Aktualisiert 11.05.2017 15:15

Bann für elektronische GeräteUSA planen Laptop-Verbot auf Flügen aus Europa

Die US-Behörden überlegen sich, den «E-Ban» auf elektronische Geräte in Flugzeugen aus Europa auszuweiten. Schon heute könnte ein Entscheid fallen.

von
vb
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Sind Laptops an Bord bald ein Relikt aus der Vergangenheit? Die US-Behörde Homeland Security plant ein entsprechendes Verbot. Die EU läuft Sturm dagegen.

Sind Laptops an Bord bald ein Relikt aus der Vergangenheit? Die US-Behörde Homeland Security plant ein entsprechendes Verbot. Die EU läuft Sturm dagegen.

epa/Ulrich Perrey
Neben Laptops sollen auch iPads und Fotokameras nicht mehr in die Kabine genommen werden dürfen.

Neben Laptops sollen auch iPads und Fotokameras nicht mehr in die Kabine genommen werden dürfen.

Chris Ison
Die USA haben im März Laptops und Tablets, aber auch Spielkonsolen und Kameras auf Flügen aus gewissen Ländern verboten. Hintergrund ist die Angst vor Anschlägen.

Die USA haben im März Laptops und Tablets, aber auch Spielkonsolen und Kameras auf Flügen aus gewissen Ländern verboten. Hintergrund ist die Angst vor Anschlägen.

AP/ted S. Warren

Dürfen Flugreisende, die von Europa in die USA fliegen, ihre Laptops oder Tablets bald nicht mehr im Handgepäck mit ins Flugzeug mitnehmen? Offenbar überlegt sich das das US-Heimatschutzministerium. 20 Minuten beantwortet die wichtigsten Fragen.

Was haben die US-Behörden vor?

Sie denken darüber nach, den sogenannten «E-Ban» – also das Verbot von grösseren elektronischen Geräten in der Flugzeugkabine – auf mehrere europäische Länder auszuweiten. Im März hatte das US-Heimatschutzministerium (Department of Homeland Security, DHS) ein entsprechendes Verbot für zehn Flughäfen im Nahen Osten, in Nordafrika und in der Türkei verhängt. Die Begründung: Terrorgefahr. In elektronischen Geräten könnten Bomben versteckt sein, so die US-Geheimdienste.

Um welche Geräte geht es?

Betroffen sind Geräte, die grösser als ein Smartphone sind. Konkret betroffen sind Laptops, Tablets, E-Reader, Kameras und tragbare DVD-Player, aber auch Spielkonsolen wie die Nintendo Switch.

Wie konkret sind die Pläne?

Ein Sprecher des US-Heimatschutzministeriums sagte der Deutschen Presse-Agentur, es würden «entsprechende Überlegungen» laufen. Fix entschieden ist noch nichts – eine offizielle Ankündigung des DHS wird für heute erwartet. In Europa ist man bereits nervös: Laut Informationen der «Süddeutschen Zeitung» tagt heute Donnerstag das Flugsicherheitskomitee der EU, um sich mit der Situation zu befassen. Gemäss dem Bericht rechnen manche Branchenkenner damit, dass der E-Ban für Europa schon heute bekannt gegeben wird und in den nächsten Tagen in Kraft tritt.

Was sagt die Swiss zum drohenden Laptop-Verbot?

Es würden noch keine neuen Anweisungen der US-Behörden für Flüge in die USA vorliegen, sagt eine Swiss-Sprecherin auf Anfrage von 20 Minuten. Die Schweizer Airline hat sich aber schon für eine potenzielle Ausweitung des E-Ban gerüstet: «Nach dem Laptop-Verbot vom März für verschiedene Länder haben wir intern bereits verschiedene Szenarien durchdacht.» Wöchentlich fliegen weit über 10'000 Passagiere mit der Swiss von Zürich in die USA.

Wie stark würden die europäischen Airlines unter dem Verbot leiden?

Es könnte direkte Auswirkungen auf die Nachfrage haben, wie ein Blick auf Emirates zeigt. Die Nahost-Airline reduziert ab Mai ihr Angebot an USA-Flügen um 20 Prozent – und begründet das unter anderem mit dem Laptop-Verbot: «Die Beschränkungen bei der Mitnahme von elektronischen Geräten ins Flugzeug haben einen direkten Einfluss auf das Kundeninteresse», schreibt die Airline.

Was bedeutet der E-Ban für die Passagiere?

Sie müssten noch mehr Sicherheitskontrollen über sich ergehen lassen, sodass die Airlines sicher sein können, dass auch wirklich keine elektronischen Geräte an Bord sind. Deswegen müssten die Passagiere nochmals früher am Flughafen sein. Branchenkenner sagen zudem voraus, dass es wegen der zusätzlichen Sicherheitskontrollen zu deutlichen Verspätungen kommen könnte.

Wie gehen bereits betroffene Airlines mit dem Laptop-Bann um?

Manche Fluglinien haben bereits Lösungen parat, um ihren Passagieren das Leben wenigstens ein bisschen zu erleichtern. Bei Turkish Airlines dürfen die Fluggäste ihre Geräte bis zum Boarding Gate mitnehmen. Dort werden die Laptops oder Tablets von der Crew eingesammelt und «sicher verpackt», wie die Fluglinie schreibt. Nach der Landung werden die Geräte wieder ausgehändigt. Etihad Airways stellt den Passagieren firmeneigene iPads zur Verfügung. Bei Qatar Airways gibts für Kunden der Business Class sogar Laptops an Bord, bei Emirates Surface-Tablets von Microsoft.

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