeinde angewiesen. Zuletzt litt sie an Demenz.

Am 24. Oktober 2005 starb Rosa Louise Parks. Als allererste Amerikanerin wurde sie im Kapitol in Washington aufgebahrt. Präsident George W. Bush und Tausende Menschen erwiesen ihr die letzte Ehre. Die Flaggen in den USA wehten auf halbmast. Auch in Montgomery, Alabama.

Video: Biografie von Rosa Parks (YouTube/BiographyChannel)

Outkast «Rosa Parks»

Trailer: The Rosa Parks Story mit Angela Bassett (TV-Film 2002) (kub/sda)

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