Ägypten: USA rufen nach Toten bei Demos zur Ruhe auf
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ÄgyptenUSA rufen nach Toten bei Demos zur Ruhe auf

Bei Protesten gegen die ägyptische Regierung hat es mindestens drei Tote gegeben. Die USA fordern die Sicherheitskräfte auf, friedlich zu antworten.

Am 25. Januar gegen Abend arteten die Proteste in Ägypten aus. Zwei Demonstranten und ein Polizist wurden getötet. (Video: APTNvideo)

Angesichts der blutigen Proteste gegen die Regierung von Präsident Hosni Mubarak in Ägypten haben die USA Kairo zur Zurückhaltung aufgerufen. Das Weisse Haus erklärte am Dienstag, beide Seiten sollten keine Gewalt anwenden.

Die Regierung solle auf Proteste friedlich antworten, hiess es. Das ägyptische Volk habe das Recht auf freie Meinungsäusserung. Die Regierung solle den Bestrebungen des Volkes Rechnung tragen und politische, wirtschaftliche und soziale Reformen, die das Leben verbessern könnten, fortsetzen.

Bei Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten waren am Dienstag in Ägypten drei Menschen getötet und zahlreiche weitere verletzt worden.

«Schwerste Krawalle seit Jahren»

Wie Sicherheitskreise am Dienstagabend berichteten, eröffnete die Polizei bei Krawallen in der Hafenstadt Suez das Feuer auf Demonstranten und tötete zwei Menschen. In Kairo erlag ein Polizist den Verletzungen, die er bei Ausschreitungen erlitten hatte. Augenzeugen sprachen von den schwersten Krawallen seit Jahren.

Die Proteste hielten auch in der Nacht zum Mittwoch (MEZ) an. Die Polizei setzte in der Hauptstadt Kairo Tränengas und Wasserwerfer gegen die Demonstranten ein.

Die Proteste in mindestens 16 Städten richteten sich gegen Korruption, Arbeitslosigkeit und Menschenrechtsverletzungen. Nach dem Umsturz in Tunesien beteiligten sich auch in Ägypten zehntausende Menschen an den Demonstrationen, hunderte wurden nach Angaben von Teilnehmern verletzt. Die Polizei setzte Tränengas, Wasserwerfer und Plastikgeschosse ein.

Polizei zuerst zurückhaltend

Bei den anfänglich noch friedlichen Protesten hatte die Polizei zunächst sehr zurückhaltend agiert. Dies war offenbar dem Umstand geschuldet, dass die Regierung eine ähnliche Massenrevolte wie in Tunesien zu vermeiden suchte.

Die Menschen riefen: «Lang lebe ein freies Tunesien» und «Nieder mit Mubarak». Zudem sei bei den ägyptischen Wahlen betrogen worden, sagten die Demonstranten, die ausserdem gegen die bittere Armut, Korruption, Arbeitslosigkeit und Misshandlungen durch die Polizei protestierten. Hunderte Menschen kamen auch in Alexandria und weiteren Städten zu Protesten zusammen.

Als die mit ägyptischen und tunesischen Flaggen ausgestatteten Menschen auf dem Tahrir-Platz in Kairo zusammenkamen, änderten die Sicherheitskräfte ihre Taktik und die Situation eskalierte. Dabei beschlagnahmten die Polizisten auch die Kamera einer Journalistin und schlugen auf die Frau ein, sodass ihre Brille zerbrach.

Andernorts schienen die Demonstranten die Oberhand zu gewinnen, als die Polizisten sich unter einem Steinhagel zurückzogen. Ein Demonstrant kletterte in einen Feuerwehrwagen und fuhr davon.

(sda)

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