Ethnische Unruhen: USA stocken Hilfe für Kirgistan auf
Aktualisiert

Ethnische UnruhenUSA stocken Hilfe für Kirgistan auf

Angesichts der blutigen Unruhen in Kirgistan und der Flüchtlingswelle in der zentralasiatischen Region läuft eine erste Hilfswelle des Westens an.

Die USA stocken ihre Hilfe für das von blutigen Unruhen erschütterte Kirgistan auf 6,5 Millionen Dollar auf. Das Geld soll vor allem dazu verwendet werden, Flüchtlinge mit Essen zu versorgen, teilte der Sprecher des US-Aussendepartements, Philip Crowley, am Mittwoch (Ortszeit) mit.

Zuvor hatte Aussenministerin Hillary Clinton mit der kirgisischen Übergangspräsidentin Rosa Otunbajewa telefoniert. Sie habe mit Otunbajewa unter anderem die längerfristigen humanitären Bedürfnisse im Land erörtet, sagte Crowley.

Die daraufhin zugesagten 6,5 Millionen Dollar sollen vor allem dazu verwendet werden, Flüchtlinge mit Essen zu versorgen. Crowley stellte weitere finanzielle Hilfe in Aussicht.

Bislang hatten die USA Hilfsgüter im Wert von fast einer Million Dollar bereitgestellt. Die Europäische Union stellte als Soforthilfe 5 Millionen Euro bereit.

Die von der EU-Kommission zur Verfügung gestellten Gelder sind für medizinische Versorgung, Unterkünfte, Wasser und Nahrung der Flüchtlinge vorgesehen. Das EU-Geld wird nach Angaben eines Sprechers an Nichtregierungs-Organisationen sowie die Vereinten Nationen und das Rote Kreuz weitergereicht.

Voraussichtlich werde die Summe erhöht, sobald die Kommission genauere Informationen über den Umfang der benötigten Hilfe habe. «Die Lage ist sehr ernst, und wir mussten schnell handeln», wurde die für humanitäre Hilfe zuständige EU-Kommissarin Kristalina Georgiewa zitiert.

Keine militärische Hilfe Russlands

Unterdessen blieb die Lage in der zentralasiatischen Republik weiterhin äusserst explosiv. Im Süden des Landes lieferten sich Kirgisen und Angehörige der usbekischen Minderheit erneut Feuergefechte und beschossen sich mit Granaten, wie die Interimsregierung in der Hauptstadt Bischkek am Mittwoch mitteilte.

Der Sekretär des kirgisischen Sicherheitsrats, Alik Orosow, verhandelte in Moskau über ein mögliches militärisches Engagement Russlands in der Region. Allerdings will das von Russland geführte Militärbündnis OVKS nur technische und humanitäre Hilfe und keine Friedenssoldaten in das Hochgebirgsland an der Grenze zu China entsenden.

«Dramatische humanitäre Bedürfnisse»

Bei den blutigen Auseinandersetzungen sind seit einer Woche mindestens 200 Menschen ums Leben gekommen. Jedoch schätzt das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) die Opferzahl auf mehrere Hundert.

Rund 1500 Bewohner wurden verletzt, Hunderttausende in die Flucht getrieben. Die Lage der Flüchtlinge im Gebiet zwischen Kirgistan und Usbekistan gilt als äusserst schwierig.

Alle grossen Übergänge nach Usbekistan seien geschlossen, da das Nachbarland keine Kapazitäten zur Unterbringung besitze, sagte ein Mitarbeiter der kirgisischen Grenzbehörden.

Um über das Schicksal der landesweit bis zu 300 000 Flüchtlinge zu verhandeln, soll in den nächsten Tagen der US-Diplomat Robert Blake in die Region reisen. Es gebe «dramatische humanitäre Bedürfnisse», teilte die amerikanische Botschaft in Moskau mit. (sda)

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