Aktualisiert 02.05.2007 14:10

USA: Grösster Sexskandal seit der Clinton-Affäre

Zu ihrer Verteidigung hat die mutmassliche Washingtoner Puffmutter «Miz Julia» dem TV-Sender ABC eine Kundenliste mit 15 000 Telefonnummern überreicht. US-Politiker und Prominente zittern, der Vize-Aussenminister trat bereits zurück.

Sie habe nichts anderes als einen «legalen, anspruchsvollen erotischen Fantasie-Service» ohne Sex angeboten, erklärte Deborah Jane Palfrey, auch als «D.C. Madam» oder «Miz Julia» bekannt, vor Gericht: 13 Jahre lang betrieb sie von Kalifornien aus ihren Begleitservice «zur Erfüllung erotischer Fantasien» für ihre Kunden an der US-Ostküste im Raum Washington.

Jetzt hat «Miz Julia» ihre rund 18 Kilo schwere Kunden-Telefonliste dem US-amerikanischen Sender ABC übergeben. Der will voraussichtlich am Freitag ausführlich darüber berichten. Miz Julia: «Meine Hoffnung ist es, dass wir in diesen Listen Zeugen für die Verteidigung finden.» Zeugen, die sie offenbar in ihren Behauptungen unterstützen sollen, dass es sich bei ihrem VIP-Escort-Service um ein absolut legales Unternehmen gehandelt habe.

Vize-Aussenminister ist schon zurückgetreten

Das erste Opfer von Palfrey ist bereits vergangenen Freitag zurückgetreten: Der stellvertretende Aussenminister, der 65-jährige Randall Tobias, der jedoch beteuert, «nur Massagen» und keinen Sex zum stolzen Preis von 300 Dollar über die Agentur erhalten zu haben. Pikant an der Sache ist, dass Tobias für Entwicklungshilfe zuständig war, und zur Bekämpfung von Aids die «absolute sexuelle Abstinenz» propagierte.

Auch Harlan K. Ullman, ein Konsulent für das Verteidigungsministerium, der zu Beginn der Invasion des Irak die Phrase «Shock and Awe» (Schock und Furcht) erfunden haben soll, soll zu den Freiern gehören. «Shock and Awe», so die New York Times, könne sehr wohl auch seine eigene Reaktion gewesen sein, als ihn Reporter vergangenen Freitag zu seiner Verbindung mit Palfrey befragten.

Ganz Washington zittert

Allerdings ist noch nicht bekannt, inwieweit ABC-TV ihren Bericht mit Hinweisen auf prominente Leute schmücken wird. Montgomery Sibley, Anwalt der «D.C. Madam», erklärte, er sei bereits von mindestens fünf hochrangigen Anwälten kontaktiert worden, die sich erkundigten, ob die Namen ihrer Klienten auf der Telefonliste aufscheinen würden.

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