USA: Tyre Nichols stirbt nach Einsatz

Publiziert

Polizeigewalt in den USAPolizisten schlagen auf Schwarzen ein – 29-Jähriger stirbt im Spital

Immer wieder gibt es erschütternde Fälle von Polizeigewalt in den USA. Nun hat in Memphis ein junger Mann eine Verkehrskontrolle nicht überlebt. Die Familie konnte sich nun das «abscheuliche» Video des Vorfalls ansehen. Sie spricht von Mord.

Darum gehts

  • Anfang Januar ist ein 29-Jähriger nach einer «Konfrontation» mit der Polizei ums Leben gekommen.

  • Die Familie des Opfers sagt nun: «Er war wehrlos.»

  • Mehrere Beamten hätten auf ihn eingeprügelt. 

  • Dies würde aus einem Video hervorgehen.

  • Die Beamten haben bereits ihren Job verloren.

Erneut sorgt in den USA ein Polizeieinsatz für Entsetzen, in dessen Folge ein schwarzer Mann ums Leben gekommen ist. Der 29-jährige Tyre Nichols sei mehrere Minuten lang von den Einsatzkräften zusammengeschlagen worden, sagte einer der Anwälte der Familie, Antonio Romanucci, bei einer Pressekonferenz am Montag (Ortszeit). Nichols war der Polizei zufolge Anfang Januar in der US-Metropole Memphis im US-Bundesstaat Tennessee wegen «rücksichtslosen Fahrens» angehalten worden. Den Angaben nach, war es dabei zu «Konfrontationen» gekommen – der Mann starb wenige Tage später im Spital.

Am Montag konnte sich die Familie des Opfers das Video des Polizeieinsatzes anschauen. «Er war wehrlos. Die ganze Zeit. Er war eine menschliche Piñata für diese Polizeibeamten», sagte Anwalt Romanucci im Anschluss. Er nannte das Vorgehen der Polizei rassistisch. Eine Piñata kann eine Figur sein, auf die zumeist Kinder mit Stöcken einschlagen, bis Süssigkeiten rausfallen.

1 / 2
Der Anwalt der Familie hat dieses Foto des Verstorbenen veröffentlicht.

Der Anwalt der Familie hat dieses Foto des Verstorbenen veröffentlicht.

Twitter.com/AttorneyCrump
Justin Smith ist einer der fünf Beamten, die nach dem Vorfall entlassen wurden. 

Justin Smith ist einer der fünf Beamten, die nach dem Vorfall entlassen wurden. 

via REUTERS

Die Polizei erklärte einen Tag nach der Kontrolle, am 8. Januar, in einer Mitteilung, dass es zu einer «Konfrontation» gekommen sei, als die Einsatzkräfte den 29-Jährigen stoppten. Dieser sei schliesslich zu Fuss geflüchtet, dabei sei es dann zu einer weiteren «Konfrontation» gekommen, schrieb die Polizei, ohne konkrete Angaben zu machen. Der Verdächtige habe schliesslich über Kurzatmigkeit geklagt und sei ins Spital gebracht worden. Dort erlag er seinen Verletzungen. Die Polizei entliess mittlerweile fünf, an dem Einsatz beteiligte, Beamte unter anderem wegen «übermässiger Gewaltanwendung». Das Video des Vorfalls ist bisher noch nicht öffentlich gemacht worden, soll aber in den kommenden Wochen veröffentlicht werden. Unterdessen hat der Anwalt der Familie ein Video auf Twitter veröffentlicht, dass Nichols so zeigen soll, wie er wirklich gewesen war – «ein «talentierter und enthusiastischer Skateboarder, der noch so viele Pläne in seinem Leben hatte». 

Familie spricht von Mord

«Mein Sohn war ein guter Junge», sagte die Mutter des 29-Jährigen, RowVaughn Wells, bei der Pressekonferenz. Er sei leidenschaftlicher Skateboarder gewesen. «Er wollte einfach nur nach Hause kommen. Er war zwei Minuten vom Haus entfernt, als sie ihn anhielten», schilderte Wells. Die Polizei habe ihn «ermordet».

Ein weiterer Familienanwalt, Ben Crump, verglich den Fall mit Rodney King. In Los Angeles wurde der Schwarze 1991 nach einer Verfolgungsjagd von der Polizei zusammenschlagen. Der Freispruch der Beamten führte damals zu Unruhen mit Dutzenden Toten. «Im Gegensatz zu Rodney King hat Tyre nicht überlebt», sagte Anwalt Crump. Das Video des Einsatzes von Anfang Januar sei «entsetzlich» und «abscheulich». «Ihr könnt nicht weiterhin junge Schwarze bei Verkehrskontrollen umbringen», sagte Crump.

In den USA kommt es regelmässig zu tödlichen Polizeieinsätzen ähnlicher Art. Stellvertretend steht dafür der Fall von George Floyd: Im Mai 2020 war der Afroamerikaner bei einem brutalen Polizeieinsatz in Minneapolis ums Leben gekommen. Der Fall führte damals zu landesweiten Protesten gegen Polizeigewalt und Rassismus. Seitdem gibt es immer wieder Bestürzung über ähnliche Fälle. 

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von Rassismus betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Beratungsnetz für Rassismusopfer

GRA, Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

(DPA/roy)

Deine Meinung