Aktualisiert 12.01.2013 04:47

Militär-EngagementUSA machen früher Schluss in Afghanistan

Bei einem Treffen zwischen dem US-Präsidenten Barack Obama und seinem afghanischen Kollegen Hamid Karsai wurde der Abzug der US-Truppen auf Frühling vorverschoben.

Der Afghanistan-Einastz ist mit elf Jahren der längste Krieg der USA, nun zeichnet sich das Ende ab: «Ab diesem Frühjahr werden unsere Truppen eine andere Mission haben: die Ausbildung, Beratung und Unterstützung der afghanischen Sicherheitskräfte», sagte Obama nach einem Vier-Augen-Gespräch mit seinem afghanischen Kollegen Karsai. Ursprünglich wurde der am Freitag verkündete Rollenwechsel erst für Sommer angepeilt. Überdies sollen künftig gefangen genommene Aufständische in die Obhut der Regierung in Kabul übergeben werden.

Keine US-Patrouillen mehr in Dörfern

Die Fähigkeiten der afghanischen Armee «übertreffen frühere Erwartungen», hiess es in einer gemeinsamen Mitteilung der beiden Staatschefs. Obama sagte, mit dem Beschluss komme er dem Wunsch Karsais nach einer schnelleren Übergabe der Sicherheitsverantwortung nach. «Das wird ein historischer Moment», sagte er. Allerdings sei nicht auszuschliessen, dass US-Truppen auch später noch in Kämpfe verwickelt werden könnten.

Karsai reagierte ebenfalls zufrieden, auch weil ab Frühjahr nun keine US-Soldaten mehr in afghanischen Dörfern patrouillieren werden - was ein weiterer Schritt hin zu mehr Normalität im Alltag wäre.

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Senator fordert Obama zum Abzug auf

Unklar war derweil noch, wie es nach 2014 weitergehen wird, wenn die NATO alle Einheiten aus Afghanistan abgezogen haben wird. Genau dieser Punkt hatte in den vergangenen Tagen für Diskussionsstoff gesorgt, nachdem das Weisse Haus erstmals öffentlich mit einer «Zero Option» kokettierte: «Wir schliessen keine Option aus», hatte der stellvertretende Nationale Sicherheitsberater Ben Rhodes noch am Dienstag gesagt und damit einen möglichen Komplettabzug angedeutet. Zuvor hatte das Pentagon stets erklärt, es müssten Tausende Soldaten im Land bleiben, um die afghanischen Sicherheitskräfte auszubilden und eine Rückkehr des Terrornetzwerks Al-Kaida zu verhindern.

Anschläge in Afghanistan

Der demokratische Senator Joe Manchin schickte Obama am Freitag einen Brief, worin er ihn zu einem raschen Handeln aufrief. «Unsere Soldaten haben ihre Mission erfüllt», schrieb er. Ex-Al-Kaida-Chef Osama bin Laden sei tot, die Extremistennetzwerke weitgehend zerschlagen und die örtlichen Sicherheitskräfte seien zehn Jahre lang ausgebildet worden. «Es ist an der Zeit, die Afghanen ihre Zukunft selbst bestimmen zu lassen», argumentierte Manchin.

Neues Personal für die Afghanistan-Frage

Die USA haben zurzeit noch 66'000 Soldaten am Hindukusch, bis Ende 2014 ist der Abzug sämtlicher Kampftruppen geplant. Nach Vorstellungen des Militärs sollten auch danach noch zwischen 6000 und 15'000 Mann in Afghanistan bleiben. Obama erwartet die Empfehlungen seiner Truppenführung zur schrittweisen Reduzierung der Mannstärke schon bald. Über eine mögliche Beratungs- und Ausbildungsmission ab 2015 wird im Rahmen der NATO noch beraten. Die USA sind als bislang grösster Truppensteller der zentrale Fixpunkt.

Karsai reagierte gelassen auf die Spekulationen über den vollständigen Abzug. Zahlen gäben nicht den Ausschlag. Es sei vielmehr das Verhältnis zu den USA, das zähle, sagte er.

Das Treffen am Freitag war das erste zwischen Obama und Karsai seit der US-Präsidentschaftswahl im November. Mit Beginn der zweiten Amtszeit Obamas wird die Zusammenarbeit mit der afghanischen Seite schon allein aus personellen Gründen umgekrempelt: Mit John Kerry (Aussenminister), Chuck Hagel (Verteidigungsminister) und John Brennan (CIA-Chef) rücken drei neue Leute in den Zirkel auf, der sich mit dem Dauerproblem Afghanistan befassen muss. Sowohl Kerry als auch Hagel sind in der Vergangenheit als Befürworter eines beschleunigten Truppenabzugs in Erscheinung getreten.

(dapd)

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