Brutale Gegen-Propaganda: USA schrecken IS-Fans mit Gewaltvideo ab
Aktualisiert

Brutale Gegen-PropagandaUSA schrecken IS-Fans mit Gewaltvideo ab

Das US-Aussenministerium will die IS-Terroristen mit den eigenen Propagandawaffen schlagen - und setzt dabei auf brutalste Bilder.

von
sut

Die Szenen in dem Video sind von kaum zu übertreffender Brutalität. Gefesselte Männer kauern am Boden und werden von hinten erschossen. Abgeschnittene Köpfe liegen neben Körpern. Gefangene hängen genagelt an Kreuzen. Leichen stürzen ins staubige Massengrab.

Stammen die Szenen aus dem neusten Propaganda-Clip des «Islamischen Staats» (IS, vormals Isis oder Isil)? Nein: Das Video mit dem Titel «Willkommen im IS-Land» wurde vom US-Aussenministerium zusammengeschnitten und verbreitet. Dessen Abteilung für strategische Kommunikation gegen Terrorismus will damit junge Leute umstimmen, die sich von den Bildern und Texten der IS-Terroristen angezogen fühlen.

IS ist Meister der Propaganda

Der Hintergrund der amerikanischen Propaganda-Offensive ist die breite Präsenz von professionell gemachten IS-Botschaften auf sozialen Netzwerken. Der IS setzt «neue Höchtststandards bei der Terrorpropaganda hinsichtlich Qualität und Quantität», sagte ein Mitarbeiter des US-Aussenministeriums zur «Washington Post». «Er hat umgesetzt, was die Al-Kaida immer anstrebte, aber nie fertigbrachte.»

Mehrere hunderttausend Menschen sahen sich die Videos von den Ermordungen der zwei US-Journalisten an. Kameraleute des IS liessen über der irakischen Stadt Falluja eine Drohne steigen, um Luftaufnahmen zu schiessen. Wie die «New York Times» berichtet, verbreiten Dutzende von Twitter-Konten die Botschaft des Heiligen Kriegs. Die Medienprofis des IS seien «sehr geschickt im Anpeilen eines jungen Publikums», sagte der Psychologe John Horgan von der University of Massachusetts in Lowell zur «Times». «Es ist alles dringlich: Sei Teil von etwas Grösserem, als du es bist, und sei es jetzt!»

Widersprüche zeigen

Die Kommunikatoren im US-Aussenministerium begannen ihre Kampagne Ende letzten Jahres mit einem Pilotversuch. Seither sind sie unter dem Titel «Think Again Turn Away» (Denk noch mal darüber nach, wende Dich ab) präsent auf YouTube, Facebook und Twitter. Es gehe darum, möglichen Rekruten oder Sympathisanten des «Islamischen Staats» die Brutalität der Organisation zu zeigen, sagte Marie Harf, die Sprecherin des US-Aussenministeriums, zur «Post». «Wir wollen auf die Irrtümer und Widersprüche hinweisen.»

Ob die Botschaft wirkt, ist umstritten. Kritiker sagen, die Tweets und Videos des Aussenministeriums hätten zur Folge, dass die Botschaft des IS noch grössere Verbreitung finde. Zudem ist unsicher, ob es abschreckend wirkt, wenn dem IS die Misshandlung und Tötung von anderen Muslimen vorgeworfen wird. Die vom IS öffentlich zur Schau gestellte Brutalität möge viele abschrecken, schreibt die Werbezeitschrift «Adweek». Doch für andere sei gerade sie das «Kaufargument».

Womöglich kontraproduktiv?

Wenn das US-Aussenministerium die gleichen Bilder verbreitet, könnte es die Attraktivität der Terrororganisation sogar steigern. Denn, schreibt Dexter Filkins im «New Yorker», «für die Typen, die sich beim IS einschreiben, ? ist Töten der eigentliche Grund, warum sie dort sind.»

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