Nächste Tage: USA planen Luftschlag
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Nächste TageUSA planen Luftschlag

Die USA drücken bei ihren Planungen für einen Militärschlag gegen Syriens Machthaber Baschar al-Assad aufs Tempo. US-Streitkräfte stehen für einen Luftangriff bereit.

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bee/jbu

Nach dem mutmasslichen Einsatz chemischer Waffen in Syrien könnten die USA bereits am Donnerstag mit Luftangriffen starten. Das berichtete der US-Fernsehsender NBC am Dienstag unter Berufung auf Regierungskreise in Washington. Der mögliche Militäreinsatz in Syrien soll den Angaben zufolge auf drei Tage begrenzt bleiben.

«Es geht um die Verletzung einer internationalen Norm gegen die Nutzung chemischer Waffen und wie wir darauf reagieren sollen», sagte Marie Harf, Sprecherin des US-Aussenministeriums. Mögliche Zielorte für einzelne, präzise Angriffe könnten Beobachtern zufolge Kommandozentren, Radaranlagen oder Waffenlager sein, eher nicht aber Lager für chemische Waffenstoffe, weil dort giftige Gase freigesetzt werden könnten.

Zuvor hatten bereits die «Washington Post» und die «New York Times» über Planungen für einen räumlich und zeitlich eng begrenzten Einsatz in Syrien berichtet. Denkbar sei ein Angriff auf militärische Ziele mit Marschflugkörpern, die von US-Kriegsschiffen im Mittelmeer abgefeuert werden könnten. Die USA wollen demnach Syriens Machthaber Baschar al-Assad nicht stürzen, wegen des mutmasslichen Giftgaseinsatzes aber eine klare Botschaft an Damaskus senden.

Griechische Militärstützpunkte nutzen

Nach einem Bericht der griechischen Zeitung «Kathimerini» vom Dienstag beantragten die USA in Athen bereits die Nutzung von zwei Militärstützpunkten. Offiziell gab es dafür jedoch keine Bestätigung. Die Stützpunkte auf Kreta und der Halbinsel Peloponnes waren bereits während des Libyen-Einsatzes 2011 von Kampfbombern genutzt worden.

Die syrische Regierung will im Falle eines militärischen Eingreifens zurückschlagen. «Wir werden uns verteidigen», sagte Aussenminister Walid al-Muallim in Damaskus. Dazu stünden militärische Mittel zur Verfügung, die die Welt «überraschen» würden.

UNO-Sicherheitsrat will Giftgas-Vorwürfe klär

Die syrische Exil-Opposition ist über einen bevorstehenden Militärschlag gegen das Regime informiert worden. «Man hat uns mitgeteilt, dass die Grossmächte einen Angriff vorbereiten, um das Regime zu bestrafen, aber wir haben keine konkreten Informationen über die Angriffsziele», sagte Munser Machus, ein Mitglied der Nationalen Syrischen Koalition in Beirut.

Ernste Konsequenzen für Chemiewaffen-Einsatz

Hagel: «Wir sind vorbereitet»

US-Verteidigungsminister Chuck Hagel sagte in einem am Dienstag ausgestrahlten Interview mit der britischen BBC, dass die US-Streitkräfte sofort losschlagen könnten. «Wir sind vorbereitet», sagte Hagel, der sich derzeit auf einer Asienreise befindet. «Wir haben Kräfte in Stellung gebracht, um jedwede Option umzusetzen, die der Präsident in Anspruch nehmen möchte.»

Hagel bekräftigte, dass die US-Regierung bald Beweise vorlegen werde, dass Assad vergangene Woche in der Nähe von Damaskus Chemiewaffen gegen Zivilisten eingesetzt habe. «Syrien hat Chemiewaffen gegen das eigene Volk eingesetzt», sagte der Pentagon-Chef. Die Informationen der Geheimdienste zeigten, dass Assads Truppen und nicht die Rebellen für die Angriffe verantwortlich seien.

Auch US-Vizepräsident Joe Biden machte – als bislang ranghöchster US-Politiker – die syrische Führung für den mutmasslichen Giftgaseinsatz verantwortlich. «Der Präsident denkt und ich denke, dass diejenigen, die chemische Waffen gegen wehrlose Männer, Frauen und Kinder einsetzen, dafür zur Rechenschaft gezogen werden sollten und müssen», sagte Biden bei einer Veranstaltung einer Veteranenvereinigung in Houston im US-Bundesstaat Texas.

US-Präsident Obama beriet am Dienstag telefonisch mit Grossbritanniens Premierminister David Cameron über mögliche Reaktionen auf den «wahllosen» Einsatz von Chemiewaffen in Syrien. In den kommenden Tagen wollten sie enge Rücksprache halten, sagte eine Sprecherin des Weissen Hauses. Cameron hat für Donnerstag eine Abstimmung im Parlament in London über das weitere Vorgehen angesetzt.

Arabische Liga gibt Damaskus Schuld an Chemiewaffeneinsatz

Auch die Arabische Liga hat die syrische Führung beschuldigt, für den mutmasslichen Chemiewaffeneinsatz in der vergangenen Woche verantwortlich zu sein. Die Führung in Damaskus trage die «volle Verantwortung» für den Angriff vom 21. August, hiess es in einer Erklärung des Staatenbundes nach einer Sondersitzung am Dienstag in der ägyptischen Hauptstadt Kairo. Die Verantwortlichen seien «Kriegsverbrecher» und müssten vor ein internationales Gericht gestellt werden.

In der Erklärung verurteilten die Vertreter des Staatenbundes die Angriffe als «furchtbares Verbrechen», das mit «international verbotenen Chemiewaffen ausgeführt» worden sei. Bei den schweren Angriffen im Grossraum Damaskus wurden am vergangenen Mittwoch nach Darstellung der Opposition mehr als 1'300 Menschen getötet. (bee/jbu/sda)

US-Militäroptionen für Syrien

Raketenangriff: Vier moderne Lenkwaffenzerstörer der US-Marine (USS Mahan, USS Barry, USS Gravely und USS Ramage) sind im östlichen Mittelmeer, zwei davon nahe der syrischen Küste. Sie sind laut Experten mit Dutzenden, vielleicht fast 100 Marschflugkörpern vom Typ Tomahawk bestückt. Die Amerikaner verwenden sie traditionell als Erstschlagwaffen.

Luftangriff: Theoretisch haben die USA viele Möglichkeiten, syrische Anlagen von Kampfflugzeugen aus zu bombardieren. Derzeit sind im Nahen Osten die zwei Flugzeugträger USS Harry S. Truman und USS Nimitz unterwegs, von denen aus solche Angriffe geflogen werden könnten. Jedoch macht das Pentagon laut Experten derzeit keine Anstalten, die Schiffe näher nach Syrien zu holen.

Bodentruppen: Obama hat immer wieder betont, dass der Einsatz von Bodentruppen in Syrien nicht infrage komme. Sollte er seine Meinung ändern, könnte er etwa auf Hunderte US-Soldaten in Amman zurückgreifen. Sie sind dort seit Monaten, um die Jordanier bei möglichen Angriffen aus Syrien zu unterstützen. Auch bodengestützte Flugabwehrraketen vom Typ Patriot stünden dort bereit. (SDA)

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