Aktualisiert 05.10.2004 14:56

USA: Rumsfeld stiftet massive Verwirrung

Welch wankelmütiger Verteidigungsminister: Innerhalb von 24 Stunden hat Donald Rumsfeld seine Meinung geändert. Erst gestand er ein, dass es keine Verbindung zwischen Saddam und Bin Laden gab, jetzt krebst er zurück.

Washington US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld fühlt sich missverstanden. Er versuchte am Dienstag seine Aufsehen erregende Äusserung zu korrigieren, wonach es keine «starken, harten Beweise» für eine Verbindung zwischen Irak und El Kaida gebe.

Wenige Stunden nach dem Auftritt bei einer Veranstaltung des Rats für Auswärtige Beziehungen in New York schrieb Rumsfeld in einer in Washington veröffentlichten Erklärung, er habe bereits seit September 2002 hervorgehoben, dass es «Verbindungen» zwischen Saddam Hussein und El Kaida gegeben habe.

Diese Einschätzung habe auf Vorlagen gegründet, die er vom früheren Chef des Geheimdienstes CIA, George Tenet, erhalten habe. So hätten El-Kaida-Vertreter in Irak Möglichkeiten zum Erwerb von Massenvernichtungswaffen sondiert und mit der Regierung über Rückzugsmöglichkeiten für Terroristen in Irak gesprochen.

Widersprüchliche Antwort

Vor dem Rat am Montag hatte Rumsfeld auf eine entsprechende Frage jedoch geantwortet, die einzelnen Treffen zwischen irakischen Regierungsvertretern und El-Kaida-Mitgliedern, über die die CIA berichtet habe, seien möglicherweise nicht repräsentativ für eine «harte Verbindung» gewesen.

Der Vorwurf, Bagdad mache mit Terroristen gemeinsame Sache, war eines der wichtigsten Argumente Washingtons für den Einmarsch in Irak. Der demokratische Präsidentschaftsbewerber John Kerry wirft Amtsinhaber George W. Bush deshalb vor, die Menschen in den USA in die Irre geführt zu haben.

Auch Bremer kritisiert

Am Dienstag kritisierte auch der frühere US-Zivilverwalter in Bagdad, Paul Bremer, die Irak-Politik seiner Regierung. Es seien «niemals» genügend US-Soldaten in Irak gewesen, um das Land zu kontrollieren, sagte er am Montag vor Versicherungsvertretern in White Sulphur Springs im Bundesstaat West Virginia.

Nach der Einnahme Bagdads und anderer Landesteile durch die US- Armee habe es auch nicht genügend Soldaten für Patrouillen gegeben. Deshalb habe es «grauenvolle» Plünderungen gegeben, sagte Bremer. Bremer widersprach damit Bush und Rumsfeld, die versichert hatten, die Armee in Irak würde bekommen, was sie benötige.

Debatte Edwards-Cheney

Die Irak-Politik wird auch Thema der TV-Debatte zwischen Vize- Präsident Dick Cheney und dem Demokraten John Edwards an der Universität von Cleveland im Bundesstaat Ohio sein.

Kerrys Wahlkampfsprecher Joe Lockhart sagte, Edwards werde Cheney in der Nacht zum Mittwoch mitverantwortlich für das Chaos in Irak machen. Er werde ihm vorwerfen, durch seine Verbindungen zum Halliburton-Konzern vom Irak-Krieg profitiert zu haben.

Halliburton hat von der US-Regierung mehrere lukrative Aufträge für den Wiederaufbau im Irak erhalten. Cheney stand von 1995 bis 2000 an der Spitze des Konzerns.

Viele Tote

In Irak ging die Welle der Gewalt auch am Dienstag weiter. Fünf Iraker wurden bei einem Selbstmordanschlag in der nordirakischen Stadt Mossul getötet. Bei einem anderen Autobombenanschlag in Mussaeib, 50 Kilometer südlich von Bagdad, starben nach Polizeiangaben zwei irakische Nationalgardisten.

Auch in Ramadi, 100 Kilometer westlich von Bagdad, zündeten Attentäter eine Autobombe. Sie riss vier Iraker vor einer Moschee im Zentrum der Stadt in den Tod. Bei einem Sprenganschlag auf einen US-Konvoi in der Hauptstadt starb ein US-Soldat.

(dapd)

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